Freitag, 26. Juni 2015

"Generation A" von Douglas Coupland

"Wie können wir leben und uns nicht über die Geschichten wundern, aus denen wir uns diese unsere Welt stricken? Ohne Geschichten ist unser Universum nichts als Steine, Wolken, Lava und Dunkelheit. Ein Dorf, das von warmen Wassern weggewaschen wurde, die keine Spur von dem zurückließen, was gewesen war. Stell dir vor: ein tropischer Himmel, sechzehn Kilometer hoch und tausend Jahre weit am Horizont. Stell dir vor: Luft, die auf deiner Stirn wie Honig ist; stell dir Luft vor, die kälter aus deinen Lungen kommt, als du sie eingeatmet hast."



"Generation A" von Douglas Coupland

Verlag: Klett-Cotta (2010)
Format: HC, 233 Seiten
ISBN: 978-3-608-50110-0
Preis: 19,95 € [D] 
Originaltitel: Generation A (2009)

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Inhalt


Seit Jahren gibt es keine Bienen mehr. Doch dann werden innerhalb kürzester Zeit fünf junge Menschen an fünf verschiedenen Orten der Welt von Bienen gestochen. Sofort steht die Wissenschaft auf dem Plan, es werden Befragungen und Untersuchungen durchgeführt um zu ergründen, wo die Bienen herkamen und warum sie stachen. Doch nach und nach erkennen die "Wonka-Kinder", wie sie sich selbst nennen, dass etwas ganz anderes hinter den Untersuchungen steckt...


Achtung!! Diese Rezension enthält Spoiler!!

Meine Meinung


Dieses Buch ist seltsam. Wirklich. Ich habe es schnell gelesen und war auch irgendwie davon gefesselt, dennoch finde ich es seltsam und leider insgesamt auch nicht besonders schlüssig.

Ich dachte, im Mittelpunkt stünde das Fehlen der Bienen und die Auswirkungen, die daraus resultieren. Es geht zwar tatsächlich irgendwie um fehlende Bienen und es wird auch thematisiert, dass Lebensmittel wie Äpfel oder Birnen selten und teuer geworden sind, da sie von Hand bestäubt werden müssen. Doch im Mittelpunkt stehen eigentlich die fünf Menschen, die von plötzlich wieder aufgetauchten Bienen gestochen wurden und zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken immer wieder zu unterschiedlichsten Dingen befragt werden: Harj aus Sri Lanka, Zack aus Iowa, Samantha aus Neuseeland, Julien aus Frankreich und Diana aus Kanada.

Jeden von ihnen lernt der Leser nach und nach besser kennen, ihre aktuellen Erlebnisse und ihre Vergangenheit, und es sind definitiv Charaktere, an die man sich erinnert. Die Tourette-Kranke Christin Diana sorgte bei mir für nicht wenige Lacher, der demütige und mittellose Harj für einige nachdenkliche Momente. Kapitelweise erzählen sie dem Leser ihre Sicht der Vorfälle, die sie sich alle nicht so recht erklären können. Doch als sie schließlich auf einer abgelegenen Insel zusammen kommen, kommen sie gemeinsam der Rätselslösung sehr nahe - obwohl sie sich in einigem täuschen.

Im letzten Drittel des Buches sollen die Wonka-Kinder sich zwecks bestimmter Stoffe, die das Gehirn dabei aussendet, Geschichten ausdenken und erzählen. Ein Wissenschaftler führt Protokoll und fortan besteht der Roman fast nur noch aus diesen Geschichten, die auf seltsame Art miteinander verbunden sind und eine bestimmte Aussage über die Welt, wie die Protagonisten sie sehen und wie sie uns vielleicht in Zukunft droht, machen. 

Der aufsichthabende Wissenschaftler handelt mittlerweile aber komplett aus eigenem Interesse. Als schließlich heraus kommt, was er eigentlich mit den fünf vor hat, hätte ich das Buch am liebsten in die Ecke gepfeffert, doch da war ich ohnehin schon fast durch. Sowas hatte ich echt nicht erwartet und es enttäuschte mich ziemlich. (Das Zitat des betreffenden Satzes würde meine Meinung zwar untermauern, aber auch einen Tick zu viel spoilern, daher sehe ich an dieser Stelle davon ab.)

Trotzdem hat mich der Roman insgesamt bewegt und nachdenklich gemacht. Besonders das im Zentrum des Romans stehende neue Medikament "Solon" gab mir zu denken und soll wohl als Kritik an der leichtfertigen Nutzung von stimmungsbeeinflussenden Medikamenten verstanden werden. Es handelt sich um ein Medikament, dass die Angst vor der Zukunft nimmt - womit aber auch viele unvorhersehbare Nebenwirkungen einhergehen. So zum Beispiel der zunehmende Rückzug des Einzelnen von Freunden und Familie, die Vereinsamung der Gesellschaft.

Aus den individuellen Biographien der Protagonisten sowie aus den von ihnen erzählten Geschichten lässt sich einiges lernen und interpretieren. Deshalb vergebe ich 3 von 5 Wolken. Insgesamt betrachtet war das Buch aber eher eine Enttäuschung für mich.

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