Montag, 24. Dezember 2012

"Memory. Stadt der Träume" von Christoph Marzi

"Die Stunde, in der das Mädchen ohne Namen seine Geschichte verlor, war die letzte des Tages. Die Nacht aber, in deren gläsernem Gewand diese Stunde schlug, schien der Anfang von allem zu sein. Wie Nebel lag Stille über dem, was kaum mehr als Schatenriss und Schemen war. Nur das spärliche Licht einer Straßenlaterne erhellte jenen verlassenen Ort, an dem ein Mädchen zu dieser Uhrzeit eigentlich nichts zu suchen hatte."


"Memory. Stadt der Träume" von Christoph Marzi

Verlag: Arena (2011)
Format: HC, 320 Seiten
ISBN: 978-3-401-06622-6
Preis: 14,99 € [D] 

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Inhalt


Als der 17-jährige Schüler Jude das Mädchen mitten in der Nacht auf einer Bank auf dem Highgate Cemetery findet, weiß er sofort, dass sie anders ist, als die Geister, die er kennt. Vor allem kann sie sich nicht an ihr Leben erinnern, und da Geister das können, scheint das Mädchen, das mangels besseren Wissens "Story" genannt wird, in einer Zwischenwelt zu stecken. Sie muss ihren Körper finden, um ins Leben zurückkehren zu können, und das schnell. Denn sie erinnert sich an immer mehr Details aus ihrem Leben, was bedeutet, dass ihr Körper im Sterben liegt. Doch schnell stellt sich heraus, dass nicht nur Story in Gefahr ist: Seltsame gesichtslose Männer mit geheimnisvollen Laternen streifen über die Friedhöfe und lassen die dort lebenden Geister verschwinden.

Meine Meinung


Mit diesem Buch ist Marzi mal wieder ein fantastisches Werk gelungen. Ich bin immer wieder aufs neue begeistert davon, wie er solche Welten erschafft, die unserer so nah und doch so fern sind. Und irgendwie gelingt es ihm auch immer, eventuelle Ungereimtheiten so zu verschleiern, dass sie garnicht auffallen. Ich beneide ihn wirklich um diese Gabe.

Es gab schonmal ein Buch mit ähnlichem Titel und Cover, "Heaven. Stadt der Feen", welches ich auch gelesen habe. Aber trotz der Ähnlichkeiten handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen Fortsetzungsroman, kann also getrost von jedem gelesen werden. Es hat mich trotzdem ein klein wenig gestört, dass Marzi die Parallelen nicht ganz aufgenommen hat. In "Heaven. Stadt der Feen" heißt das Mädchen zum Beispiel Heaven, hier aber, anstatt dem Naheliegenen Memory, heißt sie Story. Aber schlimm ist das ja auch nicht.

Wie schon in der Lycidas-Reihe tritt auch hier wieder Marzis Liebe zu London deutlich hervor. Er scheint gut recherchiert zu haben was Straßen- und Ortsnahmen sowie U-bahnlinien und oberirdische Verbindungen betrifft. Ich finde es schön, von einem deutschen Autor Geschichten zu lesen, die in London spielen. Auch hat er hier wieder viele Namen von (alten) Musikern und anderen Künstlern, sowie Liedtitel einfließen lassen. Ein schönes Detail, so kann man sich die Lieder anhöhren und noch mehr in die Geschichte eintauchen.

Marzi scheint einen unerschöpflichen Vorrat an Fantasie zu haben. Immer wieder zaubert er neue Gestalten aus dem Hut, bzw. lässt bekannte Wesen geschickt in die Geschichte einfließen. So liest man in diesem Buch von Kitsune, Jalpari und traurigen Steinengeln und hat das Gefühl, als könnten sie auch die eigene Welt bevölkern, so realistisch schreibt Marzi. Und obwohl die Geschichte recht einfach gestrickt und leicht zu lesen ist, gibt es überraschende Wendungen und große Spannung. Grandios und nicht nur für Jugendliche interessant. Zugegeben, manchmal denkt man sich schon: "Warum geht ihr jetzt da hin - ist doch sonnenklar, dass da was nicht stimmt", aber es gehört so eben zur Geschichte. Und im wahren Leben macht man ja auch nicht immer das, was den Außenstehenden als richtig erscheint.

Ihr seht schon, ich bin ein großer Fan von Christoph Marzi und auch wenn es in diesem Buch ein, zwei Stellen gab, an denen ich Fehler zu entdecken glaubte, möchte ich 5 von 5 Wolken für dieses Buch vergeben. 

1 Kommentar:

  1. Fantastisch hingehauen - ich komme langsam nicht hinterher. So viele Bücher, die toll klingen, und die ich gerne lesen müsste, aber irgendwie bin ich auch nur ein Mensch und nicht Dumbledore. So viel passt in mein Gehirn nicht auf ein mal rein. Schade. Sehr schade.
    Und doch endeckt man auf diese Art und Weise immer wieder neue, tolle Bücher. An Lesestoff wird es mir wohl nie mehr mangeln :)

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)