Dienstag, 16. Oktober 2012

"Was wäre wenn" von Meg Rosoff

"Die Aussicht hier oben ist gut. Ich kann die ganze Welt überblicken und sehe alles. Zum Beispiel einen fünfzehnjährigen Jungen und seinen kleinen Bruder."

Zu meiner Ausgabe:

Verlag: Carlsen (März 2007)
Format: TB, 255 Seiten
ISBN: 978-3-551-58139-6
Preis: 14,00 € [D]
Originaltitel: "Just in Case" (2006)











Inhalt:

Der fünfzehnjährige David fühlt sich vom Schicksal verfolgt und bedroht, seit er eines Tages seinen kleinen Bruder vor einem Sturz aus dem Fenster bewahrt. Jeder andere wäre glücklich über den glimpflichen Ausgang gewesen, doch David beschließt, dass er vor dem Schicksal davonlaufen muss. Er nennt sich fortan Justin und legt sich neue Kleidung zu. Ein imaginärer Windhund namens Boy ist fortan sein Begleiter. Er verliebt sich in die einige Jahre ältere Agnes, die er für seinen Glücksbringer hält, und wohnt einige Zeit bei ihr, doch sie fühlt sich durch ihn zunehmend überfordert. Er zieht zu seinem besten Freund Peter und dessen Familie und es geht ein wenig bergauf. Doch dann erkrankt Justin schwer und will nicht aus dem Koma aufwachen. Hat das Schicksal letztendlich gesiegt?

Meine Meinung:

Dieses Buch habe ich einmal von einem Mängelexemplare-Tisch mitgenommen, weil mich Titel und Klappentext sofort an mich selbst erinnert haben. Schon als Kind habe ich meine Eltern wohl immer gefragt "was passiert, wenn...?" und auch heute noch erschreckt es mich manchmal, welche Kleinigkeiten ein Leben von einer Sekunde auf die andere verändern können...

Der Roman ist aus Sicht des Schicksals geschrieben, das Davids/ Justins Leben beschreibt. Gelegentlich sind Kapitel oder Einwürfe dazwischen, in denen das Schicksal von sich selbst als "Ich" spricht (siehe kursives Zitat oben). Diese sind fett gedruckt und oft etwas skurril. Ansonsten hält sich die Autorin an die auktoriale Erzählperspektive mit Schwerpunkt auf Justin, was ja gut zum Schicksal passt.

Ich gebe zu, das Buch ist gewöhnungsbedürftig, doch ich habe mich gleich verliebt. Es ist verrückt und ein wenig seltsam. Zum Beispiel Justins Hund Boy: Von Anfang an ist klar, dass er ihn sich ausdenkt, doch einige Leute können ihn angeblich sehen und spielen mit ihm. Auch der Charakter von Agnes ist ein wenig realitätsfern, doch im selben Moment könnte man wieder denken: warum nicht? Mir gefällt besonders ihre Arbeit - sie fotografiert, macht Ausstellungen und schneidert Kleider. Ihre Gefühle für Justin sind verständlich und man versteht ihre Handlungen.

Bei Amazon ist das Buch nicht besonders gut weggekommen, viele beschweren sich über den Jammerlappen Justin. Doch ich finde den Charakter sehr realistisch dargestellt. Man darf nicht vergessen, dass es sich um einen Fünfzehnjährigen handelt, der sich mitten in der Pubertät und der Selbstfindungsphase befindet. Ich kann seine Ängste und Sorgen absolut nachvollziehen. Er ist hin und her gerissen zwischen Angst, Scham und sexuellen Phantasien, was  für jemanden seinen Alters völlig normal ist. Ich denke, dass sich viele Jugendliche teilweise in dem Buch wiederfinden können.

Eine andere Rezensentin hat die negative Darstellung des Schicksals nicht gefallen. Ich gebe ihr recht: Das Schicksal scheint wirklich kein angenehmer Zeitgenosse zu sein. Trotzdem wird das Buch dadurch nicht düster, ich finde sogar, dass es eine sehr hoffnungsvolle Wirkung hat, weil Justin, der ja glaubt, dem Schicksal ausgeliefert zu sein (und das Schicksal ja auch das Ziel hat, ihn zu töten) immer wieder entkommt und sein Leben am Ende sogar in der eigenen Hand hat. Auch die Gegenpole wie sein ruhiger und ausgeglichener Freund Peter gleichen den Roman aus.

Das Buch ist ein Jugendroman und für ein solches überraschend tiefgründig und philosophisch, teilweise auch brutal. Die Folgen des Unfalls im Flughafen zum Beispiel werden sehr genau dargestellt. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut und obwohl es einfach und knapp geschrieben ist, verbirgt sich sehr viel hinter den Worten. Ein tolles Buch, für das ich 5 von 5 Wolken vergeben möchte.

1 Kommentar:

  1. Hört sich nach einem wirklich interessanten Buch an...auch das Cover gefällt mir sehr. Danke für die Anregung!

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)