Donnerstag, 1. November 2012

"Der Verrat des Menschen an den Tieren" von Helmut F. Kaplan

"Warum sollen wir uns für Tierrechte einsetzen? Es gibt viele Gründe. Einer ist Dankbarkeit: Alle Menschen habe jeden Grund, ununterbrochen dankbar dafür zu sein, nicht als Tier auf die Welt gekommen zu sein. Denn wir haben die Welt in eine einzige grauenhafte Hölle für Tiere verwandelt."



"Der Verrat des Menschen an den Tieren" von Helmut F. Kaplan

Verlag: Vegi-Verlag (2007)
Format: TB, 210 Seiten
ISBN: 3-909067-06-9
Preis: 19,00 € [D] 


Inhalt


Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine Änderung unseres Umgangs mit Tieren. In drei Kapiteln versucht Kaplan, unseren Verrat an den Tieren zu verdeutlichen und den dringenden Anlass eines Umschwungs hervorzuheben. Im ersten Kapitel "Terror gegen Tiere" führt Kaplan Beispiele für eben solchen auf. Diese sind in mehrere kleine Teilkapiteln unterteilt und nicht aufeinander aufbauend. In Kapitel zwei geht es um die "Einheit der Ethik" wo sich Kaplan ebenfalls in kleinen Abschnitten mit Themen wie der Philosophie der Tierrechtsbewegung, Ethik und Rechten auseinandersetzt. Im letzten Kapitel "Strategien für Tierrechte" zeigt Kaplan, was man tun kann und soll und was man lassen sollte, wenn man etwas bewegen will.

Meine Meinung


Meine Meinung über dieses Buch ist geteilt und weil ich daher nicht weiß, wie ich es bewerten soll, entfällt die Bewertung nach Wolken in diesem Post. Warum, könnt ihr im Folgenden lesen.

Da ich selbst seit über zwei Jahren Veganerin bin und mich regelmäßig mit dem Thema befasse, sind Kaplans Ausführungen über die menschlichen Verbrechen an Tieren nichts neues für mich. Ich stehe daher hinter den meisten von Kaplans Aussagen. Die Verbrechen der Menschheit an den Tieren, sie können durchaus so bezeichnet werden, sind grausam und absolut unnötig. Wir haben Sklavenhaltung und die Unterdrückung der Frauen überwunden - warum nicht den Speziesismus? Wie kann es sein, dass die Ethik bei den Tieren endet? Kaplan führt schonungslos die Heuchelei der Gesellschaft auf und zeigt an "umgekehrten" Beispielen, wie zum Beispiel der Übertragung unseres Verhaltens gegenüber Tieren auf ähnliche Situationen mit Menschen, wie furchtbar das menschliche Verhalten im Grunde ist.

Am Buch selbst habe ich jedoch einiges an Kritik. Es beginnt sehr gut und vielversprechend, doch schnell stellen sich immer wieder auftauchende Wiederholungen der Argumente ein. Vor allem im letzten Kapitel findet sich einiges, was bereits gesagt wurde - oft wortgleich. Die kleinen Unterthemen in den Kapiteln fallen sehr knapp aus, oft nur eine halbe Seite, was zwar angenehm zu lesen ist, andererseits den Eindruck macht, als hätte Kaplan einfach nur wahllos ein paar Argumente hintereinandergeworfen, wenn auch äußerst stichhaltige. Vielleicht würden längere zusammenhängende Kaptiel, die kleine verwandte Themengebiete zusammenfassen, das ganze ein wenig wissenschaftlicher wirken lassen. Außerdem fehlen manchmal wichtige Gegenpositionen, die Kaplans Ausführungen ein wenig unsachlich wirken lassen.

Ich verstehe, dass jemand, der sich nicht mit der Thematik auskennt, dem Buch kritisch gegenüber steht. Aus den Texten spricht eine enorme Wut und ein Unverständnis gegenüber den herrschenden Umständen und darüber, dass nichts dagegen getan wird. Meist versucht Kaplan, es nicht zu offensichtlich zu zeigen, aber das gelingt nicht immer. Besonders seine Kritik an den USA und der Vergleich der Massentierhaltung mit Konzentrationslagern wiederholt sich und kann auf "Außenstehende" unsachlich wirken und eine Abkopplung vom Thema bewirken. Gleichgesinnten spricht er jedoch aus der Seele und ich kann seine Wut sehr gut nachvollziehen.

Gegen Ende, als er für die notwendige Zusammenarbeit verschiedener Gruppierungen plädiert und dagegen spricht, andere Gruppen mit dem selben Ziel, aber anderen Herangehensweisen zu verteufeln, wird Kaplan wieder ein wenig sachlicher. Logisch verdeutlicht er, dass wir alle das selbe Ziel haben und wie wir handeln können, um dieses schnellstmöglich zu erreichen. Auch die Zitate bekannter Tierrechtler etc. sind gut und passend zu den Themen gewählt.

Ich halte das Buch für gut und wichtig für Menschen, die sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt haben oder der Thematik offen gegenüberstehen, auch wenn ich Kaplan nicht in allen Punkten bedingungslos zustimme. Als "Einsteigerlektüre" kann es durchaus abschreckend wirken, was aber Kaplan selbst erkannt hat. In seinem Vorwort schreibt er:
"[...] Daraus ergibt sich eine mitunter vielleicht etwas schwer erträgliche Dichte an belastenden Schilderungen sowie Wiederholungen zentraler Aspekte und Konzepte. Deshalb empfiehlt es sich möglicherweise, die Texte nicht "in einem Zug" zu lesen, sondern sich jeweils ein paar herauszusuchen, deren Titel einen gerade ansprechen." (S.13)
Ich habe in diesem Buch sehr viel unterstrichen und angemerkt und es wird mir in Zukunft sicher zur Verbesserung meiner eigenen Argumente gegen den Speziesismus dienen. Ich hoffe sehr, dass der Wandel, der unserer Gesellschaft bereits ergriffen hat, nicht stehen bleiben wird und dass wir uns stetig weiter in die richtige Richtung bewegen!

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