Donnerstag, 19. Juni 2014

"Me before You" von Jojo Moyes

"2007. When he emerges from the bathroom she is awake, propped up against the pillows and flicking through the travel brochures tht were beside his bed. She is wearing one of his T-shirts, and her long hair is tousled in a way that prompts reflexive thoughts of the previous night. He stands there, enjoying the brief flashback, rubbing the water from his hair with a towel."




"Me before You" von Jojo Moyes

Verlag: Penguin (2012)
Format: TB, 481 Seiten
ISBN: 978-0-718-15783-8
Preis: 7,49 € [D] 

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Inhalt


Trotz aller Bedenken nimmt Lou den Job im Hause einer wohhlhabenden Familie in ihrer Stadt an, denn die Bezahlung ist gut und der Vertrag auf 6 Monate befristet. Sie soll dem querschnittsgelähmten Sohn der Familie, Will, Gesellschaft leisten. Erst nach einiger Zeit findet sie heraus, weshalb der Job befristet ist: Will möchte sterben und hat nach Ablauf einer Frist vor, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Jetzt setzt Lou alles daran, um ihn umzustimmen. Doch wird sie es schaffen?


Meine Meinung


Dieses Buch hat mich tief berührt und ich muss immer noch viel darüber nachdenken. Diese Tiefe hätte ich gar nicht erwartet, denn das Cover wirkt doch eher süßlich. Im Nachhinein finde ich aber, dass das Cover weitaus mehr ausdrückt, als es auf den ersten Blick scheint. Ich glaube, es ist das erste Buch seit langem, bei dem ich Tränen in den Augen hatte.

Kernthema des Buches ist die Sterbehilfe. Nach einem Unfall ist der 35-jährige Will gelähmt und kann nur noch seinen Kopf und ein wenig die Finger einer Hand bewegen. Mit Hilfe des Schweizer Vereins Dignitas möchte er sterben. Ich habe mich sofort über diesen Verein erkundigt - es gibt ihn tatsächlich! Und das schon seit 1998. Ich weiß ja nicht, wie ihr dazu steht, aber ich finde es gut, dass zumindest ein paar solcher Einrichtungen existieren.

Doch sicherlich gibt es auch Menschen, die - aus religiösen oder wie auch immer gearteten Gründen - gegen die Euthanasie sind. Das wird auch im Buch thematisiert, hier sind es jedoch überwiegend Will's Familie und Lou, die seinen Wunsch nicht akzeptieren möchten. Erst mit dem Fortschreiten der Geschichte wird ihnen klar, dass es ihnen zwar schon um Will geht, sie sich aber eigentlich selbst vor der Verantwortung und der Trauer schützen möchten.

Es gibt unglaublich viele positive Stimmen zu dem Buch, jedoch auch einige negative. So zum Beispiel, dass die Geschichte mit endlosen Klischees behaftet sei. Lou's Familie sei typisch für die Arbeiterschicht, mit einer Mutter, die ständig putzt und einem pflegebedürftigen Großvater. Will's Familie hingegen sei Stereotyp für die gehobenere Schicht, überheblich und egoistisch. Die Romanze sei ebenfalls an den Haaren herbeigzogen und und und. Es gibt noch weitere solcher Stimmen, denen ich aber großteils nicht zustimmen kann.
Lou's Familie fand ich äußerst sympathisch und authentisch. Die Verhältnisse untereinander empfand ich als sehr echt. Vor allem das zwischen Lou's und ihrer Schwester war so gestaltet, dass es mich oft an das zwischen mir und meiner Schwester erinnert hat und mich grinsen ließ. Und was die "Romanze" anbelangt: ich fand sie ganz und gar nicht überzogen wenn man bedenkt, wie lange es dauert, bis Will und Lou sich aneinander annähern. Es sind stetige kleine Schritte, die sie einander näher bringen, und ich finde die ganze Entwicklung sehr realistisch gestaltet.

Ich war insgesamt positiv überrascht vom Verlauf des Buches, denn der Titel suggerierte für mich, dass es eine Person ist, die das Leben der anderen verändert. Lange dachte ich, dass es Lou sei, die auf Will positiv, also im Sinne von lebensrettend, einwirkt. Erst später stellte sich heraus, dass es eigentlich vor allem Will ist, der Lou's Leben beeinflusst und sie sozusagen ins Leben holt, wo sie doch bisher immer nur kleine Kreise in ihrer Komfortzone gezogen hatte, und dass es nicht die "Lebensrettung" ist, die im Fokus steht, bzw. es gar nicht muss. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen.

Trotz des bedrückenden Themas ist es ein sehr lebensbejahendes Buch, das einen mit einem Lächeln auf dem Gesicht und neuem Tatendrang zurücklässt. Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

Kommentare:

  1. Ich verstehe die Begeisterung, die dieses Buch auslöst, nicht so ganz. Die Art und Weise, wie alle, bis fast zuletzt auch Lou, Will bevormunden, fand ich schlimm, und gerade das macht für mich die Liebesgeschichte unglaubwürdig. Wie kann man jemanden lieben, wenn man sich gleichzeitig weigert, dessen Standpunkt ernsthaft zu betrachten? Ohne gegenseitigen Respekt ist das für mich keine Liebe sondern höchstens eine flüchtige Verliebtheit...

    LG, Julia

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    1. Liebe Julia,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Es ist natürlich nicht der Punkt der Bevormundung, der mich an dem Buch "begeistert" hat. Auch nicht die "Romanze" (denn hier stimme ich dir zu, ich denke auch, dass es sich eher um eine Verliebtheit handelt und bin der Meinung, dass das auf Dauer nicht gehalten hätte).

      Ich mag, auf welche Weise das Thema der Selbstbestimmung behinderter Menschen behandelt wird. Wie erwähnt verändern sich ja die Einstellungen und Haltungen im Laufe des Buches und - so wie ich das sehe - stellen all Beteiligten am Ende fest, dass es egoistisch wäre, Will am Leben zu erhalten, wo es doch sein ausdrücklicher Wunsch ist, zu sterben.

      Noch mehr gefallen hat mir aber der ebenfalls genannte Aspekt, dass es schlussendlich Lou ist, der von Will geholfen wird, ihren Weg zu finden.

      Liebe Grüße

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)