Sonntag, 11. Oktober 2015

"Violets Vermächtnis" von Rae Meadows

"Sam sehnte sich nach Pound Cake. Oder wenigstens danach, einen zu backen. Das Rezept war denkbar einfach: jeweils ein Pfund Mehl, Butter, Eier und Zucker - das war irgendwie elegant. Ihr gefiel auch, dass Pound Cake etwas richtig Altmodisches war, wunderbar handfest und überhaupt nicht angeberisch. Butterzart und reichhaltig. Wisconsin ist schuld daran, dachte sie."


"Violets Vermächtnis" von Rae Meadows

Verlag: Knaur (2012)
Format: HC, 323 Seiten
ISBN:978-3-426-65263-3
Originaltitel: Mothers and Daughters (2011)

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Klappentext


Anfang des 20. Jahrhunderts wird die elfjährige Violet mit anderen Kindern aus den Armenvierteln New Yorks aufs Land verschickt. Angeblich warten dort christliche Familien, um sie aufzunehmen. Voller Hoffnung, die Liebe zu finden, die ihre labile leibliche Mutter ihr nicht geben kann, macht sich Violet auf den Weg...
Einhundert Jahre später erhält die junge Künstlerin Samantha eine Kiste mit Erinnerungsstücken ihrer Mutter Iris und ihrer Großmutter Violet. In den Fotos, Rezepten und Briefen verbirgt sich der Schlüssel zu jenen Geheimnissen, die die Frauen ihrer Familie über die Generationen hinweg gehütet haben...

Meine Meinung


Dieses Buch erzählt kapitelweise abwechselnd die Geschichten von Violet, Iris und Sam - drei Frauen aus drei verschiedenen Generationen. Sie teilen ihre Weisheit und ihr Wissen, ihre Ängste und Sorgen und ihre Träume von der Zukunft mit dem Leser, wobei jede Generation eine andere Altersstufe mit deren spezifischen Sorgen und Wünschen verkörpert.

Sam ist gerade Mutter geworden und hat seit Monaten nicht mehr in ihrem Atelier gearbeitet und ihre Kunst, das Töpfern, vernachlässigt. Sie fühlt sich ausgelaugt und schuldig, gleichzeitig überkommen sie sofort tiefe Schulgefühle, wenn sie ihre Tochter für ein paar Stunden zu einem Babysitter gibt. Das Baby hat sie verändert, ebenso wie ihre Gefühle für ihren Mann, und sie weiß nicht weiter. Außerdem trägt sie zu viele Geheimnisse mit sich herum, die sie innerlich zerfressen. Trost spenden ihr die Erinnerungen an ihre Mutter und Großmutter, von der sie kaum etwas weiß bis sie schließlich eine kleinen Holzkiste erreicht.

Sams Mutter, Iris, ist kurz vor der Geburt ihrer Enkelin in Sams Beisein gestorben. Vorher haben die Frauen viel geredet und Iris hat ihrer Tochter mehr von sich preis gegeben als jemals zuvor. Ihre Krebserkrankung und der nahende Tod haben sie noch einmal Resumé ziehen lassen und sie gelehrt, wie kostbar das Leben ist. Meadows hat ein feines Gespür dafür, Emotionen mit nur wenigen treffenden Worden zu Papier zu bringen, so dass man sich den Charakteren sehr verbunden fühlt. Vor allem bei Iris habe ich das gemerkt, denn sie nimmt als Sterbende eine andere, irgendwie gewichtigere Postion im Roman ein. Ihre Haltung dem Sterben gegenüber ließ mich viel über mein eigenes Leben nachdenken.

Das Leben von Iris' Mutter wiederum wird rückblickend, erst hundert Jahre später erzählt. Sie pendelte anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Armenhaus, den Straßen New Yorks und den ständig wechselnden und von verschiedenen Männern finanzierten Zimmern ihrer labilen Mutter hin und her, bis ein Zug sie schließlich in den Wessten bringt, wo sie auf eine liebevolle Familie hofft. Das Besondere an ihrer Geschichte ist, dass sie tatsächlich so passiert sein könnte, denn diese Züge hat es wirklich gegeben, wie die Autorin in der Nachbemerkung schreibt.

Ihr seht, es ist ein Wort, das quasi das ganze Buch beschreibt: Geheimnis. Nach und nach lüftet sich der Schleier der Vergangenheit und lässt den Leser schließlich mit einem wohligen Zufriedenheitsgefühl zurück, mit dem Gefühl, viel erfahren und gelernt zu haben, und mit der Gewissheit darüber, dass jede Mutter ihre Geheimnisse hat...  Wie das Bookpage-Zitat auf dem Umschlag so so treffend besagt: "Wenn man dieses Buch gelesen hat, fragt man sich: Was hat meine Mutter mir nie erzählt? Und wage ich wirklich, danach zu fragen?"

Ich empfand es als sehr besonders, dass es der Roman geschafft hat, drei Genres zugleich abzudecken: historischer Roman, Lebenshilfe und Generationen-Roman. Das Cover gefällt mir allerdings überhaupt nicht. Ein Schlüssel kommt in dem Roman nicht vor, und selbst wenn er symbolisch für einen "Schlüssel zur Vergangenheit" stehen soll, gefällt er mir nicht. In Kombination mit dem pinken Band und dem Titel habe ich das Buch zunächst für einen Erotikroman gehalten, ich weiß auch nicht, warum ^^

Trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen, auch wenn ich es teilweise schwierig fand, den Zeitsprüngen innerhalb den Erzählungen über Sam und Iris zu folgen. In der Gegenwart ist Iris schon über ein Jahr tot und Sam's Tochter geboren. In den Kapitel über Iris ist Sam noch schwanger. Ich brauchte gelegentlich ein paar Sekunden um mich wieder einzufinden, was dem Leseerlebnis jedoch keinen Abbruch tat. Ich vergebe 4 von 5 Wolken für diesen emotionalen und gefühlvollen Mütter-Töchter-Roman.

Kommentare:

  1. Hallo Jacy,

    über Tanja´s Bücherblog bin ich auf deinem Blog gelandet, bin einerseits froh und
    habe andererseits Angst um meinem Geldbeutel.
    Froh: weil ich hier auf so viele Bücher gestoßen bin, die man nicht auf jeden zweiten
    Blog trifft.
    Angst: weil mich so viele deiner rezensierten Bücher ansprechen...durch Cover, Story
    und durch deine Rezensionen.

    Gern bleibe ich als Leserin und hinterlasse liebe Grüße,
    Hibi

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    1. Liebe Hibi, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich freu mich, dass mein Blog dir gefällt :)
      Herzlich willkommen als Leserin und weiterhin viel Lesespaß!

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)