Mittwoch, 1. Juli 2015

"Love Letters to the Dead" von Ava Dellaira

"Dear Kurt Cobain,
Mrs. Buster gave us our first assignment in English today, to write a letter to a dead person. As if the letter could reach you in heaven, or at the post office for ghosts. She probably meant for us to write to someone like a former president or something, but I need someone to talk to. I couldn't talk to a president. I can talk to you. I wish you could tell me where you are now and why you left. You were my sister May's favourite musician. Since she's been gone, it's hard to be myself, because I donÄt know exactly who I am. But now that I've started high school, I need to figure it out really fast. Because I can tell that otherwise, I could dran here."



"Love Letters to the Dead" von Ava Dellaira

Verlag: Hot Key Books (2014)
Format: Ebook, 323 Seiten
ISBN: 978-1-4714-0289-0
Preis: 1,99 € [D] 

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Inhalt


Alles beginnt mit einer Hausaufgabe. Die Schüler sollen einen Brief an eine tote Person schreiben. Laurel schreibt an Kurt Cobain. Und an Judy Garland. Und an Jim Morrison, Amelia Earhart, Amy Winehouse... Das ganze Jahr über schreibt sie einen Brief nach dem anderen, weil sie sonst mit niemandem reden kann. Sie schreibt über ihre Eingewöhnung an der neuen Schule, die Freunde, die sie findet und Sky, in den sie sich verliebt. Doch selbst in den Briefen gelingt es ihr nur zögerlich, über ihre tote Schwester May zu sprechen. Und wie sie selbst mit deren Tod in Verbindung steht.


Meine Meinung


Auf dieses Buch wurde ich durch die SuB-Abbau-Challenge aufmerksam, bei der ich Anfang dieses Jahres mitgemacht habe. Ich sah das Buch auf dem Stapel eines meiner Gruppenmitglieder und fühlte mich sofort angesprochen, weshalb ich es für sie auswählte. Jetzt wollte ich es selbst lesen und da ich mir für dieses Jahr eigentlich 10 englische Bücher vorgenommen hatte, bisher aber noch keins gelesen habe, sollte es die Originalsprache sein.

Sprachlich ist das Buch als Nichtmuttersprachler leicht zu verstehen und recht simpel geschrieben. Inhaltlich hat es aber viel Tiefgang, den ich in diesem Ausmaß gar nicht erwartet hatte. Die Protagonistin Laurel erschien mir hinsichtlich ihrer Gedanken erstaunlich reif für ihr Alter und sehr distanziert zu ihren Gefühlen. Teilweise erschien sie mir dadurch unglaubwürdig, denn ich kann mir nur schwer vorstellten, dass ein jugnes Mädchen so beherrscht sein kann, wenn es um die erste Liebe geht. Während sie ruhig und gelassen bleibt, geduldig abwartet, was passiert, würde ein Großteil ihrer Altersgenossinen wohl die Initiative ergreifen - selbst auf die Gefahr hin, damit etwas kaputt zu machen (zumindest hätte ich als Teenager so gehandelt).

Ihre scheinbare Gelassenheit lässt sich aber wohl psychologisch durch den großen Verlust ihrer Schwester und die Umstände, die damit einhergingen, erklären, und ich habe Laurel und ihre Art schließlich akzeptieren können. Auch habe ich mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen, dass die Briefform, die Dellaira für ihren Roman gewählt hat, Laurels subjektive Wahrnehmung und Rezeption der Ereignisse widerspiegelt. Aufgrund der Begrenztheit dieses Mediums kommt es zwangsläufig zu Auslassungen, sodass man nicht ausnahmslos alles über sie erfährt. Die Briefform ermöglicht aber umgekehrt auch ein sehr hohes Maß an Emotionalität.

Laurel geht in den Briefen an verschiedene verstorbene Persönlichkeiten auch immer wieder auf deren Leben ein, und der Leser kann viel Neues über diese erfahren. Verständlicherweise haben die Teile der Biographien, die Laurel erwähnt, auch immer etwas mit ihrem eigenen Leben zu tun, was das Buch rund und schlüssig macht. Dass sie an Tote schreibt unterstreicht außerdem die Situation, in der sich Laurel befindet und in der sie das Gefühl hat, mit niemandem Reden zu können. Dass das aber der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist, lernt sie im Laufe des Schuljahres und mithilfe der Briefe.

Dellaira hat realistisch dargestellt, wie es unter der Fassade einer glücklichen Familie brodeln kann und welche Abgründe sich auftun, schaut man nur genauer hin. Auch, wie ein tragischer Verlust einen Menschen verändert, wie aber jeder auf seine eigene Art hat, damit umzugehen, wird in dem Buch thematisiert - und das ohne anzuprangern, was mir sehr gut gefallen hat. Ebenfalls spielt Geschwisterliebe eine große Rolle und die Gefahr, die daraus erwachsen kann, wenn aus Liebe bedingungslose Vergötterung wird.

Leider hatte ich in der Mitte des Buches eine leichte Phase der Abneigung gegen den Roman. Es ging meinem Empfinden nach einfach nicht voran und es nervte mich ein wenig, dass Laurel stets A, jedoch niemals B sagte und immer herumdruxte, wenn es um den Tod ihrer Schwester ging. Für mich hatte es etwas von Effektheischerei und künstlichem in die Länge Ziehen. Dieser Eindruck hat sich dann aber wieder relativiert und im letzten Drittel konnte ich das Buch kaum noch zur Seite legen. Es tat mir letztendlich leid, dass Laurel mir zuvor auf die Nerven gegangen war, denn die Last, die sie mit sich herumträgt, ist alles andere als leicht.

Laurels Philosophien - ob sie nun altersgemäß sind oder nicht - fand ich sehr spannend und ich habe mir einige Stellen mit kleinen Weisheiten markiert. Dellaira hat es außerdem noch geschafft, Themen wie Homosexualität und Coming Outs, häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch einzubinden. "Love Letters to the Dead" ist also alles andere als leichte Kost, dabei aber trotzdem hoffnungsvoll und... einfach nur schön. Ich möchte das Buch auch auf jeden Fall noch einmal lesen - vielleicht dann auf Deutsch um zu sehen, wie die Übersetzung gemacht wurde. Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

1 Kommentar:

  1. Hallo Jacy,

    eine schöne Rezi zu einem Buch, welches mir ebenfalls gut gefallen hat (obwohl dies nicht mein bevorzugtes Genre ist). Und diverse Punkte, die du angesprochen hast, empfand ich beim Lesen ebenso.

    Liebe Grüße und ich folge dir nun ebenfalls :)
    Uwe

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)