Sonntag, 14. Februar 2016

"For Good" von Ava Reed

"Ein paar Sonnenstrahlen stehlen sich durch den Vorhang und scheinen mir ins Gesicht. Es ist viel zu hell. Meine Augen fühlen sich immer noch geschwollen an und meine Glieder zu schwer. Ich will nicht aufwachen, noch nicht. Ich möchte noch bei dir bleiben, in deinen Armen liegen und dein Lachen hören. Doch ich merke, wie du anfängst zu verblassen. Ich kann dich nicht festhalten und möchte schreien. Ich möchte schreien und nie wieder damit aufhören."


"For Good" von Ava Reed

Verlag: Booklover (2015)
Format: Ebook
Preis: 0,99 € [D] 

☁ ☁ ☁

Inhalt


Charlie fühlt sich, als sei ihr Leben zu Ende, als sie erfährt, dass ihr Mann Ben gestorben ist. Sie kann es nicht fassen und ertrinkt fast in einem Meer der Trauer. Ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Ben sind das einzige, was ihr geblieben ist...


Achtung, diese Rezension enthält Spoiler!
 

Meine Meinung


Auf diesen Roman bin ich durch eine Blogrezension (leider finde ich die Seite gerade nicht mehr) aufmerksam geworden und habe mir, ganz untypisch für mich, sofort das Ebook gekauft, da es nicht besonders teuer war. Ich muss jedoch sagen, dass ich mehr erwartet hatte, nachdem besagte Bloggerin so emotional von ihrer Leseerfahrung berichtet hat.

In "For Good" erzählt die Protagonistin Charlie kapitelweise abwechselnd von der Gegenwart, fünf Wochen nach dem Tod ihres Mannes Ben, und der Vergangenheit. So erfährt der Leser nach und nach, wie sie Ben kennengelernt hat, wie sich ihre Beziehung entwickelt hat, was sie gemeinsam erlebt haben und was ihre Träume waren. Dazwischen trauert man mit ihr um ihren großen Verlust, versucht, mit ihr gemeinsam irgendwie den Alltag zu meistern und verzweifelt mit ihr, wenn sie für scheinbar unlösbaren Aufgaben steht.

Ich konnte gut verstehen, wie Charlie sich fühlen muss nachdem sie erfahren hat, dass ihr Mann tot ist. Die Ich-Form macht die Erzählungen dabei besonders emotional und ich finde, dass Reed die Momente der Verzweiflung sehr gut eingefangen hat. Trotzdem konnte ich immer ein wenig Abstand zu der Protagonistin wahren, was mich überrascht hat. Ich kann nicht sagen, woran das liegt, aber der Funke wollte irgendwie nicht so recht überspringen. Vielleicht deshalb, weil ich die Geschichte ihrer Liebe zu Ben ein wenig zu kitschig fand und Ben selbst zu perfekt.

Wie die beiden sich kennengelernt haben und Jahre später wieder treffen ist schon sehr, sehr romantisch, wenn auch nicht unmöglich. Ihre Beziehung erschien mir von Anfang an zuckersüß und auch wenn gelegentliche Streits beschrieben werden, so trübt eigentlich nichts das junge Glück. Und wie schnell sich die beiden dann entschließen zu heiraten... naja. Aber das ist wohl Geschmackssache. Während all dem redet Charlie jedoch mit keinem Wort schlecht von Ben, alle Fehler und Unzulänglichkeiten findet sie bei sich selbst, was mich ziemlich genervt hat. Natürlich kann ich verstehen wie man rückblickend dazu neigt, unschöne Momente auszublenden (vor allem, wenn der betreffende tot ist), doch Charlies Erinnerungen grenzen fast schon an Verherrlichung.

Den Schluss fand ich zudem konstruiert und um ehrlich zu sein habe ich von Anfang an mit einem solchen Ende gerechnet. Er lässt jedoch Menschen, die vielleicht tatsächlich mit so einer Situation leben müssen, in meinen Augen noch einsamer zurück, denn nicht viele können mit solch einem Glück im Unglück rechnen. Mir persönlich hätte ein anderes Ende besser gefallen, es wäre mir realistischer vorgekommen. Doch natürlich passt es zu der ganzen romantischen Story und schließt mit diesem teilweisen Happy End den Kreis.

Doch im Grunde ist das Buch damit noch nicht zu Ende, denn Reed hat noch einige Kapitel hinzugefügt, die einige Momente des Romans aus Bens Sicht noch einmal erzählen. Das finde ich eine sehr schöne Idee, die einen am Schluss noch einmal zurückdenken lässt und auch ein paar offene Fragen klärt. Ich fand es sympathisch, wie Reed im Nachwort auf die zusätzlichen Kapitel hinweist, es dem Leser jedoch frei stellt, diese zu lesen. Auch die Liste mit Songs, die die Autorin während der Entstehung ihres Buches gehört hat, fand ich schön - sie schafft eine besondere Nähe zwischen Leser und Autorin und ermöglicht es, noch tiefer in die Geschichte und ihre Emotionen einzutauchen.

Ich habe "For Good" gerne und schnell gelesen, fand es jedoch nur "ganz nett" und vergebe daher 3 von 5 Wolken.

1 Kommentar:

  1. Nach dem Zitat/Auszug hätte ich sofort "JA" gesagt, aber ich mag auch keine perfekten und kitschigen Liebesgeschichten. Die nerven ab der Mitte nur noch, ganz egal ob in Filmen, Serien oder eben Büchern. Toll geschriebene Rezension :)

    Liebe Grüße und einen schönen Tag wünsche ich dir noch,
    Casey

    AntwortenLöschen

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)