Freitag, 29. August 2014

"Von Bitterweg. Das Duneburgdebakel" von Platti Lorenz

"Es war kalt in Kentwest. Nicht ganz so kalt, wie in meiner Heimat Dormizien, wo Winter mit Temperaturen um die zehn Grad minus als warm galten, aber hier war es immerhin nasskalt. Und somit war es speziell für diese Kälte ein Leichtes, ihr eigentlich geringes Ausmaß in voller Gänze zu entfalten. Die eisig feuchte Luft hatte nicht lange gebraucht, um meine Kleidung bis auf die Unterwäsche durchzuweichen - und so fror ich jetzt schon seit Stunden."




"Von Bitterweg. Das Duneburgdebakel" von Platti Lorenz

Verlag: neobooks Self-Publishing (2014)
Format: eBook
Preis: 5,99 € [D] 

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Inhalt



Aiden Wirket weiß, wer er ist. Er ist Aiden Wirket aus Dormizien, dem unbedeutendsten Landstrich mitten im tiefsten Nirgendwo. Niemand geht dort hin. Niemand kommt von dort. Niemand kennt es. Nur die Bewohner haben die Angewohnheit, dort zu bleiben. Nun ja, alle bis auf Aiden. Wie gesagt: Aiden Wirket weiß, wer er ist. Gut, zumindest wissen es die Leute, denen er in und auf seinem Weg nach Duneburg begegnet. Fern seiner Heimat ist er demnach Kopfgeldjäger, Aushilfe, öffentliches Ärgernis, Begleitung, Ordnungshüter, Auslöser ... Tja, bis er sich schließlich als Hauptverdächtiger in einem städtischen Debakel mit übernatürlichen Akteuren wiederfindet. (Quelle)


Meine Meinung


Die liebe Platti hat mich schon vor etwa einem Monat angeschrieben und gefragt, ob ich "Von Bitterweg. Das Duneburgdebakel" gerne lesen würde. Ich hatte zwar studiumstechnisch viel zu tun und noch zwei andere Rezensionsexemplare, die gelesen und besprochen werden wollten, doch das Buch klang so interessant und kurzweilig, dass ich zusagte.

Es handelt sich um einen "Funny Fantasy" Roman, eine Bezeichnung, die ich bis dato noch nicht gehört hatte. Die Bezeichnung lässt ja aber schon vermuten, dass es sich um Fantasy mit humoristischen Einschlag handelt und etwas in Richtung Satire geht. Aus diesem Bereich habe ich noch nie etwas gelesen - obwohl ich dem nicht abgeneigt war, es hat sich einfach nicht ergeben - daher wurde es höchste Zeit. Und ich muss sagen: Ich hatte viel zu lachen!

Platti legt einen angenehm trockenen Humor an den Tag, der nie abreißt und zu 100 % zum Protagonisten Aiden Wirket passt. Dieser lebt unbeschwert in den Tag hinein und durchkreuzt mit seiner etwas naiven Art den ein oder anderen großangelegten Plan anderer, was ihm regelmäßig Ärger beschert. Aiden erzählt als Ich-Erzähler die Geschichte aus seiner Perspektive, weshalb man auch bei schlichten Beschreibungen der Umgebung nicht auf den besonderen Humor, der das Buch ausmacht, verzichten muss. Ich musste regelmäßig herzhaft lachen - der Schreibstil der Autorin macht einfach gute Laune.

"... die Fenstervorhänge, die in ihrer vollständigen Gänze nicht vorhanden waren und demnach völlig fehlten." (Pos. 436) 
"Um eine Belästigung der umliegenden Anwohner durch das unnötige Aufzwingen von Kultur zu vermeiden, [...]" (Pos. 511) 
"... während ich ein portioniertes Butterstückchen mit der eigens dafür vorgesehenen Gabel von seinen Artgenossen separierte und auf meinen Frühstücksteller überführte." (Pos. 2682)

Vor lauter Lachen musste ich aufpassen, dass ich die Story an sich nicht aus den Augen verlor, was aber im letzten Drittel nicht ganz einfach war. Das Ganze kam mir zunehmend verworren vor und teilweise auch unnötig in die Länge gezogen, und nach einer Weile wurde ich ungeduldig und wollte nur noch zum Ende kommen. (Zur Rätselslösung wohlgemerkt, denn Platti's Schreibart kann man fast nicht überdrüssig werden.)

Das liegt vielleicht auch daran, dass man irgendwie alles präsentiert bekommt, aber nichts so richtig. Das sage ich vor allem in Bezug auf die Charaktere, die nur oberflächlich betrachtet werden. Selbst über den Protagonistin erfährt man nicht viel, was vielleicht aber auch seiner Art des Denkens (oder Nichtdenkens) geschuldet ist. Die Auflösung des Konflikts empfand ich dann auch eher als "Hm, okay, na dann", obwohl die Idee ganz gut ist und sich auch mehr oder weniger schlüssig in den Gesamtzusammenhang einfügt. Der Schluss (wie auch vieles andere) ist wohl auch mit einem Zwinkern zu verstehen und kann insgesamt als verdeckte Gesellschaftskritik verstanden werden, was mir wiederum sehr gut gefallen hat. Für mich stand aber ganz klar Platti's Schreibstil im Vordergrund und dieser ist es auch, der das Buch ausmacht und auszeichnet.

Bei diesem Buch handelt es sich um den Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe und ich bin schon sehr gespannt auf die Folgebände. Für mich war "Von Bitterweg. Das Duneburgdebakel" ein nettes und äußerst erheiterndes Buch für Zwischendurch, das ich auf jeden Fall weiterempfehle, selbst wenn man normalerweise kein Fantasy-Fan ist. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Kommentare:

  1. Huhu :)
    Das Buch hatte ich auch gelesen und fand es echt gut. Hatte es genauso bewertet wie du ;)
    Bin auch schon mal gespannt, wie es weiter geht :)

    Liebe Grüße
    Anna

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  2. Huhu Jacy. Ich habe grade deine Rezi gelesen und musste wirklich immer wieder schmunzeln, da wir das ganze Buch wirklich ganz unterschiedlich gesehen haben aber trotzdem zur gleichen Menung gekommen sind. :D
    Die Zitate, die du rausgeschrieben hast sind auch wirklich zu gut. :D Diesen ganze Humor habe ich auch so geliebt!

    xoxo
    Jule von Miss Foxy reads

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)