Sonntag, 25. Januar 2015

"Vor der Elfendämmerung" von Jean-Louis Fetjaine

"Heutzutage gibt es keine Elfen mehr. Beinahe keine. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, die einzigen Herren der Erde zu sein, und sie bekriegen einander so heftig und seit so vielen Jahren, dass sie sich nicht mehr an jene längst vergangenen Zeiten erinnern, da andere Geschlechter an ihrer Seite lebten."




"Vor der Elfendämmerung" von Jean-Louis Fetjaine

Verlag: Weltbild (2006)
Format: HC, 339 Seiten
ISBN: 9-783898-975308
Originaltitel: Le crépuscule des elfes (1998)

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Inhalt


Der Große Rat ist in Aufruhr. Ein Elf soll einen Zwergenkönig getötet und beraubt haben. Diese Tat erschüttert alle, denn plötzlich steht der Frieden der Welt auf dem Spiel. Die Elfenkönigin Lliane wird ausgesandt, um herauszufinden, was wirklich geschah. Begleitet wird sie von ausgewählten Vertretern der Elfen, der Zwerge und der Menschen. Wie gefahrvoll ihre Reise sein wird, können sie nicht ahnen, doch als der erste von ihnen einem Mord zum Opfer fällt, beginnen die Gefährten langsam, die Tragweite der Ereignisse zu erkennen.


Meine Meinung


Von diesem Buch war ich äußerst positiv überrascht und ich bin froh, dass ich es im Rahmen der SuB-Abbau-Challenge endlich gelesen habe. Es handelt sich um den Auftakt zu einer Trilogie, von der ich die Folgebände bei Gelegenheit sicher noch lesen werde.

Während ich früher sehr viel Fantasy gelesen habe, ließ das mit der Zeit ein wenig nach, weil mich die meisten Romane nicht mehr befriedigten. Die Geschichten liefen immer nach dem selben Schema ab, die Charaktere waren immer ähnlich gestrickt. Anders hier. Obwohl Fetjaine viele der typischen Eigentschaften der Fantasy-Rassen übernommen hat - die Zwerge, die in den Bergen leben, die herrschsüchtigen Menschen, die entrückten Elfen - handelt es sich meiner Meinung nach nicht um einen 08/15-Fantasy-Roman.

Die Charaktere der Gefährten sind einzigartig und man merkt, wie viel Zeit und Liebe in deren Ausarbeitung gesteckt wurde. Sie sind nicht perfekt, handeln aber ihrem Charakter entsprechend und wirken daher durchweg sehr authentisch. Außerdem spielt Fetjaine gekonnt mit ersten Eindrücken und Annahmen, nur um sie später durch plötzlich aufgedeckte Intrigen unbarmherzig zu zerstören. Da glaubt man lange, eine freundliche und gütige Person vor sich zu haben, und plötzlich entpuppt sie sich als grausamer Bösewicht - ich war geschockt.

Interessant fand ich, dass Fetjaine die Namen Uther, Gorlois und Igraine aus der Artussage verwendete. Diese passen rein klanglich durchaus in die Geschichte, haben aber abgesehen davon nichts mit den Charakteren der Sage gemeinsam. Die anderen Namen sind "typisch Fantasy", wenn ich das so sagen darf. Und da es doch recht viele Personen sind, die im Verlauf des Buches kommen und gehen, war die alphabetische Personenübersicht am Anfang des Buches für mich sehr hilfreich.

Die Handlung entrollt sich zunächst langsam, um den Leser dann in einem atemberaubenden Tempo vorwärts zu ziehen. Kaum gibt es eine kurze Verschnaufpause, da geschieht schon wieder etwas Unerwartetes und weiter geht die Reise. Fetjaine scheut sich nicht vor tragischen, mitunter sehr blutigen Szenen und die Wesen, die seiner Fantasie entsprungen sind, ließen mir häufig einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen.

"Vor der Elfendämmerung" ist der Auftakt zu einer Trilogie und schließt mit einem offenen Ende ab. Es handelt sich jedoch um keinen ärgerlichen Cliff-Hanger. Es fühlte sich für mich an wie eine wohlverdiente Pause nach einer langen Reise, jedoch mit der Aussicht auf weitere gefährliche Aufgaben, die es zu bestehen gilt. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

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