Samstag, 31. Mai 2014

"Zweilicht" von Nina Blazon

""Und er atmet wirklich?", fragte Mo. "Wäre ziemlich seltsam, wenn nicht", antwortete Night trocken. "Schlafende Menschen atmen für gewöhnlich. Auch wenn man es bei dem da kaum sieht." Sie ließ den Blick über das Lager des Jungen schweifen, dann gähnte sie und streckte sich genüsslich. Im Rechteck des Fensters konnte Mo die Silhouette ihrer Freundin vor dem Nachthimmel gestochen scharf erkennen: die kräftigen Arme und die Hände, die erst zitternd vor Spannung in der Luft verharrten und sich dann, beim Herabsinken, zu lockeren Fäusten ballten. Night bemerkte Mos Blick, drehte sich zu ihr um und grinste."


"Zweilicht" von Nina Blazon

Verlag: cbt (2011)
Format: HC, 412 Seiten
ISBN: 978-3-570-16117-3
Preis: 19,90 € [D] 

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Inhalt


Jay ist für ein Austauschjahr nach Amerika gekommen und wohnt bei seinem Onkel und seinem Cousin in New York. Alles läuft gut für ein, er wird von seinen Mitschülern freundlich aufgenommen und auch die schöne Madison scheint sein Interesse zu erwidern. Doch langsam zweifelt Jay an seinem Verstand, denn immer wieder taucht ein anderes Mädchen auf, gekleidet wie in einer fantastischen Geschichte und mit magischen Amuletten und Federschmuck behängt. Sie nennt sich Ivy und behauptet, Jay befinde sich in einer Traumwelt und in größter Gefahr. Dann fällt nach einem Sturm der Strom aus und die Infrastruktur bricht zusammen. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und Jay weiß nicht mehr, was real ist und was Trug.


Meine Meinung


Als ich mit dem Buch begann, erwartete ich nur eine weiteres Urban-Fantasy-Buch mit dem genretypischen Verlauf. Daher war ich sehr überrascht, als "Zweilicht" sich zu einem Roman mit Endzeitzügen entwickelte.

Es dauert allerdings eine ganze Weile bis Blazon alle Zusammenhänge aufgeschlüsselt hat und der wahre Kern des Romans an die Oberfläche kommt. Der Leser schwebt daher bis zur Hälfte des Buches im Ungewissen und wird wie der Hauptcharakter Jay hin und her gerissen. Weiß nicht, was wahr ist und was nicht. Das war von Blazon bestimmt wohlüberlegt, ich persönlich finde es aber sehr schwer, mich in solche Romane einzufinden. Das erste Kapitel musste ich zwei Mal lesen, weil ich nicht sicher war, ob ich alles kapiert hatte, so unvermittelt wird man mit fremden Namen und seltsamen Vorgängen konfrontiert.

Kern des Buches ist Jay's Beziehung zu Madison und zu Ivy, die beide eine eigene Welt verkörpern. Er ist zwischen den Mädchen hin und her gerissen, zwischen zwei Leben, zwischen "Sonne und Mond", wie sie genannt werden. Das ist ja alles okay am Anfang, als er noch nicht weiß, was eigentlich abläuft. Später hat mich seine Unentschlossenheit allerdings ein bisschen genervt, ebenso wie sein Unvermögen, die Wahrheit zu akzeptieren. Manche seiner Schritte konnte ich daher nicht nachvollziehen. Letztendlich führt aber natürlich gerade diese Haltung zur Annährung beider Seiten und schließlich zur, zumindest teilweisen, Lösung des Konflikts.

Die unterschwellige Gefahr, die das ganze Buch über mitschwingt, erhält die Spannung aufrecht. Sie ist diffus, man weiß nicht so recht, was denn eigentlich so gefährlich sein soll, und kann die Gefahr nur mit dem mysteriösen Namen "Wendigo" verbinden. Erst ganz zum Schluss klärt sich diese Frage und endlich kommt auch Jay's Vater "zum Zug", bei dem ich mich das ganze Buch über gefragt habe, welche Rolle er eigentlich spielt.

Die Wendung, die das Buch nimmt, nachdem Jay endlich herausfindet, was wirklich vor sich geht, hat mich wie gesagt positiv überrascht. Es erinnerte mich sehr an die Philosophie von Descartes: dass nämlich alles, was um uns geschieht, nur ein Traum sein könnte. Natürlich hat alles in diesem Buch einen fantastischen Ursprung, aber dennoch beginnt man sich als Leser zu fragen, ob das eigene Leben überhaupt Realität ist...

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen und mich streckenweise auch gefesselt. Rein vom Aufbau her würde ich 3 von 5 Wolken vergeben, aber weil es wirklich eine besondere Welt ist, die Blazon geschaffen hat und die einem auf besondere Weise im Gedächtnis bleibt, bekommt das Buch letztendlich 4 von 5 Wolken von mir :)

Ich finde übrigens das Cover außergewöhnlich gelungen. Eines der schönsten Cover, das mir seit längerem untergekommen ist. Es hat für mich einen Roman impliziert, dem der Inhalt dann so gar nicht entsprochen hat. Mit anderen Augen gesehen habe ich dann aber festgestellt, dass es immer noch zum Buch passt. Daumen hoch! Den Titel hingegen finde ich weniger gelungen, selbst wenn er im Verlauf des Romans seine Berechtigung zu finden scheint...

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezi! Ich muss das Buch unbedingt nochmal lesen, ich weiss nämlich ehrlich gesagt nur noch, dass ich es super toll fand. Ich glaube ich fand es anfangs teilweise auch etwas verwirrend, aber ehrlich gesagt mag ich das eigentlich sogar ziemlich, wenn man am Anfang etwas im Dunkeln gelassen wird und selbst miträtseln muss, was eigentlich vor sich geht. Jedenfalls geht es mir so wenn die Auflösung dann auch gelungen ist, was bei diesem Buch wirklich so war.

    Deine Rezi hat mir jetzt wirklich gerade total Lust gemacht, dass Buch nochmal zu lesen. Ach ja und das Cover finde ich auch unglaublich toll.

    glg Nadja <3

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)