Freitag, 30. November 2012

"Boneshaker" von Cherie Priest

"Ungepflasterte, unebene Wege, die vorgaben, Straßen zu sein, spannten sich von Küste zu Küste wie Schnürsenkel über einen Schuh und hielten die Nation zusammen wie ein Versprechen. Über den großen Fluss, durch die Prärie und über die Bergpässe drangen die Siedler von Osten nach Westen vor. In Planwagen und Kutschen tröpfelten sie in kleinen Gruppen über die Rockies ein. Zunächst jedenfalls."


"Boneshaker" von Cherie Priest

Verlag: Heyne (2012)
Format: TB, 510 Seiten
ISBN: 978-3-453-52866-6
Preis: 8,99 € [D] 
Originaltitel: "Boneshaker" (2009)

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Inhalt


Der junge Zeke will herausfinden, was wirklich mit seinem Vater geschehen ist und ob es wahr ist, was ihm von allen vorgeworfen wird: Dass er mit einer Maschine, dem Boneshaker, 16 Jahre zurvor vorsätzlich die Stadt Seattle untergraben hat, wodurch ein giftiges Gas frei wurde, das Menschen zu untoten Monstern macht und den Bau einer gigantischen Mauer um die Stadt nötig machte. Durch ein altes Tunnelrohr gelangt er in die Stadt und ahnt nicht, dass seine Mutter Briar sich bereits an seine Fersen geheftet hat. Beide schlittern in ein rasantes Abenteuer.


Meine Meinung


Das Buch beginnt mit einem pseudowissenschaftlichen Tatsachenbericht, der die Entstehung der Stadt Seattle beschreibt sowie den "Unfall", durch den ein tödliches Gas aus dem Boden in die Luft gelangte. Er beschreibt, wie der Stadtkern von einer Mauer umschlossen wurde und setzt somit das Fundament für den Roman. Im Nachwort betont Priest, das sie die tatsächlichen Gegebenheiten um der Geschichte willen ein wenig durcheinandergeworfen hat. Mir ist das aber nicht aufgefallen, da ich mich mit amerikanischer Geschichte nicht so gut auskenne. Und selbst wenn, hätte es mich nicht gestört. Es ist schließlich eine erfundene Geschichte.

Der Roman ist eine tolle Mischung zwischen Zombie-Horror und Steampunk, ich habe nie etwas vergleichbares gelesen. Er ist voll von Luftschiffen, technischen Spielereien und fantastischen Waffen und durch das giftige Gas, "Fraß" genannt, liegt eine ständige Spannung in der Luft, denn ohne eine funktionierende Gasmaske kann man nicht überleben. Gleichzeitig droht andauernd Gefahr durch die Untoten, die "Fresser", die in dem typischen Zombieprofil gezeichnet sind. 

Die Geschichte beginnt einsträngig, spaltet sich dann in die individuellen Erlebnisse von Briar und Zeke, wodurch der Spannungsbogen stets gespannt bleibt, und fließt schließlich wieder zusammen. Kernfrage ist: Wer ist der geheimnisvolle Doktor Minnericht? Dadurch, dass niemand ganz ausschließen kann, dass es sich nicht um den untergetauchten Leviticus Blue handelt, bleibt es bis zuletzt spannend.

Die Charaktere sind durchweg realistisch und überzeugend gezeichnet. Besonders Zeke und Briar sind ihrer Unvollkommenheit wegen sympathisch. Sie reagieren auf gefährliche Situationen nicht unrealistisch suverän, sondern absolut menschlich, so dass der Leser sich gut einfühlen kann.
"Außerdem fiel ihr [Briar] auf, welch schrecklichen Fehler sie gemacht hatte: Sie hätte außen am Gebäude an einer der Leitern herunterklettern sollen. Warum nur war sie über die Treppe ins Erdgeschoss gelaufen? Was hatte sie sich dabei gedacht? Ihr schwirrte der Kopf vor Panik, und vor ihren Augen verschwamm alles." (S.180)
Zugegeben, Zeke wirkt vielleicht oft ein wenig schwächlich, andererseits darf man nicht vergessen, dass er noch ein Teenager ist und durch nichts auf die Situation in der Stadt vorbereitet wurde.

Des weiteren hat es mir gut gefallen, dass die Welt zwar von Männern dominiert wird, die wenigen Frauen (genau genommen 3) aber durch besondere Cleverness, Stärke und Undurchschaubarkeit hervorstechen.

Das Ende ging mir vielleicht einen Hauch zu schnell und es gab ein paar wenige Stellen, die mir nicht ganz schlüssig vorkamen, alles in allem ist "Boneshaker" aber ein tolles spannendes und zugleich humorvolles Buch, an das eine Fortsetzung gut anknüpfen könnte - worauf ich hoffe. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

1 Kommentar:

  1. Hi Jacy,

    eine schöne Rezension. Das Buch kannte ich bisher noch nicht, hat aber nun mein Interesse geweckt. :)

    Liebe Grüße
    Nicole

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)