Sonntag, 13. Dezember 2015

"Ein Geschenk von Tiffany" von Karen Swan

"Kelly Hartford ließ ihren Blick aus dem Taxifenster schweifen. Um sie herum breitete sich die windzerzauste, wildromantische Moorlandschaft von Schottland aus. Doch trotz ihrer Bemühungen konnte sie nichts entdecken, das ihr bekannt vorgekommen wäre und darauf hingewiesen hätte, dass sie sich auf dem richtigen Weg befand: kein markanter, einzeln stehender Baum, kein Zierbau, der zum beeindruckenden Anwesen ihrer Freundin hätte gehören können. Es war exakt zehn Jahre her, seit sie zum letzten Mal hier gewesen war, und sie hatte ganz vergessen, wie abgelegen ihre Freundin hauste."


"Ein Geschenk von Tiffany" von Karen Swan

Verlag: Goldmann (2012)
Format: TB, 569 Seiten
ISBN: 978-3-442-47886-6
Preis: 8,99 € [D] 
Originaltitel: Christmas at Tiffany's (2011)

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Inhalt


An ihrem zehnten Hochzeitstag entdeckt Cassie, dass ihr Mann sie seit Jahren betrügt und mit der anderen Frau sogar ein Kind hat. Überstürzt verlässt sie das Anwesen, das die letzten Jahre ihr Zuhause gewesen war, und verbringt die folgenden Monate bei ihren drei Freundinnen: erst in New York, dann in Paris und schließlich in London. In jeder der unterschiedlichen Städte lernt sie eine neue Cassie kennen, ein neues Leben, das sie in Zukunft leben könnte. Doch wer ist sie wirklich? Und was hat es mit den To-do-Listen und Pflanzensamen zu tun, die ein alter Freund ihr zu jeder neuen Stadt zukommen lässt?

Meine Meinung


Dieses Buch habe ich letztes Weihnachten als ein Geschenk gekauft und dieses Jahr selbst gelesen. Trotz einiger inhaltlicher Kritikpunkte habe es gerne gelesen. Es ist ein wahrer Page-Turner und wirkte wunderbar zerstreuend auf mich. Wie schon einmal hier erwähnt helfen mir solche Bücher im Stil von Sex and the City mit ihrem Glamour dabei, meinen eigenen Alltag zu vergessen - und das obwohl ich selbst überhaupt kein Mode- und Glamour-Freak bin.

Cassie hat als erste der vier Freundinnen geheiratet, plötzlich und überstürzt, ohne wirklich entdeckt zu haben, wer sie selbst ist. Dementsprechend orientierungslos ist sie, als das Leben, das sie sich die letzten zehn Jahre aufgebaut hat, plötzlich zerbricht. Ihre Freundinnen treten im ersten Moment als rettende Engel auf, die ihr ein Zuhause und Jobs bieten und ihr helfen wollen, aus ihrer Krise hinaus zu finden. Bei jeder von ihnen soll sie ein paar Monate leben: bei Kelly in New York, bei Anouk in Paris und bei Suzy in London. Tatsächlich ist Cassie in deren Händen jedoch nicht mehr als eine Puppe, die sich frisieren und neu einkleiden lässt, bis sie ein weiteres Leben führt, das nicht wirklich ihr gehört.

Alle Freundinnen sind, wie "ihre" Städte schon vermuten lassen, in der Welt der Schönen und Reichen zu Hause. Sie sind vermögend und haben dank ihrer Beziehungen keine Schwierigkeiten, die gestrandete Freundin in einem Job unterzubringen, der natürlich horrend bezahlt ist, obwohl Cassie keinerlei Qualifikationen vorweisen kann. Jede von ihnen schleift Cassie zunächst zum Friseur und anderen Beauty-Einrichtungen, ihre Freundin aus New York zwingt sie zudem zu täglichen Work Outs, sodass Cassie innerhalb kürzester Zeit ein Hungerhaken wird. Ich fand es erschreckend, dass Cassie bei ihr nicht einmal die Chance bekommt, sich zu sammeln und zu trauern, selbst das Prinzip von Ablenkung und Zerstreuung etwas für sich hat. Anouk in Paris lässt ihr da mehr Freiheiten und Cassie entdeckt ihre Liebe zum Kochen wieder. Doch Anouk ist nicht die, die sie vorgibt zu sein, und so gehen die Freundinnen schließlich als Feindinnen auseinander. Suzy ist die einzige der Freundinnen, die mir sympathisch war, wahrscheinlich, weil sie als chaotische Hochzeitsplanerin nicht ganz so eine Modepuppe ist, wie die anderen. Sie ist bodenständiger und kann Cassie einen "normalen" Job bieten, sodass sie langsam zu sich selbst findet.

Rund um Cassies Entwicklung spielen sich eine ganze Reihe anderer kleinerer Geschichten ab. Ihre Affäre mit einem begehrten Fotografen, die Freundschaft mit dem depressiven Küchenchef, die anstehende Hochzeit Kelly's und die Schwangerschaft von Suzy. Durchzogen wird alles von den seltsamen Listen von Henry, Suzys Bruder, den die Freundinnen schon von klein auf kennen. Durch Zufall begegnet Cassie ihm an einem ihrer ersten Tage in New York und von da an stellt er ihr für jede neue Stadt eine Liste mit Sehenswürdigkeiten zusammen, außerdem macht er ihr seltsame Geschenke wie das Geschenk von Tiffany an ihrem ersten Weihnachten alleine...

Ich denke ich verrate nicht zu viel wenn ich behaupte, dass jedem klar ist, was dies alles zu bedeuten hat. Nur Cassie selbst merkt es nicht, was ich schon etwas seltsam fand. Ich mochte Henry, vor allem, weil er Cassie so mochte, wie sie war und den vielen neuen modischen Cassies eher kritisch gegenüber stand. Doch sein Spiel finde ich etwas überzogen und riskant, das Vorhaben steht auf wackligen Beinen und könnte vom Zufall jederzeit ruiniert werden. Aber wahrscheinlich ist es genau das, was er braucht: das Gefühl, dass alles gut werden kann, wenn sein langwieriger Plan aufgeht. Gegen Ende hat mit sein Versteckspiel aber zunehmend genervt, vor allem das Hin und Her mit seiner Verlobten. Andererseits hat das natürlich für Spannung gesorgt - bis zur letzten Seite.

Insgesamt kann ich sagen, dass der Roman gut durchdacht und kurzweilig ist. Die Entwicklungen zwischenmenschlicher Beziehungen fand ich schlüssig, und auch wie Cassie nach und nach sich selbst findet, hat mir gut gefallen. Etwas unrealistisch wurde das Ganze für mich durch die glückliche Fügung, dass Cassie nur vermögende Freundinnen hat und stets sofort lukrative Jobs findet, was aber glücklicherweise dadurch abgemildert wird, dass sie nicht selten in Fettnäpfchen tritt und eine ihrer Freundinnen sogar fast in den Ruin treibt. Ihr Fauxpas bei der Modenschau ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, in dieser Situation wollte ich nicht in ihrer Haut stecken.

Entsprechend dem Originaltitel "Christmas at Tiffany's" hat man dem Buch vermutlich sein winterliches Cover verpasst, und man kann es durchaus in die Kategorie der Weihnachtsromane einordnen, da an Weihnachten etwas ganz Entscheidendes passiert, und die Geschichte wie ein modernes Weihnachtsmärchen daher kommt. Ansonsten ist der Roman aber nicht sehr weihnachtlich, denn es wird immerhin ein ganzes Jahr durchlaufen, sodass man die Lektüre ebensogut im Sommer genießen kann. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Kommentare:

  1. Ich lese gerade den nächsten "Weihnachtsroman" von Karen Swan, der auch von einer jungen Frau handelt, die sich Hals über Kopf in der High Society wiederfindet, so ihre Probleme hat und auf der Suche nach sich selbst ist. Scheint ja System zu haben... ;) Liest sich bisher aber ganz nett, wie deiner Rezi zufolge der erste Weihnachtsroman ja auch.

    LG, Julia

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    1. Wie heißt denn das Buch? Ich hatte kürzlich ein neues Buch von ihr in der Hand, doch das hat mich gar nicht angesprochen... aber falls es thematisch an das vorherige anknüpft, wäre es ja vielleicht doch etwas für mich :)

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    2. "Ein Geschenk zum Verlieben" Es handelt von einer Schmuckdesignerin, die für eine besondere Kette die 7 wichtigsten Leute im Leben der zukünftigen High Society-Besitzerin interviewen soll und dabei merkt, dass nicht alles so glänzend ist, wie es auf den ersten Blick aussieht. Und auch in ihrem eigenen Leben gibt es diverse Probleme, die sie erst nach diesem Perspektivenwechsel angehen kann. Nix weltbewegendes, aber als Weihnachtsroman in der doch eher stressigen Adventszeit ganz net...

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)