Freitag, 21. August 2015

"Tagebuch der Apokalypse" von J.L. Bourne

"1. Januar 3.58 Uhr
Ich wünsche mir ein Frohes Neues Jahr. Nach einer heiter durchsoffenen Nacht war ich wieder nüchtern und machte mich auf den Heimweg. Mittlerweile hängt mir der Heimaturlaub zum Hals raus. Ich bin zwar dankbar für die Ausbildungspause, aber Arkansas altert schnell. Meine Freunde trinken alle noch das gleiche Bier und treiben den gleichen Stuss. Ich kann es kaum erwarten, wieder daheim in San Antonio zu sein. Vorsatz fürs Neue Jahr: Tagebuch schreiben."



"Tagebuch der Apokalypse" von J.L. Bourne

Verlag: Heyne (2010)
Format: TB, 328 Seite
ISBN: 978-3-453-52793-5
Preis: 8,99 € [D] 
Originaltitel: "Day by Day Armageddon" (2009)
Teil 1 einer 3-teiligen Reihe

☁ ☁ ☁ ☁

Inhalt


Ein Virus rafft die Bewohner der USA und vermutlich der ganzen Welt innerhalb weniger Tage dahin und lässt die Toten kurz darauf wieder auferstehen. Auf der Suche nach Fleisch streifen sie durch das zerstörte Land, weshalb die wenigen immer auf der Hut sein müssen. Ein Marine-Offizier führt Tagebuch und beschreibt seinen Überlebnskampf im postapokalyptischen Amerika.


Meine Meinung


Dieses Buch habe ich Ende 2012 schon einmal gelesen (hier gehts zur Rezension von damals) und war nicht sehr begeistert. Beim wiederholten Lesen habe ich jetzt gemerkt, wie sehr sich Meinungen über die Jahre verändern, Geschmäcker sich wandeln können. Denn jetzt fällt mein Urteil über den Roman weitaus besser aus und ich habe sogar beide Folgebände gelesen, was ich mir damals nicht vorstellen konnte.

Meine Rezension von damals ist ziemlich nichtssagend und ich bin froh, dass ich mich in dieser Hinsicht merklich weiterentwickelt habe. Ganz eindeutig hat mich aber der militärische Aspekt gestört, die Beschreibung der Waffen und Fahr- bzw. Flugzeuge war mir zu detailliert und ich empfand sie als unnötig. Heute finde ich, dass gerade das den Roman zu etwas Besonderem macht. Der Autor ist selbst Offizier der US-Marine, genau wie sein Protagonist, und Insiderwissen macht diesen besonders authentisch und einzigartig. Fans von militärischen Geräten aller Art kommen so außerdem in besonderem Maße auf ihre Kosten.

Ich persönlich mag es, wie ihr vielleicht wisst, gerne, wenn das in Zombie-Romanen Beschriebene mir selbst passieren könnte. In dieser Hinsicht ist das Buch natürlich nicht optimal, denn ich habe keinerlei Verbindung zum Militär. Auf besondere Waffen, Flugzeuge oder Schutzbunker müsste ich daher im Ernstfall verzichten. Trotzdem hat mich das Buch gefesselt, denn der Protagonist bleibt nicht alleine, sondern trifft nach und nach auf andere Überlebende - Zivilisten, die sich trotz mangelnder militärischer Kenntnisse wacker schlagen. Dabei ist es nicht so, dass der Protagonist der unfehlbare Held ist. Auch er ist nicht perfekt, macht Fehler und ist auf seine Mitstreiter angewiesen. Das macht ihn sehr sympathisch und hebt auch die anderen Charaktere hervor, obwohl es die Form des Tagebuchs mit sich bringt, dass stets aus der Sicht des Protagonisten geschrieben wird.

Ein Zombie-Roman in Form eines Tagebuches ist besonders und hat definitiv Charme. Andererseits hat es den Nachteil, dass der Leser genau weiß, dass der Protagonist das beschriebene überlebt hat, denn sonst könnte er ja nicht rückblickend davon erzählen. Trotzdem hat Bourne es geschafft, Spannung in das Buch zu bringen und diese auch zu halten. Denn nur weil er einen Zwischenfall überlebt hat, heißt das ja nicht, dass seine Mitkämpfer ebenfalls noch am Leben sind...

Ich vergebe 4 von 5 Wolken und bin froh, dass ich dem Buch noch eine Chance gegeben habe. Es ist wirklich gut, Bücher von Zeit zu Zeit nochmal zu lessen, den Ansichten können sich ändern.

Kommentare:

  1. Das hast Du schön gesagt! :) Ich hatte zum Beginn des Sommers die gleiche Erfahrung mit dem ersten Band der "Flavia de Luce"-Reihe von Alan Bradley gemacht. Als ich das Buch vor Jahren das erste Mal gelesen hatte, fand ich es zwar ok, aber so richtig vom Hocker reißen konnte es mich dann doch nicht. Und jetzt? Ich fand es total klasse!! :D Lese die Reihe nun komplett und freue mich, dass ich das Buch nochmal aus dem Regal gezogen habe! Man selbst verändert sich halt und so wandelt sich auch der Rest. Gute Sache eigentlich, alles andere wäre Stillstand! ;)

    Liebe Grüße, Philly

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Philly,

      danke für deinen Kommentar :) Leider schreckt aber eben oft der erste Eindruck bzw. die erste Erfahrung so sehr ab, dass man sich nicht traut, das Buch noch einmal zu lesen. Ich habe es auch nur getan, weil jemand, dem ich das Buch geschenkt hatte (ja, ich fand es so schlimm, dass ich es loswerden wollte :D ) so begeistert war...

      Und auch das Gegenteil kann ja passieren: Jahrelange Lieblingsbücher erscheinen einem plötzlich weit weniger gut. Aber du hast recht - zum Glück verändern wir uns und entwickeln uns somit weiter!

      LG
      Jacy

      Löschen
    2. Absolut! Bücher, die ich völlig furchtbar fand, würde ich aus eigener Motivation sicher kein zweites Mal zur Hand nehmen. Aber wenn man plötzlich so eine Ahnung hat, dass das Buch einem diesmal besser gefallen könnte, dann reicht das ja oft als Antrieb. Und manchmal lohnt es! :) Und uuh, gruselige Vorstellung, dass einem ein altes Lieblingsbuch nicht mehr gefallen könnte!! :D Aber passiert auch, ich weiß bei manchen Büchern, die ich vor Jahren mit großer Begeisterung gelesen habe, dass sie heute nicht mehr mein Fall wären. Aber das ist ja auch ok, damals haben sie mich halt glücklich gemacht und heute bin ich eben weitergewandert. :)

      Löschen
    3. Wenn man weiß, dass ein Buch einem sicherlich nicht mehr gefallen würde, dann ist das ja in Ordnung. Bitter wirds nur, wenn man das Buch in dem Glauben zur Hand nimmt, es genauso toll zu finden wie damals... ist mir auch schon passiert :(

      Löschen

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)