Samstag, 10. November 2012

"Die Hexe von Freiburg" von Astrid Fritz

"Die Frau schob sich eine weiße Strähne aus der Stirn und rückte den Stuhl näher ans Herdfeuer. Marthe-Marie blickte auf. Lene betrachtete ihre Älteste liebevoll und wehmütig zugleich. Wie sehr sie Catharina doch glich. Mit ihrem schwarzen, glänzenden Haar und diesem dunklen Blick. Es war an der Zeit. Sie musste die Wahrheit erfahren."

Zu meiner Ausgabe:

Verlag: Rowohlt (9. Auflage 2004)
Format: TB, 442 Seiten
ISBN: 3-499-23517-x
Preis: 8,59 € [D] 

Teil 1 einer Trilogie, aber in sich geschlossen

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Inhalt:

Zu dem Zeitpunkt, als im Freiburg des 16. Jahrhunderst zum ersten Mal eine Hexe verbrannt wird, kommt Catharina auf die Welt. Ihre Mutter stirbt wenige Jahre später und als ihr Vater erneut heiratet, zieht sie in das etwas außerhalb gelegene Dorf Lehen zu ihrer Tante und hilft in deren Gasthof mit. Sie verliebt sich in ihren Cousin Christoph, doch als er wegzieht um eine Lehre zu machen, verlobt er sich mit einer anderen. Catharina heiratet darauf den Schlosser Michael Bantzer. Doch die Ehe ist nicht glücklich und Catharina fühlt sich ständig von dem Gehilfen ihres Mannes verfolgt. Und noch Jahre, nachdem sein Herr gestorben und Catharina Witwe geworden ist, lässter er sie nicht in Ruhe und als erneut Hexenverfolgungen stattfinden, sieht er seine Chance gekommen, sie loszuwerden.

Meine Meinung:

Der Roman erzählt die Lebens- und Sterbensgeschichte der Catharina Stadellmenin, die es tatsächlich gegeben hat. Allerdings fehlen auch einige Informationen über ihr Leben, weshalb der Anfang des Buches, Kindheit und Jugend von Catharina, fiktiv ist. Erst ab ihrer Ehe mit Michael Bantzer fließen historisch belegte Tatsachen ihres Lebens mit ein. Ich habe das Buch insgesamt als sehr gut recherchiert empfunden und denke, dass sich ein Frauenleben im Freiburg des 16. Jahrhunderts so abgespielt haben könnte, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob die sexuellen Freiheiten von Frauen damals schon so ausgeprägt waren und ob es wirklich solche Wohngemeinschaften gegeben hat, wie sie gegen Ende des Buches beschrieben werden.

Zu Beginn und immer wieder zwischen den Passagen finden sich kursiv gedruckte Einwürfe, bei denen es sich um ein Gespräch von Catharinas bester Freundin Lene und Catharinas Tochter Marthe-Marie handelt, die bei Lene aufwuchs. Doch obwohl Lene die Geschichte "erzählt" ist sie nicht in der Ich-Form geschrieben. So wird es ermöglicht, auch Dinge zu erzählen, bei denen Lene nicht zugegen war und es wird Spannung erzeugt, wenn Lene der Erzählung ein wenig voraus greift.

Ich habe das Buch vor einigen Jahren schon einmal gelesen und dachte, dass ich es jetzt, wo ich sozusagen fast am Schaubplatz des Geschehens lebe, mit besserem geographischen Hintergrundwissen nocheinmal lesen sollte. Es hat mir wirklich sehr geholfen, dass ich mich mittlerweile in Freiburg und Umgebung auskenne, ich hatte einen viel besseren Überblick über die erwähnten Schauplätze und konnte ahnen, wie das Reisen früher ablaufen musste. Von Freiburg nach Konstanz zum Beispiel ist es ein ziemlich langer Weg, wenn man nicht motorisiert ist.

Damals hat mir das Buch, glaube ich, sehr gefallen, jetzt musste ich aber feststellen, dass es ziemlich langwierige Passagen gibt, vor allem gegen Ende. Gelegentlich wirkten die Erzählungen auch ziemlich emotionslos, eben so, wie ein Historiker die Sache mit Abstand betrachten würde. Auch mit den zeitlichen Dimensionen, die beschrieben werden, hatte ich meine Schwierigkeiten, da der Roman eine große Zeitspanne umfasst. Man verliert leicht den Überblick und ist am Ende überrascht, das Catharina schon über 50 Jahre alt ist. Außerdem finde ich den Titel nicht mehr so passend. Natürlich geht es um eine Frau in Freiburg, die der Hexerei bezichtigt wird. Doch Anklage und Gefangenschaft werden nur auf den letzten Seiten beschrieben. Außerdem gab noch viele andere Freiburger Frauen, die vor Catharina oder zur selben Zeit mit ihr verurteilt wurden und Catharinas Geschichte ist historisch gesehen nichts besonderes, was sich von den anderen abheben würde.

Ich möchte daher 3 von 5 Wolken für dieses Buch vergeben. Es gibt bessere historische Romane, es gibt aber auch viel schlechtere.

Das Buch ist der erster Teil einer dreiteiligen Reihe, die in Teil 2 "Die Tochter der Hexe" das Leben von Catharinas Tochter Marthe-Marie und in Teil 3 "Die Gauklerin" das von deren Tochter Agnes beschreibt. Die Bücher sind aber in sich geschlossen und auch gut einzeln lesbar.

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