Sonntag, 2. März 2014

"Die Shakespeare-Schwestern" von Eleanor Brown

"Wir kamen nach Hause, weil wir Versager waren. Das würden wir natürlich nicht zugeben, nicht gleich, nicht vor uns selbst und gewiss nicht vor anderen. Wir sagten, wir seien nach Hause gekommen, weil unsere Mutter krank war, weil wir eine Pause bräuchten, eine kurze Pause, bevor wir zu unserem Nächsten Großen Projekt aufbrächen. Doch in Wahrheit hatten wir versagt, und damit niemand davon erfuhr, ließen wir uns passende Ausreden und Ausflüchte einfallen und hüllten uns darin ein wie in einen Umhang, um die kalte Wahrheit fernzuhalten. Erstes Stadium: Leugnung."


"Die Shakespeare-Schwestern" von Eleanor Brown

Verlag: insel (Mai 2012)
Format: Ebook
ISBN: 978-3-458-77430-3
Preis: 12,99 € [D] 
Originaltitel: "The Weird Sisters" (2011)

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Inhalt


Die Schwestern Rosalind, Bianca und Cordelia, allesamt benannt nach dramatischen Shakespeare-Figuren, könnten unterschiedlicher nicht sein. Als ihre Mutter an Krebs erkrankt kommen sie alle nach Hause, jede mit ihrem eigenen Päckchen, das sie zu tragen hat: Roses Verlobter will, dass sie nach England zieht, Bianca hat einen großen Haufen Schulden und Cordelia ist schwanger. Nach und nach arbeiten sie ihre Vergangenheit auf und versuchen, wieder Fuß zu fassen während sie auch einander wieder näher kommen.


Meine Meinung


Dass mir dieses Buch gefallen würde wusste ich von Anfang an. Als erstes ist mir - natürlich - das Cover ins Auge gesprungen, das ich sehr schön gewählt finde. Hat etwas von der Redewendung "ins kalte Wasser springen." Dann Shakespeare bzw. insgesamt die Buchbesessenheit der Familie, die ohne Bücher nicht leben kann. Und natürlich handelt es sich um eine Geschichte über Frauen und deren Leben, was mich ja immer besonders interessiert.

Weil ihr Vater besessen von Shakespeare und seinem Werk ist, sind die Schwestern mit Zitaten und Auszügen desselben groß geworden. Sie benutzen sie, um ihre Gefühle auszudrücken, vor allem der Vater, und mir hat die Zitateauswall Browns sehr gut gefallen, auch wenn ich jetzt kein großer Shakespeare-Kenner bin.

Ein großes Plus des Buches ist die Stimmung, die Brown geschaffen hat. Alles ist so echt, der Leser kann sich in der ein oder anderen Situation wiederfinden und sich daher gut in die Charaktere hineinversetzen. Es gibt keine Beschönigungen und die Verfehlungen der Schwestern werden gnadenlos aufgezeigt. Dabei ist es nichts abartiges, es sind Fehler, die jede von uns in ihrem Leben machen könnte und wahrscheinlich gerade deswegen so interessant.

Auch die psychologische Schiene hat mir sehr gefallen. Die Schwestern versuchen zu ergründen, ob und wie ihre Eltern/ ihre Schwestern/ ihr Umfeld ihr Leben beeinflusst haben. Manche der Zitate haben mich nachdenklich gemacht und über mein eigenes Leben nachdenken lassen. So zum Beispiel:
"Ich bedauere nicht, dass ich nicht gegangen bin", sagte sie ruhig. "Aber ich wünschte, ich hätte es getan. Ich hätte ein anderer Mensch werden können." (Pos. 3879)

Allerdings konnte ich die Erzählweise nicht so recht einordnen und konnte mich, ehrlich gesagt, auch nicht damit anfreunden. Es handelt sich um eine Art auktorialen Erzähler, der in Gestalt aller drei Schwestern auftritt und nach einer kleinen Einleitung im Präsens, rückblickend erzählt. Das heißt, die drei schauen rückblickend auf die Ereignisse, wissen jedoch von allem und jedem Bescheid und kommentieren das entsprechend (z.B. hätten wir damals schon gewusst). Stellenweise fand ich das etwas verwirrend, zum Beispiel bei Pos. 925 "Wir hielten den Atem an." Wahrscheinlich wollte Brown damit indizieren, dass das Leben eine Art Theaterspiel ist, die man rückblickend analysieren kann, ich fand es dann aber ein wenig zu viel des Guten.

Nichts desto Trotz handelt es sich meiner Meinung nach um ein sehr gelungenes Buch und ich vergebe 4 von 5 Wolken für diesen Roman!

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