Samstag, 12. Januar 2013

"Neger" und "wichsen" - Zensur in Kinderbüchern?

Ich bin eben auf diesen Artikel des Spiegel Online gestoßen:
Verlag streicht "wichsen" aus Kinderbuch
Wer "wichst" heute noch die Schuhe? Im Zuge der Prüfung missverständlicher Begriffe in den Kinderbuchklassikern Otfried Preußlers will der Thienemann Verlag nach "Neger" ein weiteres überkommenes Wort aus "Die kleine Hexe" und "Räuber Hotzenplotz" beseitigen.
Hamburg/Stuttgart - Der Stuttgarter Thienemann Verlag streicht das Wort "wichsen" aus den Kinderbuchklassikern Otfried Preußlers. In einer Erklärung heißt es, dass Kinder diesen Begriff heute nicht mehr im Sinn von "putzen", "polieren" kennen würden oder gar als Synonym für die Prügelstrafe. Früher aber seien Stiefel "gewichst" worden - und Kinder wurden "durchgewichst". In diesem speziellen Fall, so der Verlag, "erscheint es uns sinnvoll, daraus 'verhauen' zu machen."

Der Verlag verwahrt sich in seiner Erklärung auch gegen den Vorwurf, Begriffe "auf absurde, aber politisch korrekte Weise" auszutauschen. Niemand habe Otfried Preußler je Rassismus vorgeworfen, heißt es. Mittlerweile aber hätten manche Begriffe eine andere Bedeutung erlangt. Man halte deshalb eine Modernisierung bei veralteten und ungebräuchlichen Wörtern für sinnvoll. Thienemann reagiert damit auf eine Debatte im Feuilleton. So war in der "FAZ" oder der "Welt" kritisiert worden, dass der Verlag in den Kinderbuchklassikern Otfried Preußlers auf das Wort "Neger" verzichten möchte. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) erregte zuletzt Aufsehen mit dem Bekenntnis, dass sie beim Vorlesen für ihre kleine Tochter heikle Passagen entschärfen will.

Die jüngste Anpassung Thienemanns könnte die Debatte um eine weitere Nuance bereichern. Vielleicht ist die veränderte Bedeutung des Worts "wichsen" ja ein Beispiel für sprachliche Weiterentwicklung, das auch denen einleuchtet, die "Neger" für einen zwar altmodischen, aber durchaus noch Kinderzimmer-tauglichen Begriff halten.

sha (Quelle)

Die Reaktionen sind unterschiedlich. Viele vergleichen die Wortänderungen mitgefährlichen Zensuren, fürchten Überwachung und Einschränkung. Ich kann mich dem nicht anschließen. Ich finde es wichtig, dass man Wörter, die eine so große Bedeutungsänderung durchgemacht haben wie diese beiden Wörter, in Kinderbüchern zu ändern. Vor allem das Wort "Neger", was heute definitiv als rassistisch und diskriminierend zu verstehen ist. Beim Wort "wichsen" bin ich mir selbst nicht ganz sicher. Ich denke, in Bezug auf Schuhe polieren hätte man es gut stehen lassen können. Aber "durchwichsen" mit "verhauen" zu ersetzen finde ich auf jeden Fall in Ordnung. Allein deshalb, weil ein Kind der heutigen Zeit dann gleich versteht, was passiert. 

Ich denke, Erwachsene können mit diesen Worten umgehen und sie einschätzen. Kinder jedoch nicht, weshalb ich eine Änderung für absolut gerechtfertigt halt. Die Kritik, der der Verlag momentan ausgesetzt ist, kann ich nicht nachvollziehen. Was haltet ihr davon?

Kommentare:

  1. Ich bin da eigentlich genau deiner Meinung. Finde es in Ordnung, dass sie diese Worte geändert haben, schon allein zum Verständnis für die Kinder. In Mark Twains Büchern wurden auch schon Begriffe wie "Neger" etc geändert^^ Finde ich okay!

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  2. Hey,
    ich bin auch deiner Meinung, kann allerdings die Ansätze der Gegenseite auch verstehen. Man sollte schon behutsam vorgehen mit solchen Änderungen. Auf meinem Blog habe ich auch einen Kommentar dazu geschrieben und es hat sich eine sehr interessante Diskussion ergeben. Auf jeden Fall ein interessantes Thema!
    Liebe Grüße,
    Mareike

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  3. Solch ein Aufstand wegen zwei Wörtern?! Wenn bei einer Neuauflage eines alten Werks die Rechtschreibung angepasst wird, regt sich ja auch kein Mensch auf. Sprache ist lebendig und verändert sich, da finde ich es völlig in Ordnung, bei Bedeutungsverschiebungen Anpassungen vorzunehmen. Und gerade bei Kinderbüchern ist die Verständlichkeit wichtig.

    LG, Julia

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  4. Auf universitärer Ebene, hat das Ganze bereits seit Langem ganz andere Ausmaße. Ohne genderkonforme Sprache sprich: Studenten/innen wird bei uns keine Arbeit angenommen. Das Begriffe wie Neger, Schwarze etc. nicht verwendet werden, ist auch selbstverständlich. Lustig wird es dann wenn man zb. eine Arbeit über Rassismus schreiben muss. Da ist es, die richtigen Worte zu finden, fast schwieriger als die ganze Arbeit zu schreiben. Und wenn es nach universitären Konzepten zu Gleichstellung ginge, lesen wir auch bald in jedem Buch von Maler/innen, etc. Aber wenn man dann noch anfängt zu diskutieren ob man überhaupt "man" schreiben kann, weil das ja von Mann kommt (?) dann bekomme ich persönlich die Krise. Man kann es auch übertreiben... Aber darauf zu achten, Kindern eine wertfreie Sprache ohne Rassismus mitzugeben finde ich sehr sinnvoll.

    Lg.

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  5. Ach ich finde es einerseits schade, dass solche Wörter gestrichen werden. Aber andererseits ist es nachvollziehbar. Man muss eben mit der Zeit gehen. Und ich als Mutter möchte meinen Kindern später mal solche Begriffe nicht erklären müssen. Neger z.B. ist ein Schimpfwort und hat heutzutage in Kinderbüchern nichts mehr zu suchen.
    Es ist schon richtig, dass einige Wörter ersetzt werden!
    Schön ist es aber auch, wenn man, wie ich, noch die alten Versionen hat :-)
    Liebe Grüße
    Kathi

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)