Mittwoch, 20. März 2013

"Angélique die Rebellin" von Anne Golon

"Ein strahlend blauer Himmel breitete sich über Meer und Küste, ein Himmel wie Seide. Die Küste war noch fern, ein schmaler, dunkler Streifen im Dunst des Horizonts, kaum erkennbar im flirrenden Licht, gegen das Angélique ihre an die Dämmerung der Kabine gewöhnten Augen schützen mußte."

"Angélique die Rebellin" von Anne Golon

Verlag: Rowohlt (Oktober 1976)
Format: TB, 394 Seiten
ISBN: 3 499 1999 4 
Originaltitel: "Angélique se révolte" (1962)

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Inhalt:

Während der Zeit, die der König von Frankreich Angélique in ihrem Schloss gewährt, um sich zu erholen und sich schließlich bei ihm zu entschuldigen, zieht ein Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten über ihre heimatliche Provinz. Nach einem weiteren Schicksalsschlag findet sich Angélique plötzlich als Anführerin der Rebellen wieder. Nicht um ihren Glauben, sondern um ihr Leben und ihre Lieben zu verteidigen. Doch die Schlinge zieht sich zu und bald kann nur noch eines sie retten: Die Flucht über das Meer.

Meine Meinung:

Dieser Band hat mir bisher am wenigsten gefallen - ich empfand ihn als noch zäher als seinen Vorgänger. Erst der dritte Teil vermochte mich wieder wirklich zu fesseln.

Der Großteil des Buches spielt sich in den Wäldern und Sümpfen des Poitou ab, der Provinz, in der Angélique aufgewachsen ist. Im Nachhinein wundere ich mich sehr darüber, wie es Golon gelungen ist, so viele Seiten zu füllen. Versteht mich nicht falsch, es gibt viele dramatische Momente und ein spannendes Ereignis folgt auf das andere, aber von den Kämpfen, strategischen Überlegungen oder sonstigem bekommt man nichts mit. Stattdessen fliegen die Monate nur so dahin, ohne Ziel und Zweck und mich überkam ein Gefühl der Hoffungs- und Sinnlosigkeit. Zum Glück wird irgendwann im Buch erwähnt, dass Angélique jetzt 33 Jahre alt ist, somit konnte ich das ganze wenigstens wieder zeitlich einordnen.

Der letzte Teil des Buches, der in der Küstenstadt La Rochelle spielt, gefiel mir wieder sehr. Vielleicht, weil ich schon mal in der Stadt war, vielleicht, weil ich das Gefühl hatte, dass endlich etwas ins Rollen kommt, dass sich etwas zusammenbraute. Vor allem die letzten Kapitel sind wieder sehr rasant und durch gut recherchiertes nautisches Wissen äußerst realistisch geschrieben. Der Leser wird mit Fernweh und Abenteuerlust zurückgelassen, die Lust auf das nächste Buch machen.

An dieser Stelle möchte ich noch meinen Respekt für die schriftstellerische Leistung Golons zum Ausdruck bringen. Sie muss von Anfang an ihre Charaktere sehr gut geplant und durchdacht haben, immer ein Gesamtbild im Hinterkopf gehabt haben, denn immer wieder tauchen Gestalten aus Angéliques Vergangenheit auf, die sich ohne zu holpern in die Geschichte einfügen und manchmal wie Schutzengel über der Protagonisten zu wachen scheinen.

Meine Mutter, deren Bücher es ja sind, gestand mir, dass es ihr mit diesem Buch ähnlich ging wie mir. Aber sie versprach mir, dass es wieder "bergauf" gehen würde. "Bergauf" in Anführungszeichen, weil es war ja nicht so, dass ich mich durch das Buch gequält habe. Mir hat nur ein bisschen das Tempo gefehlt. Dafür besticht das Buch mit märchenhaften Landschaftsbeschreibungen und einer naturnahen Ursprünglichkeit.

Ich vergebe 3 von 5 Wolken für diesen fünften Band.

Die Übersicht des Angélique-Projekts gibt's hier, die Rezension zum ersten bzw. den ersten beiden Bänden findet ihr hier, die zum dritten Band und vierten Band hier und hier.

Kommentare:

  1. Angélique... ohje ^^ Meine Oma hat diese Bücher gelesen. Meine Mutter hat diese Bücher gelesen. Daher hatte auch ich mich mal daran versucht. Aber leider habe ich bisher in keins der Bücher hineingefunden und irgendwann aufgegeben. Eigentlich schade.

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  2. Bei diesem Band ging es mir wie Dir! Der erste Teil war ok, der letzte auch wieder, aber dazwischen war alles etwas zäh!
    Bin schon gespannt, wie Dir der nächste Teil gefällt!!

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)