Montag, 26. August 2013

"Metro 2033" von Dmitry Glukhovsky

""Wer war das? Artjom, sieh nach!" - Unwillig erhob sich Artjom von seinem Platz beim Feuer, rückte sein Sturmgewehr nach vorne und ging auf die Dunkelheit zu. Am äußersten Rand des beleuchteten Bereiches blieb er stehen, entsicherte geräuschvoll und rief heiser: "Stehen bleiben! Parole!" Eine Minute zuvor hatten sie aus dem Dunkel ein seltsames Rascheln und dumpfes Murmeln vernommen. Nun hörte man eilig trippelnde Schritte. Jemand zog sich in die Tiefe des Tunnels zurück, aufgeschreckt von Artjoms krächzender Stimme und dem Klicken der Waffe."




"Metro 2033" von Dmitry Glukhovsky

Verlag: Heyne (2008)
Format: TB, 764 Seiten
ISBN: 978-3-453-53298-4
Preis: 14,00 € [D] 
Originaltitel: "METPO 2033" (2007)

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Inhalt


Die Welt ist schon lange nicht mehr die, die wir kennen: Nach einem vernichtenden Atomkrieg haben sich die letzen Überlebenden in die Tunnel der Moskauer Metro zurückgezogen. Seit Jahren vegetieren sie dort vor sich hin, doch immer häufiger kommt es zu Zwischenfällen mit mutierten Wesen, die schließlich eine Invasion befürchten lassen. Von einem Durchreisenden bekommt der junge Artjom einen geheimnisvollen Auftrag, den er begierig annimmt. Er hofft, einen Sinn in seinem Leben zu finden und seine Station retten zu können. Doch was er schließlich findet übersteigt seine kühnsten Vorstellungen.


Meine Meinung


"Metro 2033" stand lange auf meiner Wunschliste und seit einigen Wochen auch auf meinem SuB. Ich war auch von Anfang an von dieser dystopischen unterirdischen Welt gefesselt - dafür weniger von der Story.

Diese zog sich meines Erachtens nach unnötig in die Länge und ich habe schnell den roten Faden verloren bzw. die Aufgabe, die Artjom überhaupt hat. Alles ist nach dem selben Muster gestrickt: Reise, Gefahr, Rettung durch neue Freunde aus verschiedenen Gruppierungen und dann wieder von vorne. Gegen Ende wusste ich manchmal gar nicht mehr, was Artjom überhaupt noch in der Story zu suchen hatte. Regelmäßig sorgen die Tunnel für tiefgründige philosophische Gedanken seinerseits und ich gebe zu, dass Glukhovsky ein gutes Händchen für Psychologie hat. Es gelingt ihm außerordentlich gut, menschliche Ängste nachzuvollziehen und zu beschreiben, irgendwann hatte ich aber das Gefühl, dass er sich wiederholt, weshalb die inneren Monologe langatmig zu werden begannen.

Die Geschehnisse spielen sich in der Moskauer Metro und teilweise auch überirdisch ab. Ich weiß nicht, in wiefern die beschriebene Lage der Tunnel der Wahrheit entspricht, aber über die beigefügte Karte kann man Artjoms Weg sehr gut verfolgen. Ich hatte jedoch manchmal Schwierigkeiten mit den ganzen russischen Namen von Menschen und Stationen, die übertrieben lang anmuten, und habe irgendwann einfach darüber weg gelesen. Ähnliches gilt für die russischen Waffen, mit deren Handhabung sich Glukhovsky genau auseinander gesetzt zu haben scheint, aber ob es sich jetzt um eine Kalaschnikov oder sonst irgendwas handelte, war mir in den meisten Fällen egal.

Die von Glukhovsky erschaffenen Wesen sind manchmal wirklich hanebüchend - manchmal musste ich fast lachen, so seltsam erschienen mir die Gegner und teilweise auch deren Namen (z.B. die Bibliothekare). Ein klein wenig "realistischere" Mutanten hätten dem Buch vielleicht ganz gut getan. Das subtile Anpassen der Geschichte Russlands ist Glukhovsky hingegen besser gelungen.

Besonders gut hat mir der gesellschaftskritische Aspekt des Romans gefallen. Unnötige Kriege und der respektlose Umgang der Menschen mit der Welt, die schließlich zur Vernichtung geführt haben, was die Menschen aber immer noch nicht zur Einsicht gebracht hat. Auch der aufgeführte Grund, warum sich Menschen in Religionen und Glauben flüchten, hat mich nachdenklich gestimmt.

Nicht so schön fand ich hingegen die Tatsache, dass diese neue Welt offenbar eine von Männern domierte Welt ist. Frauen tauchen nicht in tragenden Rollen sondern nur als Reinigungskräfte, Mütter, Köchinnen oder Gespielinnen auf, was mich ziemlich geärgert hat.

Der Schluss des Buches hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, der mich im ersten Moment enttäuscht hat. Mittlerweile finde ich aber, dass er gut zum Buch passt - ein wirkliches Happy End hätte es ohnehin nicht geben können und so ist zumindest der Weg offen für eine Fortsetzung. Ich vergebe 3 von 5 Wolken für diesen Roman.

Mit "Metro 2034" hat Glukhovsky eine Fortsetzung auf den Markt gebracht, außerdem haben zahlreiche andere Autoren ihre Romane im "Metro-2033-Universum" angesiedelt. Da mir diese Welt, wie schon gesagt, sehr gefällt, werde ich sicherlich noch weitere Metro-Romane lesen.

Kommentare:

  1. Ich habe dieses Buch manchmal nachts im Bahnhof beim Warten auf die U-Bahn gelesen - keine gute Idee, mich hat es doch sehr gegruselt (geht bei mir aber auch fix). Ansonsten fand ich den Roman aber auch durchwachsen.

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  2. Ich habe es auch ab und zu abends in der U-Bahn gelesen und es ging mir wie dir :D

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)