Freitag, 22. Juni 2012

"Die Schaustellerin" von Karin Engel

"Die Morgennebel hoben sich nur langsam, unwillig, so schien es, als wollten sie das Lager an diesem Tag nicht den vielen fremden Blicken preisgeben, die, neugierig und erwartungsfroh die einen, gleichmütig oder herablassend die anderen, die Chiffren einer Welt zu entziffern suchten, die Vergnügen und Magie versprach."


"Die Schaustellerin" von Karin Engel

Verlag: Knaur (2009)
Format: TB, 581 Seiten + Spielanleitung für "Schikanöse"
ISBN: 978-3-426-63949-8
Preis: 8,95 € [D]

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Inhalt


Die Welt der jungen Celia Lambert ist bunt, voller Abenteuer und Spektakel und ganz anders als jene, die das späte 19. Jahrhundert für eine Frau vorgesehen hat: Celias Eltern sind Schausteller und ziehen seit Generationen von Ort zu Ort, um die Menschen mit ihren Künsten und ihren Fahrgeschäften zu erfreuen. Der Jahrmarkt ist Celias Leidenschaft, doch ihre große Liebe gehört seit langem Philipp Merten, Sohn einer der bedeutendsten Familien Bremens. Mit ihm will sie ihre ehrgeizigen Träume verwirklichen und sich in Amerika Anregungen für neue Sensationen holen. Doch dann verlobt sich Philipp mit einer anderen – ausgerechnet ihrer besten Freundin. Tief enttäuscht verlässt Celia das Land – und erlebt in Amerika das Abenteuer ihres Lebens …


Meine Meinung


Dieser historische Roman von Karin Engel umfasst eine Zeit von etwa 25 Jahren im Leben der Schaustellertochter Celia Lambert, gelegentlich gibt es Rückblicke in die Zeit vor ihrer Geburt. Insgesamt erstreckt sich die erzählte Zeit zwischen ca. 1870 und 1914. Ich muss gestehen, dass ich in Sachen Geschichte nicht sehr bewandert bin, und deren Richtigkeit deshalb auch nicht bezeugen kann. Aber in meinen Ohren klang alles durchaus plausibel. Die Frauen waren auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit und die moderne Technik machte eine ganz neue Art von Fahrgeschäften möglich. Viele wanderten aus um ihr Glück in Amerika zu suchen, die Gegend rund um New York pulsierte, doch neben großem Reichtum fand sich auch viel Elend. 

Mit diesem Buch ist Karin Engel ein großartiges Werk gelungen, wie ich finde. Alles ist stimmig, alles greift ineinander und ist gut komponiert. Das Geschehen rund um Celia ist im Mittelpunkt, doch auch die vielen anderen Charaktere, die größere und kleinere Rollen in ihrem Leben spielen, kommen zu ihrem Recht. Am Ende war ich positiv überrascht, wie Engel es geschafft hat, dass über so viele Seiten hinweg alles zueinander passt. Auch gefallen hat mir, dass nicht sofort die erste Lösung die tollste ist, wie man es leider oft in Büchern findet. Es gibt ein Problem - es wird gelöst - alle sind glücklich. Das ist hier nicht der Fall. Gegen Ende spitzt sich die Dramatik sogar zu und man fragt sich, ob man es hier überhaupt je mit einem Happy End zu tun haben wird.

Doch es ist einfach ein Roman wie das Leben - wirr, manchmal ziel- und hoffnungslos, dann doch wieder so von Glück erfüllt. Nichts kommt so, wie man es erwartet hat. Zudem weiß ja der moderne Leser, dass Celia und ihrer Familie noch zwei schlimme Kriege bevorstehen. Ich habe das Buch daher mit einer Mischung aus Erleichterung und Melancholie weggelegt, was zeigt, wie sehr ich mich in die Figuren hineinversetzen konnte.

Engels Schreibstil ist sehr angenehm, die Charaktere sind mit viel Sorgfalt entwickelt worden und man kann sich in jede einzelne von ihnen einfühlen. Hoffnung und Angst, Liebe, Familienbande und Schmerz - alles ist vertreten. Ich vergebe daher 5 von 5 Wolken für dieses tolle Buch.

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