Samstag, 13. Juni 2015

"Trainspotting" von Irvine Welsh

"Sick Boy schwitzte wien Schwein; er zitterte. Ich saß bloß da, starrte in die Glotze und versuchte, das Arschloch zu ignorieren. Er machte mich echt fertig. Ich versuchte, mich auf das Jean-Claude Van Damme-Video zu konzentrieren. Wie üblich in solchen Filmen, gabs erst die obligate dramatische Eröffne. In der nächsten Phase des Films erhöhten sie dann die Spannung dadurch, daß der miese Schurke auftaucht und die lasche Story zusammengeklatscht wird. Und jeden Augenblick war es soweit, daß Jean-Claude ernsthaft kloppte."



"Trainspotting" von Irvine Welsh

Verlag: Heyne (2013)
Format: TB, 400 Seiten
ISBN: 978-3453676602
Preis: 9,99  € [D] 
Originaltitel: Trainspotting (1993)

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Klappentext


Mietskasernen, Arbeitslosigkeit, miese Pubs, viel Alkohol und jede Menge Drogen: das ist der Alltag in Leith, einem heruntergekommenen Vorort von Edinburgh. Das ist auch der Alltag von Renton, Spud, Begbie, Sick Boy und Dianne, einer Clique von jugendlichen Außenseitern, in deren Leben sich fast alles um Drogen dreht. Wer kein Junkie ist, wird bald einer werden oder war einer oder wird bald wieder einer sein. Neben Stuff, Rausch, Entzug, Sex, Frust und Gewalt gibt es aber auch noch die Musik. Und wenn diese Anti-Helden schon alle den Blues haben, so doch zumindest mit 160 beats per minute.


Meine Meinung


Dieses Buch habe ich überraschend geschenkt bekommen. Andernfalls hätte ich es wohl kaum gelesen, denn der Klappentext spricht mich nicht besonders an. Im Laufe des Buches stellte ich dann auch schnell fest, dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Das war kein Buch für mich. Dennoch habe ich es gelesen und möchte jetzt kurz meine Einschätzung mit euch teilen.

Man kann "Trainspotting" nicht vorwerfen, beschönigend und verklärend zu sein. Im Gegenteil. Erbarmungslos ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen beschreibt Welsh die Abgründe der Drogenszene im schottischen Edinburgh. Teilweise sind die Szenen so ekelerregend, dass mir fast schlecht wurde, was definitiv für das erzählerische Talent (oder die morbide Phantasie) des Autors spricht.

Viele der beschriebenen Szenen machten es mir schwer, Sympathie für die Charaktere zu empfinden. Ich kaum einen benennen, den ich wirklich gemocht hätte. Gut, hin und wieder empfand ich für den ein oder anderen Mitleid, aber das ist nicht das selbe. Natürlich muss man Charaktere eines Buches nicht zwangsläufig mögen, doch die Antipathie, die ich gegenüber den meisten Personen dieses Buch entwickelte, ist für mich eher untypisch, weshalb ich sie hier erwähnen möchte. 

Große Schwierigkeiten hatte ich damit, dass es so viele Charaktere gibt, von denen die meisten mal bei Vor-, mal beim Nachnamen oder bei ihrem Spitznamen genannt werden. Ich habe es bis zum Schluss nicht wirklich geschafft, sie auseinander zu halten. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines anderen beschrieben, problematisch finde ich hierbei jedoch, dass dieser Jemand anfangs nicht explizit genannt wird. Erst im Laufe des Kapitels kann man sich zusammenbasteln, wer denn gerade erzählt. Auch dass die wörtliche Rede mit nichts als einem Gedankenstrich am Anfang gekennzeichnet ist, fördert das Verständnis nicht gerade. Häufig musste ich zweimal hinschauen um festzustellen, wo denn nun das Gesprochene endet und wo wieder die Gedanken einsetzen.

"Trainspotting" ist der erste Teil der Trainspotting-Reihe, gefolgt von "Porno", das 10 Jahre später spielt, und "Skagboys", das zeitlich noch vor Teil 1 angesiedelt ist. Der Titel "Trainspotting" erklärt sich zwar in einem Kapitel des Buches, wirklich passend finde ich ihn jedoch nicht. Er ist nichtssagend und auch das entwprechende Kapitel dazu ist in meinen Augen keine Schlüsselszene. 

Ich vergebe 2 von 5 Wolken für diesen Roman. Der gleichnamige Film deckt übrigens nur kleine Teile des Buches ab und wird diesem in seiner Komplexität kaum gerecht. Entscheidende Szenen fehlen, anderes wird jedoch durch den Film gut veranschaulicht, vor allem, weil es leichter fällt, die Charaktere zuzuordnen, wenn man sie bildlich vor sich hat. 

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