Dienstag, 22. Dezember 2015

"Sturmwelten" von Christoph Hardebusch

"Ein einzelner Schrei, lang gezogen und so von Einsamkeit erfüllt, dass die Frau unwillkürlich erzitterte, erfüllte die laute Nacht. Für einen Moment verstummte das Konzert der Vögel, erst als der Schrei verklang, ertönte wieder ihr ewiges Lied vom Streben gegen das Vergehen. So konnte nur hoffen, dass keine neugierigen Augen ihr Zaudern bemerkt hatten, und so schritt sie selbstbewusst und forsch weiter, vorbei an umgestürzten Säulen, kopflosen Statuen, deren Farben längst verblichen waren, und überwachsenen Brunnen, die schon lange kein Wasser mehr führten."


"Sturmwelten" von Christoph Hardebusch

Verlag: Heyne (2008)
Format: TB, 712 Seiten
ISBN: 978-3-453-52385-2
Preis: 13,00  € [D] 

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Inhalt


Ein schwarzes Schiff mit geheimnisvoller, magischer Ladung durchquert die Sturmwelten und sorgt für Aufregung. Viele verschiedene Parteien sind daran interessiert, unter anderem der Freibeuter Jaquento und die Marine-Offizierin Roxane. Doch ersterer, der sich seinen Rang als Kapitän hart erkämpfen musste,  hat noch weitreichendere Pläne: er will die Sklaven befreien, die auf einer der Sturmwelten-Inseln trotz Verbots gehalten werden. Doch damit sind viele nicht einverstanden...


Meine Meinung



Viele Jahre habe ich so gut wie keine Romane aus dem Genre des High Fantasy gelesen. Zu oft bin ich enttäuscht worden und ich hatte das Gefühl, dass jede Geschichte immer mehr oder weniger gleich abläuft. Seit einiger Zeit interessiere ich mich aber wieder stark für dieses Genre und bin beim Stöbern auf die Sturmwelten-Trilogie von Hardebusch gestoßen. Aufmachung und Inhaltsangabe sprachen mich sofort an und ich beschloss, dem Buch eine Chance zu geben. Zum Glück! Denn ich hätte wirklich etwas verpasst, hätte ich mich nicht in die fantastische Inselwelt entführen lassen.

Der Roman beginnt mit einem kryptischen Prolog, der das Interesse am Geschehen weckt. Die folgenden Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht der wichtigsten Charaktere erzählt: dem Piraten Jaquento, der Marine-Offizierin Roxane, den Sklaven Sinao und Majagua, sowie dem Poeten Franigo. Die Parteien kennen sich anfangs nicht, doch im Verlauf des Romans begegnen sie sich zufällig und ihre Schicksale werden miteinander verknüpft, bis es schließlich zu einem spannenden Showdown kommt. Nicht zuletzt an diesem merkt man, wie sorgfältig die Geschichte angelegt und geplant, die Charaktere entwickelt wurden.

Franigo bleibt in diesem ersten Band etwas außenvor, im Vergleich zu den anderen wirkt er regelrecht passiv, und ich konnte auch keinen richtigen Draht zu ihm finden. Das liegt wohl daran, dass er erst ab Band zwei eine entscheidende Rolle einnimmt, die in Band eins lediglich vorbereitet und aufgebaut wird. Die anderen Charaktere hingegen habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen. Vor allem Jaquento ist mir mit seinem Charme und seinem schauspielerischen Talent sofort sympathisch gewesen, und von Roxane habe ich sehr gerne gelesen. Sie ist wohl der Charakter, der am stärksten in inneren Konflikt gerät zwischen ihrer Pflicht und dem, was richtig ist.

Eine Besonderheit des Romans ist, dass es so viele Frauen, gibt, die Hardebusch ganz selbstverständlich an höchste Stellen und in typische "Männerberufe" setzt, was ihn meiner Meinung nach sehr von anderen (Fantasy)Romanen abgrenzt. Offizierinnen, weibliche Leutnants, Ärtzinnen, Zimmerer - alles vertreten. Zudem sind männliche Prostituierte in den Häfen keine Seltenheit, sodass die Grenzen zwischen typisch männlich und typisch weiblich in diesem Roman angenehm verschwimmen. Es klingt zwar durch, dass die Frauenquote im Militär auch in der von Hardebusch beschriebenen Welt teils kritisch beäugt wird, dennoch gefällt mir dieser "frische Wind". An dieser Stelle ein Zitat, das mir besonders gefallen hat:

"Ich bin sicher, dass der Zimmermann Euch aus den Schotten einen Tisch und einen Stuhl zimmern kann."

"Der Zimmermann ist eine Frau - Neria, und sie schätzt es, wenn man sie Schiffszimmerer nennt. Außerdem hat sie mehrere große Hämmer und Zangen, was ihren Wünschen erheblich Gewicht verleiht." (Jaquento und Pertiz, S. 293) 

Magie tritt in Hardebuschs Sturmwelten wohl platziert und nicht übermächtig auf. Viele Kämpfe werden allein durch Muskelkraft und geschickt geführte Waffen ausgetragen, wobei die Auseinandersetzungen sehr detailliert, aber dennoch gut nachvollziehbar und spannend geschrieben sind. Dennoch spielt die Magie eine entscheidende Rolle und wurde von Hardebusch klar strukturiert: es gibt die Maestre, Menschen, die gelernt haben, ihre Magie zu nutzen, sowie Caserdote. Diese können geformte Magie zerstören, wodurch ein Gleichgewicht entsteht. Die verschiedenen Begriffe für Magie, Vigoris und Mojo, habe ich jedoch meistens verwechselt und ich kenne den Unterschied, ehrlich gesagt, noch immer nicht... hoffentlich ändert sich das noch! 

Erwähnenswert finde ich auch noch die nautischen Elemente des Romans, die auf mich sehr gut recherchiert wirken. Szenen, in denen es um Abläufe auf dem Schiff geht, empfand ich nicht als langweilig oder zäh - im Gegenteil. Ich fand es hoch interessant zu lesen, was so alles nötig ist, um ein Schiff zu fahren. Hardebusch hat sogar ein Glossar angehängt, in dem verschiedene verwendete Begriffe genauer erklärt sind, was zeigt, wie gut er sich im Vorfeld damit auseinandergesetzt hat.

Ich glaube, mittlerweile kam bei euch an: ich bin regelrecht verliebt in das Buch. Direkt im Anschluss habe ich mit Band zwei begonnen, der mir bisher auch sehr gut gefällt. Leider werde ich auf Band drei noch ein wenig warten müssen... Zu Band eins bleibt mir jetzt nur noch zu sagen: Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

1 Kommentar:

  1. Hui,

    ich liebe Sturmwelten! Ich habe mir damals alle drei Bände zusammen gebraucht gekauft und regelrecht verschlungen =)

    Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim Lesen in dieser wunderbaren Sturmwelt!

    Liebste Grüße,
    Vivka

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)