Freitag, 10. Januar 2014

"Tales of a female nomad" von Rita Golden Gelman

"1985. I am living someone else's life. It's a good life, filled with elegant restaurants, interesting people, and events like the Academy Awards and the Grammies. My husband of twenty-four years and I dine with celebrities, we see the latest movies before the rest of the world, and we're invited to all the book parties in Los Angeles. Because of his job as an editorial consultant to some top magazines, we've been able to create a life that is privileged and glamorous. But now, that I'm there, I realize that I don't like feeling privileged and I'm uncomfortable with glamour. I am living a designer world that has been designed for someome I no longer am."


"Tales of a female nomad" von Rita Golden Gelman

Verlag: Three Rivers Press (2001)
Format: Ebook
ISBN: 978-0-307-42174-6
Preis: 9,90 € [D] 

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Inhalt


Rita hat etwas ins Rollen gebracht, dass sie nicht erwartet und beabsichtigt hatte. Aus einer zweiwöchigen Ehepause werden zwei Monate, dann vier, und schließlich steht die Scheidung bevor. Das gibt Rita jedoch die Möglichkeit, das Leben zu leben, das sie eigentlich leben möchte. Sie reist um die Welt, lebt das Leben der Einheimischen und schließt Freundschaften fürs Leben.


Meine Meinung


Ein Reisebericht gepaart mit Feminismus: genau das richtige für mich! Und noch dazu eine große Bandbreite an Ländern und Orten sowie Tipps und landestypische Eigenheiten. 

Leider ist es schon über 10 Jahre her, dass Gelman all diese Abenteuer erlebt hat, was ich immer etwas schade finde. Außerdem war sie, als ihre Reisen begannen, deutlich älter als ich. Ich meine, es wird dadurch nicht weniger interessant, allerdings verlieren viele Informationen ihre Bedeutung, weil sie nicht für mein Alter zugeschnitten sind oder weil sie meist schon verjährt sind. Daher weiß ich zum Beispiel nicht, ob die Tipps zum Reisen im entsprechenden Land noch so stimmen. Gilt zum Beispiel in Indonesien heute immer noch das ungeschriebene Gesetz, dass die rechte Hand nur benutzt wird, um sich wortwörtlich den Hintern abzuwischen und nur die linke Hand für Interaktionen wie Geben und Nehmen benutzt wird? Ich weiß es nicht, aber es war interessant, darüber zu lesen. 

Etwas schwierig fand ich auch Gelmans Liebe zu lautmalerischen Worten und ich war heilfroh über mein integriertes Wörterbuch. Überhaupt musste ich ziemlich viele Worte "nachschlagen", was aber andererseits auch einen großen Lerneffekt hatte. Man merkt, dass Gelman gerne mit Sprachen spielt und mir hat gefallen, dass sie immer wieder Worte der jeweiligen Landessprache mit einfließen ließ. So weiß ich jetzt, dass Katzen in Bali "meong, meong" sagen :)

Gelman ist angenehm selbstironisch und scheut sich auch nicht, von unerfüllten Hoffnungen und Peinlichkeiten zu berichten. Ihr Buch wirkt daher sympathisch natürlich und ich konnte mich in vielem wiederfinden. Hier meine Lieblingszitate:

"The other part of mountain climbing that I do not like is the climbing."  (Pos. 3459)

"As long as lamps light, couches sit, and beds sleep, I'm happy." (Pos. 740)

"I have no intention of adjusting, and I am not looking to define myself by the man I am with." (Pos. 777)

Dieses letzte Zitat weist schon auf Gelmans feministische Ader hin. Dieses Thema wird häufiger aufgegriffen, vor allem wenn Gelman sich in patriarchalisch geprägten Gebieten befindet und den Alltag der unterdrückten Frauen miterlebt. Immer wieder erwähnt sie, dass es ihr schwer fiel, nur Beobachter zu bleiben und nicht zu werten, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Mich selbst packte manchmal beim Lesen die Wut darüber, wie Frauen behandelt werden oder welches Verhalten von ihnen verlangt wird. Andererseits verstehe ich auch, dass man in solchen Gegenden nicht als Bekehrer auftreten darf, wenn man dort zu Gast ist. Ein Dilemma, in dem sich Gelman häufiger wieder findet.

Mir hat besonders der Teil über Neuseeland gefallen, weil ich ja eben erst selbst dort war und vieles wiedererkannt habe. Zum Beispiel wieder die sprachlichen Eigenheiten wie "fush'n'chups" oder dass eine Einladung zum "tea" eigentlich eine Einladung zum dinner ist. Ansonsten war wie gesagt alles interessant, aber nicht immer fesselnd. Ich hatte auch das Gefühl, dass Gelman manchmal selbst den Faden verloren hat, denn manchmal wiederholt sie sich oder springt unangenehm hin und her. Daher vergebe ich 3 von 5 Wolken für dieses Buch.

Ein wirkliches Ende hat das Buch übrigens nicht. Es endet damit, das Gelman das Buch schreibt und währenddessen alles Erlebte und die geschlossenen Freundschaften rekapituliert. Gelman schließt nur einen Abschnitt ab und überlegt sich schon, wohin sie als nächstes reisen könnte. Es gibt auch eine Art Fortsetzung des Buches, "Female Nomad and Friends", in der sie laut Klappentext weitere Abenteuer, aber auch Geschichten anderer reisender Frauen zusammenfasst. 

Kommentare:

  1. Schön zu lesen, wieviel du auf der Reise durchs Buch entdeckt / gelernt hast. Mir fehlt jetzt ganz neugierig noch das Fazit des Wegs: Wo kommt Rita am Ende an (sinnbildlich und wortwörtlich)? Und was für eine Person ist sie? Gerade, weil du zu Beginn so schön sagst, dass es auch einen "feminist approach" hat, würde mich die Person dahinter noch mehr interessieren. Hast du noc Zeilen und Lust übrig für diese kleine Fortsetzung? :)

    Buchstabenbunte Grüße
    von das A&O

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  2. Liebes A&O,

    vielen Dank für dein Feedback! Gerne habe ich deinen Ratschlag angenommen und noch ein paar Zeilen hinzugefügt. Ich hoffe, deine Fragen sind damit geklärt :)

    Liebe Grüße
    Jacy

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  3. Hallo Jacy,

    habe jetzt erst den Weg und die Zeit zurück gefunden, WE ist Blogzeit ;)
    Vielen Dank für deine Ergänzung, 1 mit Sternchen ;) Im Ernst: Ist eine sehrsehr gute Rezi, die tief geht und rund ist. Bin froh, sie bei dir entdeckt zu haben :)

    Buchstabenbunte Grüße
    das A&O

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)