Freitag, 21. Dezember 2012

"Am Horizont das rote Land" von Kylie Fitzpatrick

"Die grauen Mauern des Millbank-Gefängnisses wurde immer kleiner, bis sie nur noch einen dunklen Punkt am Rande der sich entfernenden Welt darstellten. Die Sonnenstrahlen ergossen sich über das Wasser und zerbrachen in einzelne Splitter, wo die Ruder ins Wasser eintauchten. Ein Licht, das so bewegend war, dass es Narben hinterlassen würde."



"Am Horizont das rote Land" von Kylie Fitzpatrick

Verlag: Ullstein (Dezember 2012)
Format: TB, 579 Seiten
ISBN: 978-3-548-28504-7
Preis: 9,99 € [D] 
Originaltitel: "The Silver Thread" (2012)

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Inhalt


Als die junge Irin Rhia nach London kommt, um sich eine Anstellung zu suchen, ahnt sie noch nicht, dass ihr Leben bald eine unerwartete Wendung annehmen würde. Denn als sie nach dem Tod ihres Onkels Nachforschungen anstellt, drohen geheime Machenschaften ans Licht zu kommen. Unter fadenscheinigen Umständen wird Rhia des Diebstahls bezichtigt und zusammen mit vielen anderen Häftlingen nach Sydney deportiert. Alle Hoffnung scheint verloren, doch Rhia hat Freunde, die an ihre Unschuld glauben.

Meine Meinung


Das war wieder ein Buch, durch das ich mich regelrecht durchkämpfen musste. Sehr schade, denn die Story ist gut und Fitzpatricks Schreibstil recht angenehm, von kleinen ästhetischen Details wie dem mehrfachen Einwurf von "oder so" mal abgesehen.

Nach Titel und Klappentext hoffte ich eigentlich auf eine Handlung, die sich hauptsächlich in Australien abspielen würde. In Wirklichkeit wird dieses Land aber auf wenigen Seiten abgehandelt. Der Großteil der Geschichte spielt in London, und das war auch der Teil, mit dem ich am schwersten zurecht kam. Es hat sich so sehr gezogen, dass ich schon erwog, das Buch zur Seite zu legen. Mir schien es, als habe sich die Autorin in nebensächlichen Beschreibungen verrannt und oft musste ich mir ins Gedächtnis rufen, worum es eigentlich ging. Erst nach 300 (!) Seiten und somit nach über der Hälfte des Buches, beginnt Rhias Überfahrt zum "Roten Land", danach kam ich zum Glück wieder besser voran, wenn ich jetzt auch erleichtert bin, dass ich das Buch weglegen kann.

Die Protagonistin Rhia ist Irin und fest mit dem Glauben an Feen und Geister verankert. Zum Beispiel erscheint ihr der Geist ihrer Großmutter und das Buch ist von Briefen, die Rhia an sie schreibt, durchzogen. Dieses Element hat mir gefallen, ein angenehmer Perspektivenwechsel sowie ein zeitlicher Orientierungspunkt durch das jeweils angeführte Datum. Rhia ist - wie wohl alle Frauen in historischen Romanen - unkonventionell und nicht auf den Mund gefallen. Manchmal ging sie mir jedoch auch auf die Nerven. Es ist auch irgendwie nichts neues mehr, von solchen Frauen zu lesen und diese Erkenntnis überrascht mich sehr an mir - schließlich liebe ich es, von besonderen Frauen zu lesen. Wahrscheinlich muss ich mich in Zukunft aber selbst einschränken und sagen, dass ich gerne von realen besonderen Frauen lese. In der Fantasie ist es einfach, sie gegen alles aufzulehnen und die Rebellin zu geben und vielleicht scheint es mir auch deshalb oft unglaubwürdig.

Die Beobachtung von Rhia nimmt den größten Teil des Buches ein, gelegentlich betrachtet ein Kapitel jedoch Michael Kelly, einen Freund von Rhias Familie, der eben seine Strafe Australien abgesessen hat. Zeitlich zu den Geschehnissen in London stößt auch er auf seltsame Geschehnisse, die den Bogen zu denen in London spannen.

Die Handlung ist, wie schon erwähnt, gut durchdacht und hält viele überraschende Wendungen bereit. Auch, dass Fitzpatrick keine kitschige Liebesgeschichte aus dem Hut gezaubert hat, rechne ich ihr hoch an. Außerdem hat sie sich auf historische Begebenheiten gestützt, wie sie in ihrem Nachwort erwähnt. Demnach gibt es wirklich einen Quilt, der 1941 auf dem Sträflingsschiff "Rajah" entstand. Ihre guten Recherchen zum Thema Sträflingsdeportation sowie Stoff- und Opiumhandel kommen dem Roman ohne Zweifel zu Gute. Die Beschreibungen von Stoffen und Muster waren mir manchmal jedoch fast zu viel (viele der benannten Stoffe kannte ich überhaupt nicht), aber das ist wohl Geschmackssache. Schön hingegen fand ich den Satz "Wenn dieser Tag ein Stoff wäre, dann wäre er...", der sich im Roman öfters wiederfindet. Auch mit "fotogenen Zeichnungen", den Anfängen der Fotografie, hat Fitzpatrick sich beschäftigt und ein Foto spielt im Roman eine besondere Rolle.

Aber wie es eben manchmal mit Menschen ist, die nett und freundlich sind, aber die man eben trotzdem unsympathisch findet, so ging es mir auch mit diesem Buch. Sehr schade, aber ich kann nur 2 von 5 Wolken vergeben. Dennoch vielen Dank an den Verlag und das Vorablesen-Team für das Rezensionsexemplar.

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