Samstag, 22. Dezember 2012

Aus Liebe zum Schreiben: Rollenspiel

Heute möchte ich mal nicht vom Lesen, sondern vom Schreiben berichten. Es ist schon viele Jahre her, ich glaube, es sind fast schon zehn, als zwei Freundinnen (später drei) und ich mit dem Schreiben eines Fantasy-Rollenspiels, kurz RPG (engl. Role-Play-Game), begannen. Angefangen haben wir handschriftlich in DIN A4-Hefte. Kurz darauf kamen gezeichnete Kleider, Zimmereinrichtungen etc. hinzu. Nach einiger Zeit entstand sogar ein RPG-Soundtrack, wo wir Lieder zusammentrugen, die uns beim Schreiben inspirierten oder die im RPG erwähnt wurden. Weil das Schreiben so vieler Seiten irgendwann zu anstrengend wurde, stiegen wir irgendwann auf den Computer um und füllten ganze Ordner mit unseren ausgedruckten Texten. 

Leider kamen wir öfter an einen Punkt, an dem alles verrannt war, zu viele Charaktere erschaffen wurden oder wir einfach Lust auf eine neue Kulisse hatten. Dann haben wir neu begonnen, und im Laufe der Jahre entstanden so mehrere Rollenspiele, wobei das erste doch am intensivsten gelebt wurde (zumindest von mir). Inspiriert wurden wir von Büchern, Filmen oder Liedern und es wurde nie langweilig. Einmal kamen wir auf über 60 Akte.

Die Regeln sind einfach: Jeder hat einen Hauptcharakter und beliebig viele Nebencharaktere. Unsere Hauptcharaktere sind entweder befreundet oder verwandt. Jeder hat eine Woche Zeit, seinen "Akt" zu verfassen, dann geht es reihum weiter. Man muss nur darauf achten, dass immer alle Hauptcharaktere mit einbezogen werden und nicht endlose Monologe entstehen, ansonsten ist eigentlich alles erlaubt. Natürlich drehte sich anfangs alles um Jungs bzw. Männer - wir waren schließlich Teenies. Trotzdem bemühten wir uns immer um einen sachlichen Hintergrund und ich glaube, das ist uns sehr gut gelungen. Auch Abenteuer, Kriege und Intrigen kamen nie zu kurz.

Hier ein paar alte Bilder, meinen damaligen Charakter Amalthea, kurz Amy, betreffend. Sie ist die Tochter des Königs der Stadt und lebt mit ihrer Schwester und ihren Cousinen auf dem königlichen Anwesen. Verlobt ist sie mit dem stellvertretenden Hauptmann der Armee, Azrael Wittgenstein.








Das Rollenspiel war wirklich etwas, wofür ich morgens gerne aufgestanden bin. Ich hab mich auf die Schule gefreut, um dort den Ordner entgegennehmen zu können, den neuen Akt heimlich unter der Schulbank zu lesen oder neue Kleider zu zeichnen. Als wir während der Pubertät eine schwierige Phase hatten und kaum noch miteinander gesprochen haben, hat uns das Rollenspiel zusammengehalten. Dafür bin ich immer noch sehr dankbar. Doch leider hat sich alles, nachdem wir mit der Schule fertig waren und jeder mit Studium oder Beruf beschäftigt war, verflüchtigt und wir gaben das RPG auf. 

Vor kurzem aber kamen wir auf die Idee, wieder ein neues RPG zu beginnen. Diesmal auf High-Tech-Ebene - einem Blog. So sind Entfernungen kein Problem mehr (wir wohnen mittlerweile alle in verschiedenen Städten), die Akte werden bequem als Post veröffentlicht und Bilder einfach hochgeladen. Sogar Lieder kann man problemlos einfügen. Als Schauplatz haben wir uns auf eine Stadt im Zeichen des Steam Punk geeinigt.

Und das ist der Header, den ich zusammengebastelt habe:




Der Blog ist leider nicht öffentlich, aber die verrückten Sachen, die wir da fabrizieren, will wohl eh keiner lesen *lach*

Falls ihr aber doch einen kleinen Einblick haben möchtet, könnt ihr hier den Prolog bzw. das Intro lesen. Es ist auch von mir, denn das Intro-Schreiben ist eine besondere Leidenschaft meinerseits. Hope you like it (:
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Intro

Es war ein lauer Frühlingstag im April. Wie immer lag ein zarter Schleier aus Rauch und Ruß in der Luft und der Himmel spiegelte sich kaum im trüben Wasser der Kanäle, die die Stadt durchzogen. Das Surren der Luftschiffe hallte zwischen den alten Häusern und aus den Fabrikhallen klang das Ticken der riesigen Zahnräder. Ein düsterer Ort, könnte man meinen, doch die Einwohner wussten die Vorzüge der Stadt Meerona zu schätzen und erkannten deren Schönheit. 

Im Zentrum der Metropole lag Birds Cage Park, eine weitläufige Grünanlage mit einem von Trauerweiden umsäumten kleinen See, hellen Kieswegen und Beeten mit Blumen aus aller Herren Länder. Mehrere Pavillons luden zum Verweilen ein und häufig wurden auf den geschwungenen Hügeln Pick-Nicks veranstaltet, die stets gut besucht waren. Der Park hieß jedermann willkommen, dennoch umgab ein schmiedeeiserner, geschwungener schwarzer Zaun die Anlage, der ihr ihren Namen verlieh. 

Ebenso geschätzt wurde der Meerlage der Stadt, die ihr zu einer florierenden Wirtschaft verholfen hatte. Täglich legten mehrere Schiffe von Übersee an und ab, brachten Gewürze, Stoffe und andere Annehmlichkeiten sowie Material für die Industrieanlagen und exportierten die produzierten überschüssigen Produkte. Gleich neben dem Hafen befand sich die Anlegestelle für die Zeppeline und Heißluftballone. Auch hier kamen täglich Kisten und Pakete an, hauptsächlich wurden die Luftschiffe jedoch zum Personentransport benutzt. Nur ein kleines Stück weiter die Straße hinab befand sich der städtische Bahnhof, seiner roten Ziegelsteine wegen von allen Red Hall genannt. Der Zug bahnte sich teils ober-, teils unterirdisch seinen Weg durch die Stadt und verband sie mit den Dörfern auf dem Land und den umliegenden Städten, was jedoch ein wenig an Geduld und Zeit erforderte.

Meerona befand sich im Aufschwung und jeder, der zupacken konnte, war gern gesehen. Die Einwohnerzahl wuchs daher stetig, die Stadt expandierte und es herrschte buntes Treiben in den Straßen. Wie in jeder anderen großen Stadt gab es zwar auch hier zwielichtige Gestalten, Bandenkriege und den ein oder anderen unaufgeklärten Mordfall, doch dank der fleißigen Polizisten und Privatdetektive hielt sich die Kriminalitätsrate in Grenzen. Und mit ein wenig gesundem Menschenverstand hatte man als ehrbarer Bürger auch nichts zu befürchten. 

Aber zurück zum Anfang. An diesem lauen Apriltag, der begann wie jeder andere, ahnte keiner, was das Schicksal wohl für ihn bereit halten würde. Viele Herzen waren in Aufruhr und das Rad der Zeit drehte sich unaufhaltsam weiter…

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Joa, soviel dazu ^^

Kleider zeichnen wir heute nicht mehr, dazu fehlt jedem von uns die Zeit. Stattdessen stellen wir mit Polyvore Collagen zusammen, die dann zum Beispiel so aussehen:



 
Ich bin wirklich froh, dass wir wieder mit dem Schreiben begonnen haben und hoffe, dass wir noch lange Freude daran haben werden. Aktuell befinden wir uns bei Akt 20 unseres Rollenspiels. Mein Charakter heißt dieses Mal Elody Temple und ich bin gespannt, was sie noch so erleben wird (:

Kommentare:

  1. Das ist eine tolle Idee und die Zeichnungen und Collagen gefallen mir sehr. Wirklich kreativ und genau nach meinem Geschmack. Liebe Grüße, Larissa

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  2. Aaaw, super *-* Ich spiele in diversen Foren, allerdings hab ich das früher auch mit einer Freundin gemacht - ein Büchlein hin und her gereicht. Das war so toll <3

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)