Sonntag, 30. September 2012

"Rebecca" von Daphne du Maurier

"Gestern nacht träumte mir, ich sei wieder in Manderley. Ich sah mich am eisernen Tor der Einfahrt stehen, und ich konnte zuerst nicht hineingelangen, denn der Weg war mir versperrt. Schloß und Kette hingen am Tor. Ich rief im Traum nach dem Pförtner und erhielt keine Antwort, und als ich dann durch die rostigen Gitterstäbe spähte, sah ich, daß das Pförtnerhäuschen unbewohnt war."


"Rebecca" von Daphne du Maurier

Verlag: Fackelverlag (1966)
Format: HC, 494 Seiten
Originaltitel: "Rebecca" (1938)

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Inhalt


Frühjahr, Anfang des 20. Jahrhunderts. Schon nach wenigen Wochen heiratet Maxim de Winter, Hausherr von Manderley, eine junge Gouvernante, und bringt sie nach den Flitterwochen in ihr neues Zuhause. Sie ist unerfahren und schüchtern, merkt jedoch schnell, dass in Manderley etwas nicht stimmt. Der Geist von Maxims erster Frau Rebecca, die nur wenige Monate zuvor ertrunken war, scheint allem und jedem im Haus noch anzuhaften. Vor allem die undurchsichtige Haushälterin Mrs. Danvers tritt der neuen Hausherrin feindselig gegenüber. Während das Ich anfangs noch glaubt, dass Maxim wegen Rebeccas Tod noch so verstört und abweisend ist und dass es Liebe ist, die ihn noch immer mit Rebecca verbindet, stellt sich bald heraus, dass etwas anderes hinter der ganzen Sache steckt. Ihre Liebe ist in großer Gefahr.

Meine Meinung


Dieses Buch habe ich schon vor ein paar Jahren von einer Freundin geschenkt bekommen, in Anlehnung an das gleichnamige Musical, das wir damals in Wien gesehen hatten. Vor kurzem habe ich das Musical in Stuttgart gesehen und endlich wieder einen Anreiz gehabt, das Buch zur Hand zu nehmen. 

Es fiel mir ein wenig schwer, mich in den Roman einzufinden. Er ist ja schon älteren Baujahres und die ersten Seiten trugen nicht gerade zu einem guten Einstieg bei: Über mehrere Seiten wird die Auffahrt Manderleys beschrieben, wie sie in der Fantasie des Ichs aussieht. Dabei häufen sich die Personifizierungen nur so. Und auch danach braucht es noch einige Zeit, bis die wirkliche Geschichte beginnt. Von da an aber verläuft der Roman fließend. Nur die altmodische Futurform des Konjunktiv II ("würde gewesen sein") bilden kleine Stolpersteine, weil wir diese Sprache heute nicht mehr benutzen.

Die Geschichte ist äußerst spannend und gut erzählt. Es handelt sich um eine personale Ich-Erzählerin, deren Gedanken und Gefühle ausführlich beschrieben werden. Es ist anfangs fast ein wenig nervtötend, wie das Ich immer abschweift und sich Dinge und Gespräche ausmalt, die stattfinden könnten. Sie ist naiv, unsicher und scheu, bewegt sich in Manderley wie ein Gast, obwohl sie doch die Hausherrin ist. Es ist zwar verständlich, dass sie sich der Umstände wegen unsicher fühlt, aber manchmal möchte man sich doch an den Kopf fassen. Als es dann aber hart auf hart kommt und ihr Mann des Mordes bezichtigt wird, verliert sie alles kindliche und wird endlich erwachsen. Auch die anderen Charaktere sind überzeugend gezeichnet und weisen alle besondere Charakterstärken auf, die im Laufe der Geschichte von Nutzen sind.

Wenn ich das Musical und somit den Ausgang der Geschichte noch nicht gekannt hätte, wäre ich wirklich sehr überrascht über die Wendungen gewesen. Eine tolle und schlüssige Idee und eine hervorragende Lösung des Problems. Im Roman ist das Ende jedoch ein klein wenig offener gestaltet als im Musical, weshalb man das Buch doch mit einer gewissen Sorge werglegt. Ich vergebe 4 von 5 Wolken für diesen Roman.

Das Musical

1940 wurde der Roman von Hitchcock verfilmt. Ich habe ihn jedoch noch nicht gesehen und möchte stattdessen kurz über das Musical schreiben, zu dem ich während dem Lesen immer wieder Parallelen zog. Die Umsetzung ist einfach fabelhaft gelungen und man hat sich fast genau an die Romanvorlage gehalten. Manches finde ich fast noch besser und schlüssiger dargestellt, als es im Buch der Fall ist. Die Musik ist absolut mitreisend und das Bühnenbild fantasievoll und beeindruckend.

Ich glaube, es war 2008, als ich das Musical zum ersten Mal in Wien sah, wo am 28. September 2006 auch die Uraufführung stattfand. Ich hatte keine Vorstellung, was man denn jetzt auf dieser kleinen Bühne vorführen würde. Doch es war Gänsehaut pur, was mich erwartete, und auch in Stuttgart ging es mir nicht anders. Es gab zwar einige Änderungen was Stücke und Text betrifft, so wurde zum Beispiel der Lückenfüller "Wir sind britisch" gestrichen (was ich nicht schade finde), manche Melodien wurden geändert und auch der Text außerhalb der Lieder wurde teilweise geändert. Ich fand das aber nicht weiter schlimm. Auch das Orchester ist weitaus dünner besetzt als in Wien und wohl auch öfters elektronisch unterstützt, was aber auch nicht störend ist.

Lag "Rebecca" anfangs noch nach "Tanz der Vampire" auf Platz zwei meiner persönlichen Musicalfavouriten, so befinden sie sich mittlerweile gleichauf. Es ist noch bis Anfang Januar in Stuttgart zu sehen und es lohnt sich wirklich!


1 Kommentar:

  1. Was es nicht alles gibt... Ich befürchte, dass irgendwann alle Literatur als Musical enden wird ;-)
    Mir hat das Buch eigentlich ganz gut gefallen, obwohl doch schon eine Gratwanderung zwischen Kitsch und Film Noir mit durchaus spannenden Passagen. Vielleicht kennst Du ja noch nicht meine Rezension im Biblionomicon 'Der Schatten der Vergangenheit...' dazu?

    Liebe Grüße,
    Harald

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)