Dienstag, 7. Juli 2015

"Was ich dich träumen lasse" von Franziska Moll

"Wie schön er ist. Vom Schlaf ist die Haut ganz samtig. Die Lippen rot. Die Haare zerzaust. Sie umfassen das Gesicht wie der Rahmen sein Kunstwerk. Die augen bewegen sich unter den Lidern. Sie wandern hin und her, als würden sie etwas suchen. Vielleicht mich. Ich bin hier. Nur wenige Millimeter trennen unsere nackten Körper. Ich kann die Wärme seiner Haut spüren. Der Augenblick vor der Berührung verursacht mir Gänsehaut. Jedes Mal."



"Was ich dich träumen lasse" von Franziska Moll

Verlag: Loewe (2014)
Format: HC, 251 Seiten
ISBN: 978-3-7855-7845-2
Preis:14,95 € [D] 

☁ ☁ ☁ ☁


Inhalt


Elena und Rick sind glücklich und Elena hat endlich das Gefühl, angekommen zu sein. Da reißt ein schrecklicher Unfall die heile Welt auseinander: Rick fällt ins Koma. Doch Elena gibt nicht auf, verbringt jede freie Minute im Krankenhaus und erzählt ihm ihre Erinnerungen an Stationen ihrer Beziehung. Als sie dann eine To-do-Liste findet mit Dingen, die Rick vor seinem Tod gemacht haben wollte, beschließt sie, diese abzuarbeiten. Unerwartete Hilfe bekommt sie dabei von dem taktlosen jungen Krankenpfleger Tim.


Meine Meinung



"Was ich dich träumen lasse" hatte ich in Buchhandlungen schon mehrmals in der Hand und fand, dass es sehr interessant klingt. Als ich es dann zufällig in der Bibliothek sah, musste ich sofort zugreifen.

Die Handlung beginnt vor dem tragischen Unfall und es wird genau beschrieben, wie es dazu kam. Und wenn ich tragisch sage, dann meine ich wirklich tragisch. Mir tat das Ganze so leid, dass ich fast geheult hätte. Und ich konnte es auch absolut nicht ertragen, nicht zu wissen, wie die Geschichte ausgeht. Doch ich widerstand dem Drang, nach hinten zu blättern. Das habe ich noch nie gemacht und ich werde jetzt auch nicht damit anfangen ;)

Man wird also wie gesagt kurz vor dem Unfall in die Geschichte geschmissen. Während des Buches gibt es dann aber immer wieder Rückblenden, wodurch der Leser die Beziehung der beiden rekonstruieren kann. Gestaltet ist das Ganze so, dass Elena Rick erzählt, woran sie sich erinnert. Dabei spricht sie Rick immer wieder an. Sie ist überzeugt davon, dass er sie hören kann.

Daneben gibt es kurze aber aussagekräftige Dialoge aus der Zeit, als alles noch gut war. Diese sind optisch eingerückt und anstatt mit Anführungszeichen nur mit einem Punkt gekennzeichnet. Wer was gesagt hat ist nicht aufgeführt, was es mir manchmal schwer machte, dem Gesagten zu folgen. Machmal erschloss es sich nach ein paar Zeilen, manchmal aber auch gar nicht. Trotzdem haben vor allem diese Passagen mich sehr berührt, denn sie werden von aktuellen Ereignissen ausgelöst und spiegeln für mich genau das Gefühl wieder, das uns befällt, wenn wir uns an Augenblicke erinnern und dabei kurz abwesend sind.

Die Beziehung zwischen Rick und Elean ist aber nicht die einzige Geschichte, die das Buch für den Leser bereithält. Gleichzeitig erfährt man nämlich Stück für Stück von Elenas unglücklicher Kindheit und der Zeit bevor sie in die Stadt kam. Hier trifft der Leser auf häusliche Gewalt und Alkoholismus, was dem Buch äußerlich gar nicht anzusehen ist. Man könnte jetzt meinen, dass beide Thematiken zu viel für das Buch sind, doch dem ist nicht so. Im Gegenteil: Das Jugendbuch gewinnt dadurch einiges an Tiefe und Ernsthaftigkeit.

Im Vordergrund steht auch immer noch Ricks Koma und Moll hat realistisch und sehr berührend beschrieben, was es für die Angehören bedeutet, um das Leben eines geliebten Menschen im Koma bangen zu müssen. Das Ende ist Geschmackssache. Die eine Komponente hat mir sehr gut gefallen und ist dem Buch durchaus würdig. Die andere Sache bezüglich Elenas Wohnort hat mich jedoch nicht überzeugt.

Anmerken möchte ich auch noch, dass meiner Meinung nach der Roman besser auf Charaktere in den 20ern gepasst hätte. Elena und Rick stehen beide kurz vor dem Abitur, aber die Charaktere erschienen mir beim Lesen immer älter. Aber das ist bestimmt Ansichtssache. Ich vergebe 4 von 5 Wolken für "Was ich dich träumen lasse".

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)