Dienstag, 27. Januar 2015

"Ich kam mit dem Wüstenwind" von Michaela und Elaine DePrince

"Ich stehe hinter der Bühne, in einem prunkvollen schwarzen Tutu, das mit pechschwarzen Federn und blutroten Blüten verziert ist. Auf meinem straffen Haarknoten sitzt eine funkelnde silberne Tiara. Ich dehne meine Beine und strecke meine Zehen, um zu testen, ob die Bänder meiner Spitzenschuhe fest genug geschnürt sind. Ich höre meine Lieblingslehrerin sagen: "Eine Profi-Ballerina lässt niemals ihre Schuhbänder lose um die Knöchel baumeln.""




"Ich kam mit dem Wüstenwind" von Michaela und Elaine DePrince

Verlag: cbt (2014)
Format: TB, 271 Seiten
ISBN: 978-3-570-16324-5
Preis: 12,99 € [D] 
Originaltitel: Taking Flight: From War-Torn Orphan to Star Ballerina (2014)

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Inhalt


Mabinty Bangura wurde in Sierra Leone geboren und durchlebt während Bürgerkriegs Dinge, die kein Kind je erleben sollte. Doch sie hat Glück un wird zusammen mit ihrer besten Freundin von einer amerikanischen Familie adoptiert. Von da an ist sie Michaela, lässt ihr altes Leben hinter sich und kann das wahr machen, wovon sie träumt, seit sie einen Zeitungsausschnitt mit einer Ballerina darauf gesehen hat: Tanzen. Doch eine Karriere als Ballett-Tänzerin ist nicht einfach und entgegen aller Behauptungen herrscht in dem Business neben Neid und Missgunst auch immer noch Rassismus.


Meine Meinung


Dieses ist wieder eines der Bücher, bei dem ich am liebsten in zwei unterschiedlichen Kategorien bewerten möchte. Die der Geschichte, die erzählt wird, und die der literarischen Umsetzung, denn ich finde, dass ich solch einem Buch mit einer Gesamtbewertung nicht gerecht werden kann.

Die Lebensgeschichte der heute 20-jährigen Michaela hat mich von Anfang an gefesselt, berührt und tief beeindruckt, sodass ich das Buch innerhalb weniger Stunden gelesen hatte. Sie gewährt einen Einblick in eine Welt, die den meisten Lesern völlig fremd sein muss, erzählt von grausamen Kriegsverbrechen und den Glücksgefühlen nach einem perfekten Tanz, von mordenden Rebellen und der Tatsache, dass eine schwarze Ballerina meist ihre Kostüme färben muss, weil sich die herkömmlichen Farben nicht für Dunkelhäutige eignen.

Das Tanzen ist natürlich der Kern dieses autobiographischen Romans, doch daneben erfährt man auch von den alltäglichen Problemen, die sich für Adoptivkinder aus Entwicklungsländern ergeben können, von immer noch existentem Rassismus, aber auch von den Chancen und Möglichkeiten, die gute Seelen wie das Ehepaar DePrince solchen Kindern bieten. Vor solch einem Engagement kann ich nur den Hut ziehen und hoffen, dass es noch mehr solcher Menschen auf der Welt gibt.

Dass Michaela das Buch selbst geschrieben hat, nur mit Hilfe ihrer Mutter, verleiht dem Buch natürlich eine Extraportion Authentizität. Gleichzeitig wirken einige Dinge nicht ganz stimmig, Ereignisse sind schlicht aneinander gereiht und Spannungsbögen werden ungelenk unterbrochen. Cliffhanger am Ende eines Kapitels führten manchmal nirgendwo hin oder erschaffen übertriebene Erwartungen an die folgenden Ereignisse. Das Buch liest sich leicht und flüssig, ja, meiner Meinung nach hätte man aber auf literarischer Ebene noch mehr herausholen können, ohne das Buch zu einer sensationsgeilen Story verkommen zu lassen.

Da ich hier nicht Michaelas Lebensgeschichte an sich, sondern das Buch darüber bewerte, muss ich leider alle Kriterien heranziehen, die ein gutes Buch für mich ausmachen. Daher kann ich insgesamt nur 3 von 5 Wolken vergeben, spreche aber dennoch eine Leseempfehlung dafür aus. Michaelas Geschichte erweitert den Horizont und zeigt Missstände verschiedenster Art auf, die zu beheben sich die heute Gesellschaft zur Pflicht machen sollte. Vielen Dank an den Verlag und das Team von blogg dein buch.

1 Kommentar:

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)