Mittwoch, 11. Mai 2016

"Das Mädchen am Klavier" von Rosemarie Marschner

"Es war ein lautes Haus. Vom frühen Morgen an schien der Lärm mit jeder Stunde des Tages zuzunehmen und sich gleichzeitig auch zu verändern. Erst hörte man nur das Klappern hinter der geschlossenen Küchentür, wenn der Ofen angeheizt, das Geschirr vom Vorabend gespült und das Frühstück vorbereitet wurde. Friedliche Geräusche noch, bis die Standuhr in der Diele die sechste Stunde schlug. Dann aber war der sanfte Bann der Stille durchbrochen."


"Das Mädchen am Klavier" von Rosemarie Marschner

Verlag: dtv (2013)
Format: TB, 507 Seiten
ISBN: 978-3-423-24944-7
Preis: 14,90 € [D] 

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Inhalt


Schon als kleines Mädchen erhält Clara Wieck, spätere Schumann, exzessiven Klavierunterricht von ihrem Vater, der ein musikalisches Wunderkind aus ihr machen will. Doch so hart das klingen mag: die Beziehung der beiden ist von Liebe und Zuneigung erfüllt und Clara fügt sich gerne den Regeln und Vorschriften ihres Vaters. Und so gelingt es den beiden auch, Clara zu einer über die Landesgrenzen hinaus bekannten Pianistin zu machen. Doch damit nicht genug: Auch zum Komponieren hat Clara großes Talent. Ihr scheint eine vielversprechende Karriere vorherbestimmt zu sein. Doch dann verliebt sie sich in den Romantiker Robert Schumann - eine Verbindung, die von ihrem Vater aufs Schwärfste missbilligt wird.

Meine Meinung


Ich nahm dieses Buch aus der Bücherei mit, weil ich Clara Schumann sehr faszinierend finde und sie als Thema für mein Examen in Betracht ziehe. Natürlich war mir klar, dass es sich um einen Roman und keine wissenschaftliche Abhandlung handelt, dennoch erhoffte ich mir einige historisch korrekte Einblicke in ihr Leben und Wirken und einen Überblick über ihre Kindheit. Und ich denke, damit kann das Buch durchaus aufwarten.

Gegenstand des Romans sind Claras Kinder- und Jugendjahre. Man begleitet Clara von ihren frühesten Erinnerungen an, sitzt mit ihr am Klavier, geht mit ihr auf Tournee. Ich bewunderte ihre Stärke und Willenskraft. Jedes andere Kind hätte wohl nach nur wenigen Jahren aufbegehrt und sich von allem losgesagt. Doch Clara fand in alle dem, was sie durchmachte, Erfüllung: gespaltene Fingernägel, lange Kutschfahrten und Entbehrungen des Sparens wegen. Ob Claras Charakter tatsächlich wie in dem Buch beschrieben war, wird sich nach der Lektüre anderer, wissenschaftlicher Abhandlungen noch herausstellen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass die Autorin sich nah den ihren Recherchen entlanggehangelt hat und ihre Beschreibungen passen zu dem Bild, das ich mir selbst von der berühmten Musikerin gemacht habe.

Clara, ihr Vater und Robert Schumann. Dieses Personendreieck bildet das Zentrum des Romans und man lernt alle drei gleichermaßen gut kennen. Doch auch viele andere Personen erscheinen auf der Bildfläche: Paganini, Chopin, Goethe... durch diese Vielfalt erschafft die Autorin ein umfassendes Panorama der damaligen Zeit, verknüpft verschiedene Künste sowie historische Gegebenheiten miteinander, was mir sehr gut gefallen hat.

Doch leider zog sich das Buch für meinen Geschmack an manchen Stellen zu sehr in die Länge. Es war stets angenehm zu lesen, jedoch hatte ich vor allem in der Mitte häufig das Gefühl, nicht voran zu kommen. Der Schwerpunkt liegt stets auf Claras Empfindungen und diese wurden rückblickend betrachtet mehr als einmal breitgetreten. Sie scheint zeitweise nicht wirklich weiterzuentwickeln sondern auf der Stelle zu treten, und so fühlte ich mich auch beim Lesen. Erst das Ende, wo es um den Kampf zwischen Robert Schumann und Claras Vater geht, konnte mich wieder richtig fesseln und die letzten 100 Seiten hatte ich im Nu gelesen. Hier erwacht nämlich endlich Claras eigener Wille und sie nabelt sich von ihrem Vater ab. Gezwungenermaßen, denn dieser ist natürlich enttäuscht darüber, dass Clara plötzlich eigene Ziele verfolgt.

Insgesamt halte ich das Buch für geeignet, um sich an die Person Clara Schumann anzunähern und sie kennenzulernen. Das Buch wirkt historisch korrekt ohne zu überladen zu sein, ist im Tempo jedoch eher gemäßigt und ruhig. Ich fand es angenehm zu lesen, große Begeisterungsstürme löste es bei mir jedoch nicht aus. Ich vergebe daher 3 von 5 Wolken.

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