Donnerstag, 25. Februar 2016

"Bitterzart" von Gabrielle Zevin

"Am Abend bevor ich in die elfte Klasse kam - ich war so gerade sechzehn -, sagte Gable Arsley, er wolle mit mir schlafen. Nicht in ferner oder absehbarer Zukunft. Nein, sofort. Zugegebenermaßen hatte ich keinen besonders guten Geschmack, was Jungen anging. Ich fühlte mich zu denen hingezogen, die es nicht gewohnt waren, um Erlaubnis zu fragen, bevor sie etwas taten. Jungen, die wie mein Vater waren, nehme ich an."


"Bitterzart" von Gabrielle Zevin

Verlag: FJB (2013)
Format: HC, 522 Seiten
ISBN: 978-3-8414-2130-2
Preis: 16,99  € [D] 
Originaltitel: All these things I've done (2011)
Teil 1 von 3

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Inhalt


New York im Jahre 2083: Wasser und Papier sind rar geworden, Kaffee und Schokolade sind verboten. Die 16-jährige Anya wurde in eine Mafia-Familie hineingeboren, die illegal Schokolade bezieht und vertreibt. Doch ihr Vater hat das mit dem Leben bezahlen müssen, als Anya noch ein Kind war. Jetzt bekommt sie die Machenschaften der Familie nur so am Rande mit, bis eine turbulente Zeit in ihrem Leben beginnt. Ihr geistig behinderter Bruder wird in die Intriegen der Mafia hineingezogen. Giftige Schokolade kommt in Umlauf und Anya wird verdächtigt. Und zu allem Überfluss verliebt sie sich auch noch in Goodwin, den Sohn des neuen Oberstaatsanwalts...

Meine Meinung


Dieser erste Band einer Trilogie ist wirklich außergewöhnlich. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gelesen und es hat mir sehr gefallen, in diese unbekannte, dystopisch angehauchte und doch auch vertraute Welt gezogen zu werden.

Anya ist sechzehn, aber schon sehr reif für ihr Alter. Seit dem Tod ihres Vaters sorgte ihre Großmutter für die Familie, doch seit diese bettlägerig ist und immer weniger geistig helle Momente hat, fühlt Anya sich für ihre beiden Geschwister verantwortlich, was sie schnell erwachsen werden ließ. Eigentlich wäre ihr großter Bruder das Oberhaupt der Familie, doch bei einem tödlichen Anschlag auf seine Mutter wurde auch er verletzt und ist seither geistig behindert. Doch natürlich hört er nicht gerne von seinem Handicap, was Anya in manchen Situationen viel Einfühlungsvermögen abfordert. Vor allem, als er von einem Cousin scheinbar in die Machenschaften der Familie hineingezogen wird.

Trotz der Rationierungen von Wasser und Papier führt Anya ein recht normales Teenager-Leben: Sie geht zur Schule, trifft Freunde und verliebt sich. Sie ist aufmüpfig, frech und testet ihre Grenzen, so wie es jede normale 16-Jährige tun würde. Diese Tatsache, dass das Leben in dieser Romanwelt irgendwie doch dem im Hier und Jetzt ähnelt, fand ich besonders spannend. Es fiel mir schwer, mir eine Welt vorzustellen, in der Kaffee und Schokolade unter der Ladentheke verkauft wurden und Cafés Parallelen zu Opiumhöhlen aufweisen.

Der Roman ist unglaublich temporeich und nachdem er einmal angelaufen ist, kommt man kaum zur Ruhe. Ständig ist irgendetwas, tauchen neue Probleme auf, immer wieder beginnt ein neues Abenteuer. Ich muss gestehen, dass es mir manchmal sogar zu viel war. Ich traute mich manchmal nicht, weiter zu lesen weil sich schon die nächste Katastrophe anbahnte, obwohl ich mich doch einfach nur mal ausruhen wollte. Aber das hat das Leben als Tochter eines Mafia-Bosses wohl so an sich. Und dieses Leben ist es auch, was Anya so stark gemacht hat. Und das ist keine Mary-Sue-Stärke, denn Zevin kann gut nachvollziehbar belegen, woher diese Stärke resultiert. Bei so einer Lebensgeschichte ist sie wirklich alles andere als verwunderlich.

Was mich ein wenig gestört hat ist Anyas Einstellung zum Sex vor der Ehe. Versteht mich nicht falsch: ich respektiere solche Entscheidungen, und auf der einen Seite finde ich es auch gut, dass hier ein Charakter geschaffen wurde, der in einer Welt, in der Teenager überall schon sehr früh mit Sex konfrontiert werden, einen anderen Lebensentwurf präsentiert. Auf mich wirkte Zevin in dieser Hinsicht jedoch ein wenig missionarisch, denn das Thema kommt sehr häufig auf und wurde in meinen Augen übermäßig betont. Mehr als einmal gerät Anya ernsthaft in Versuchung, kann sich jedoch immer wieder zusammenreißen. Einmal scheint es sogar Gott selbst zu sein, der sie davon abhält, indem er ihre kleine Schwester nach ihr rufen lässt. Naaaja.

Insgesam habe ich den Roman sehr gerne gelesen, und die ständige Action, die ich hier als stellenweise unangenehm empfand, ist für andere sicher das beste am ganzen Buch. Findet es selbst heraus! Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Übrigens: Ich ziehe den deutschen Titel des Buches dem englischen definitiv vor. Der Originaltitel ist nichtssagen, während "Bitterzart" in einem Wort beschreibt, was der Kern des Romans ist: Schokolade. Außerdem verbindet er die Bände der Trilogie und hat einen hohen wiedererkennungswert. Manchmal sind halt doch die Übersetzungen besser als das Original ;) 

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