Donnerstag, 17. Januar 2013

"Protest!" von Kirsten Brodde

"Ich habe noch keine zehn Worte gesprochen, da fliegt mir schon der erste Zwischenruf entgegen. Bloß nicht unsouverän wirken, denke ich. Bloß nicht verhaspeln. 100 Sekunden sind nicht lang, wenn man seine Sache präsentieren will. Zumal ich im Hamburger Rathaus stehe, wo man gemeinhin längere Regierungserklärungen hört. Gelegentlich auch zu weniger wichtigen Themen."


Protest! von Kirsten Brodde
- wie ich die Welt verändern und dabei auch noch Spaß haben kann

Verlag: Ludwig (August 2010)
Format: TB, 224 Seiten
ISBN: 978-3-453-28016-8
Preis: 16,99 € [D] 

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Inhalt


Mit dem Titel ist eigentlich schon alles gesagt. Kirsten Broddes Buch "Protest! Wie ich die Welt verändern und dabei auch noch Spaß haben kann" ist eine Sammlung kleiner und großer Protestaktionen auf der ganzen Welt. Sie beschreibt, wie es dazu kam, wie vorgegangen wurde und was letztendlich erreicht wurde.

Meine Meinung


Dieses Buch habe ich schon vor einer ganzen Weile gelesen und damals auf meinem anderen Blog vorgestellt. Damits hier während meiner Prüfungsvorbereitungsphase nicht so langweilig wird, habe ich die Rezension für euch rausgekramt (:

Das erste Kapitel beginnt mit Rosa Parks, der mutigen schwarzen Frau die mit ihrer spektakulären Busaktion das Ende der Rassentrennung einläutete. Die Geschichte kannte ich natürlich - neu war mir, dass Rosa zuvor ein Seminar über zivilen Ungehorsam besucht hatte. Mit Hilfe dieses Beispiels erklärt Brodde, warum es wichtig ist, sich zu engagieren und dass man das auch lernen kann.

In den folgenden neun Kapiteln erzählt Brodde von großen und kleineren Protestaktionen und Bewegungen, mal von Gruppen, mal von Einzelnen auf die Beine gestellt. Neben Großaktionen von Greenpeace & Co. finden sich auch viele kleine Geschichten, die das Buch besonders interessant machen.

Da gibt es zum Beispiel die ältere Dame Irmela Mensah-Schramm, die sich selbst "Polit-Putze" nennt und seit über 20 Jahren Nazi-Parolen und rassistische Symbole in Berlin entfenrt. Bewaffnet mit Metallschaber, Nagellackentferner und Farbe. Eine andere Geschichte erzählt, wie die Berliner Tafel entstand, ins Leben gerufen von einer einzelnen Frau - Sabine Werth, und was sich heute daraus entwickelt hat. Dann gibt es noch die SchlaU-Schule, eine Schule für minderjährige Flüchtlinge, die für die allgemeinbildenden Schulen oft schon zu alt sind, wenn sie es geschafft haben, sich nach Deutschland durchzuschlagen. Sie wurde von dem Münchner Michael Stenger gegründet und kann mittlerweile große Erfolge verzeichnen.

Besonders schön fand ich die Geschichte der Schülerinnen und Schüler einer Hamburger Gesamtschule. Weil deren Schulkantine viel zu klein war, um alle Schüler angemessen zu versorgen und das ihnen gegebene Versprechen, es würde eine neue Kantine gebaut, nicht gehalten wurde, besetzten sie eines Tages die große Kantine der Schulbehörde - geordnet und ohne Geschrei und Geschubse. Zusammen mit ihrem Lehrer, der die Siuation zum Anlass nahm, etwas über Protestformen zu lehren, entwickelten sie diesen Plan, der ein voller Erfolg wurde. Früh übt sich!

Ebenfalls sehr lustig fand ich den Bericht über die "Yes Men", bestehend aus den Aktivisten Andy Bichlbaum und Mike Bonanno. Seit mehr als zehn Jahren sorgen sie für Aufruhr, indem sie perfekte Kopien großer Medien erstellen und nur mit Positivnachrichten füllen. So geschehen zum Beispiel mit der New York Times, die am 12. August 2008 berichtete, der Irakkrieg sei vorbei und Präsident Bush würde des Hochverrats angeklegt. Gelegentlich verkleiden sie sich auch als Sprecher großer Konzerne und bringen mit Versprechungen wie Entschädigungsgeldern in Höhe von zwölf Millarden Dollar alle aus der Fassung.

Neben den Geschichten und Tipps kommt aber auch die Kritik an dieser oder jenen Bewegung nicht zu kurz und über allem steht der Aufruf, dran zu bleiben. Sich zuerst mit kleinen Sachen warmzulaufen, aber dann aus der Unterschrift einer Onlinepetition auch mal eine aktive Beteiligung an einer Demo werden lassen. Auch solle man selbst das leben, wofür man öffentlich steht, sagt Brodde, um glaubwürdig zu bleiben und andere mitzureißen. Klimaforscher, die zu Konferenzen jetten und Waldschützer, die im Büro jedes Bisschen Papier bedrucken seien einfach nicht authentisch.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, die Möglichkeiten sich zu engagieren sind breit gefächert, die Namen von Vereinen und Plattformen und die Internetlinks sind größtenteils sehr hilfreich. Es wird beschrieben, wie man die Medien nutzen kann, wie man vorgeht, wenn man etwas ins Leben rufen will usw. Mir war das ganze aber doch ein bisschen zu Greenpeace-lastig, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich Brodde selbst jahrelang für Greenpeace engagiert hat. Aber natürlich hat Greenpeace auch einige Erfolge zu verzeichnen. Besonders sympathisch wird das Buch trotzdem erst durch die vielen kleinen Storys über Mitbürgerinnen und -bürger, die alleine und in kleinen Gruppen etwas erreicht und bewegt haben.

Ich vergebe 4 von 5 Wolken für dieses Buch.

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