Dienstag, 28. August 2012

"Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss

"Es war wieder Abend geworden. Das Wirtshaus zum WEGSTEIN lag in der Stille, und es war eine dreistimmige Stille. Der vernehmlichste Teil dieser Stille war dumpf und lastend und verdankte sich dem, was fehlte. Hätte ein Wind geweht, so hätte er in den Bäumen geseufzt, hätte das Wirtshausschild quietschend zum Schaukeln gebracht und die Stille wie trudelndes Herbstlaub die Straße hinabgeweht."


"Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss

Verlag: Klett-Cotta (September 2008)
Format: HC, 860 Seiten + 2 Seiten "Kalender und Währungen"
ISBN: 987-3-608-93815-9
Preis: 24,95 € [D]
Originaltitel: "The Name of the Wind. The Kingkiller Chronicle: Day One" (2007)
Teil 1 der Königsmörder-Trilogie

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Klappentext


"Vielleicht habt ihr von mir gehört" ... von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot - "sie haben einfach die falschen Lieder gesungen". Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.


Meine Meinung


Dieses Buch wurde mir von mehreren Seiten empfohlen und als "das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe" bezeichnet. Meine Erwartungen waren natürlich dementsprechend hoch. 

Das Buch ist der Debüt-Roman des amerikanischen Autors Patrick Rothfuss und der erste Teil der "Königsmörder-Chronik" und dreht sich um die Geschichte von Kvothe, einem berühmten und gefürcheten Magier. Er ist erst 24 Jahre alt, hat aber schon viel erlebt in seinem Leben. Während er einem Chronisten seine Lebensgeschichte erzählt, hat er sich in einem kleinen Dorf niedergelassen und ist Besitzer eines Gasthauses. Er hat seinen Namen geändert und bis auf seinen Lehrling Bast weiß niemand, wer er wirklich ist.

In diesem Band erzählt Kvothe die Geschichte von seiner frühen Kindheit bis zu den ersten Trimestern an der Universität. Nachdem er seine Eltern verloren hat, lebt Kvothe einige Jahre auf der Straße, bis es ihm gelingt, mit Hilfe seiner guten Grundausbildung an der Universität aufgenommen zu werden. Dort will er herausfinden, warum seine Eltern getötet wurden, hat jedoch auch einige Scherereien und erlebt viele Abenteuer. Und dann ist da natürlich noch Denna, eine mysteriöse Schönheit, in die er sich verliebt und die auftaucht und verschwindet, ganz wie es ihr beliebt. Am Ende des Buches und dem ersten Tag des Erzählens ist er 16 Jahre alt und der Leser wird mit dunklen Vorahnungen zurückgelassen, die Lust auf den nächsten Band machen.

Das Buch ist sehr gut geschrieben. Es ist sehr dick, liest sich aber, nachdem man in die Geschichte hineingefunden hat, leicht und flüssig und man hat immer das Bedürfnis, weiter zu lesen. Für mich ist es jedoch nicht das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen mag ich es nicht, wenn die Protagonisten fünfmal so viele Stärken wie Schwächen haben. Kvothe ist eine Art Wunderkind. Als Sohn von Schaustellern ist er auf der Bühne groß geworden und ein Schauspieltalent. Er weiß immer, wie er sich geben und auftreten muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Zudem ist er musikalisch außerordentlich begabt. Mit seiner Laute vermag er es, Stimmungen wiederzugeben und alle Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Am Ende eines jeden Liedes heulen alle Zuhörer. Außerdem ist er super-mega-schlau, kann eine Sprache an einem Tag lernen und ist schon in jungen Jahren seinen Altersgenossen weit voraus. Er ist das jüngste Mitglied, das an der Universität aufgenommen wird. Weil er so schlau und so gut ausgebildet ist, hat er sofort den Großteil der Meister, der Entscheidungsträger der Universität, auf seiner Seite. Einigen ist er aber auch ein Dorn im Auge und so muss Kvothe immer auf der Hut sein. Das ganze erinnert irgendwie an Harry Potter: ein ungewöhnlich begabter Schüler kommt an eine große Schule, hat Gönner und Neider und schafft es irgendwie immer, sich Ärger einzuhandeln und davon noch zu profitieren. Harry Potter ist natürlich nicht das Maß aller Dinge und für mich auch kein Kriterium. Mir ist es nur aufgefallen und ich wollte es erwähnt haben.

Insgesamt ist es einfach zu viel des Guten und ich habe das Gefühl, dass Rothfuss möglichst viele tolle Eigenschaften in den Charakter packen wollte. Und zusammen mit dem jungen Alter lässt das den Protagonisten, obwohl es eine Fantasy-Geschichte ist, unglaubwürdig erscheinen.

Trotz allem ist die Geschichte gut durchdacht und wie gesagt auch nett zu lesen. Der Roman ist in 92 Kapitel eingeteilt und Kvothes Erzählung wird immer wieder von der Gegenwart unterbrochen, wo sich Erzähler und Zuhörer im Gasthaus befinden. Rothfuss hat eine eigene Welt, eine eigene Währung und eigene Begriffe erschaffen, man wird jedoch nicht von ihnen erschlagen, wie das in manch anderen Fantasy-Romanen ist. Der Schreibstil ist gut und humorvoll, es gab häufig Stellen, an denen ich mir ein Lachen nicht verkneifen konnte.

Die Entscheidung fällt mir wirklich schwer, aber ich vergebe 3 von 5 Wolken. Vermutlich werde ich jetzt gesteinigt und ich wurde auch schon gefragt, wie die Geschichte denn meiner Meinung nach hätte geschrieben werden sollen. Diese Frage konnte ich nicht beantworten. Vermutlich ist die Story gut so, wie sie ist, aber eben einfach nicht ganz nach meinem Geschmack. Was nicht heißt, dass ich nicht weiterlesen werde! Es interessiert mich, wie es weitergeht und "ganz nett" ist ja auch keine schlechte Bewertung. Vielleicht seid ihr ja, wie viele andere, auch so begeistert von dem Buch.

Ich habe übrigens von verschiedenen Seiten gehört, dass die deutsche Übersetzung des Buches grottig sein soll. Das kann gut sein, insgesamt glaube ich aber nicht, dass mein Urteil über das Original besser ausgefallen wäre. Aber wer sich dem gewachsen fühlt sollte lieber zum Original greifen.

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