Donnerstag, 28. Februar 2013

"Die Botschaft der Baumfrau" von Julia Butterfly Hill

"Mike O'Neal erwachte früh am Morgen des 31. Dezember 1996. Alles war still. "Gott sei Dank", dachte er, "der Regen hat aufgehört." Humboldt County liegt im nördlichen Teil Kaliforniens und bekommt erfahrungsgemäß eine Menge Regen ab. Die Einheimischen witzeln, dass es in dieser Gegend nur drei Jahreszeiten gibt: Juli, August und Regen. Aber selbst an diesen Standards gemessen waren die Niederschläge in diesem Jahr sintflutartig gewesen."


"Die Botschaft der Baumfrau" von Julia Butterfly Hill

Verlag: Goldmann (2002)
Format: TB, 250 Seiten
ISBN: 3-442-15191-0
Preis: 7,90 € [D] 
Originaltitel: "The Legacy of Luna" (2000)

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Inhalt


Um dem rücksichtslosen Abholzen alter Bäume durch die Firma Pacific Lumber ein Ende zu machen, steigt Julia Butterfly Hill am 10. Dezember 1997 auf einen der gefährdeten Bäume, den sie fortan Luna nennt. Sie wird für 738 Tage dort ausharren - so lange, bis die Firma endlich ein Einsehen hat und einem Vertrag zum Schutz von Luna und den umliegenden Bäumen zustimmt. Bis dieses Ziel erreicht wird, hat Julia aber mit allerhand zu kämpfen: mit Wind und Wetter, mit aufdringlichen Flughörnchen, mit Einsamkeit und Frustration und mit den teils gesetzeswidrigen Versuchen der Firma, sie zum Aufgeben zu bewegen. Sogar aus den eigenen Reihen schlägt ihr Kritik entgegen, doch Julia bleibt stark.

Meine Meinung


"Die Botschaft der Baumfrau" ist wieder so ein Buch, bei dem ich mich voll und ganz für das Thema erwärmen konnte, den Schreibstil und die Qualität des Buches aber eher mittelmäßig fand und es fällt mir auch sehr schwer, jetzt eine Rezension dazu zu verfassen.

An sich ist das Buch gut strukturiert und chronologisch aufgebaut. Es ist wie eine Art Tagebuch verfasst, durchwoben mit Fachwissen, Rückblenden und Vorschauen. Julias Ängste finden darin genau so Platz wie Beschreibungen ihres Alltags und ihre Bemühungen um eine Einigung mit der Firma.

Der Prolog erzählt von einem Erdrutsch an einem Hang über einer Stadt, hervorgerufen durch radikalen Kahlschlag der Firma Pacific Lumber. Als auch am benachbarten Hang gerodet werden soll, erwacht der Protest der Anwohner und Aktivisten. Danach wird kurz Julias Lebensweg umrissen und wie es sie in diesen Wald und zu Luna verschlug. Eins führt zum anderen und bald findet die 23-jährige sich in Lunas Ästen wieder, wo sie über 2 Jahre bleiben wird.

Gut möglich dass es an der Übersetzung liegt, aber mir hat irgendwie trotz allem der rote Faden gefehlt und die Wortwahl erschien mir irgendwie plump. Ich hatte das Gefühl, dass sich Stellen oder Äußerungen wiederholen und manchmal waren mir die Zusammenhänge auch nicht sofort klar. Einiges hat mir auch gefehlt. Ich hätte es schön gefunden, noch mehr über Julias Alltag zu erfahren, über ihre Gedanken an die Zukunft. Alles schien mir irgendwie angerissen und dann nicht richtig ausgeführt. An anderen Stellen war es mir dann fast wieder zu viel Information auf einmal. Es scheint fast so, als wäre das Buch in der besten Absicht geschrieben und dann nicht noch einmal überarbeitet worden.

Ich kann nicht genau sagen, warum mir der Stil tendenziell unsympathisch ist. Ist eben manchmal einfach so - wie bei Menschen auch - ohne dass man genau sagen kann, was einen stört. Vielleicht komme ich irgendwann mal an die Originalausgabe heran und kann vergleichen.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Religiosität eine größere Rolle in dem Buch inne hat. Das empfand ich aber keineswegs als aufdringlich. Es gehört einfach zu Julia, die die Tochter eines Wanderpredigers ist, zu beten und um Liebe unter den Menschen zu bitten. Es ist auch nicht so, dass eine bestimmte Religion hervorgehoben wird, sondern einfach Glaube und Schöpfungsgedanke an sich. So kann sich, glaube ich, jeder ein Stück weit damit identifizieren.

Nun zum Thema an sich, das in meinen Augen absolut die volle Wolkenzahl verdient! Dem Leser wird vor Augen geführt, wie, vor allem von großen Firmen, mit unserer Umwelt umgegangen wird, was für Gesetzeslücken sie immer wieder suchen (und finden), wie rücksichtslos mit Anwohnern, Aktivisten und Mitarbeitern umgesprungen wird. Es wird deutlich, wie wichtig ein einheitliches Vorgehen ist, das sich auf Fakten und Gesetze stützen kann; dass man einander nicht mit Hass und Wut begegnet, sondern auf menschlicher und wertschätzender Ebene. Und dass jeder einzelne etwas erreichen kann.

Dem Buch als solchem würde ich 3, dem Thema und dem Wert 5 Wolken geben. So kommt das Buch also auf 4 von 5 Wolken. Es ist etwas besonderes, eine Geschichte über eine außergewöhnliche Frau, aus der man aber noch einiges mehr hätte rausholen können.

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