Freitag, 17. April 2015

"Metro 2034" von Dmitry Glukhovsky

"Sie waren nicht zurückgekehrt, weder am Dienstag noch am Mittwoch, noch am Donnerstag - dem letzten vereinbarten Termin. Der Außenposten war rund um die Uhr besetzt, und hätten die Wachen nur das Echo eines Hilferufs gehört oder den schwachen Widerschein einer Lampe an den feuchten, dunklen Tunnelwänden gesehen, dort, wo es zum Nachimowski prospekt ging, so wäre unverzüglich ein Stoßtrupp losgeschickt worden. Die Anspannung wuchs mit jeder Stunde. Die Wachen - hervorragend ausgerüstete und eigens für solche Einsätze trainierte Soldaten - schlossen nicht eine Sekunde die Augen."



"Metro 2034" von Dmitry Glukhovsky

Verlag: Heyne (2009)
Format: Ebook
ISBN: 978-3-641-03774-3
Preis: 8,99 € [D] 
Originaltitel: METPO 2034 (2009)

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Inhalt


20 Jahre nach dem verheerenden Atomkrieg, der ein Leben an der Erdoberfläche unmöglich machte, leben noch immer Menschen in den Tunneln der Moskauer Metro. Doch sie sind bedroht von übersinnlichen Wesen und Mutanten - und jetzt sieht man sich einer weiteren Gefahr gegenüber: Seit Tagen erhält man kein Lebenszeichen mehr von der Station Tulskaja und die losgeschickten Stoßtrupps kehren nicht zurück. Man tippt auf eine Gruppe von Banditen, doch der undurchsichtige Hunter weiß es besser: eine Seuche ist dort ausgebrochen, die, wenn ihr nicht Einhalt geboten wird, alle Überlebenden in der Metro zu Grunde richten wird. Zusammen mit dem alten Homer zieht er los, um die Station abzuschotten und zu zerstören. Doch geht es ihm dabei wirklich um die Menschen oder nur um sich selbst?


Meine Meinung


Bei diesem Buch handelt es sich um den zweiten Band der Metro-Reihe. Meine Rezension zum ersten Band findet ihr hier. "Metro 2034" ist unabhängig vom Vorgängerband und findet spielt - wer hätte es gedacht - ein Jahr später. Trotzdem kommen einige Personen vor, die schon in "Metro 2033" eine Rolle spielten.

Wie schon beim ersten Band hatte ich auch hier wieder Probleme mit den vielen ellenlangen russischen Namen und Orten. Zum Glück werden die meisten Namen verkürzt oder die Spitznamen verwendet, doch bei den vielen Stationen war das leider nicht möglich. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, eine Karte bereitliegen zu haben, auch um sich Wege und zurückgelegte Strecken verdeutlichen zu können.

Zunächst hatte ich Probleme damit, die Richtung des Romans herauszukristallisieren. Meine Schwierigkeiten mit Namen haben vielleicht dazu beigetragen, doch auch so kommt die Geschichte meines Erachtens nur sehr schleppend ins Rollen. Man erfährt zwar als Leser gleich von Anfang an, dass es um eine bestimmte Station geht, die eine Bedrohung darstellt, doch erst nach etwa der Hälfte konnte ich wirklich einen klaren roten Faden erkennen und mitfiebern. Vorher war ich zwar wieder von der Welt und den Zuständen dort gefesselt, schwamm aber mehr oder weniger ziellos umher.

Kern des Romans sind vier Charaktere, die sich im Laufe der Geschichte zusammenfinden. Zwei von ihnen, der alte Homer und die verstoßene Sascha, werden näher beleuchtet und Glukhovsky gewährt Einblick in deren Vergangenheit. Homer kommt zudem eine besondere Rolle zu, denn er arbeitet an einem Buch, in das er philosophische Fragestellungen den Menschen betreffend einbaut. Hauptsächlich geht es um die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Ist es der Strom? Oder ist es Kultur? Die aufgestellten Thesen fand ich sehr interessant und sie passen gut zum Buch, auch wenn man sie zunächst nicht darin erwartet.

Ich bin zwar sehr froh, dass in diesem Band endlich auch eine Frau eine tragende Rolle spielt, doch Sascha ist, obwohl ich sie angesichts ihrer Geschichte verstehen kann, nicht ganz die Frau, die ich mir für so einen Roman erhofft hatte. Sie ist zwar unerschrocken und furchtlos, doch entgegen meiner Erwartungen auch abhängig von jemandem, der sie stützt. Somit hätten wir wieder ein schwächliches Frauenbild in ständiger Abhängigkeit vom Mann. Aber ich sollte mich nicht beschweren - immerhin gibt es hier eine Frau, die weder Putzfrau noch Prostituierte ist.

Ich kann nicht sagen, dass mir einer der Charaktere sympathisch gewesen wäre. Alle waren mir in ihren Wesenszügen fremd. Trotzdem - oder gerade deshalb? - konnte ich das Buch kaum zur Seite legen. Immerhin ist diese ganze Welt fremd für uns und wer weiß, was ein Leben unter der Erde mit mir anstellen würde...

Passend zur Hintergrundgeschichte ist das ganze Buch ist überzogen von einer düsteren Melancholie, in die sich dennoch immer wieder ein Hoffnungsschimmer schleicht. Ob es ein Happy End gibt, müsst ihr schon selbst herausfinden ;)

Ich habe "Metro 2034" gerne gelesen, weil ich aber doch einige Kritikpunkte aufzuführen habe vergebe ich 3 von 5 Wolken für diesen Roman.

1 Kommentar:

  1. Die Reihe war mir bisher unbekannt, schaue ich mir näher an. Trotz der nüchternen Bewertung hast du mich auf jeden Fall neugierig gemacht.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)