Mittwoch, 11. Mai 2016

Eine kleine Bibliotheksgeschichte

Beim Gemeinsamen Lesen am Dienstag ging es ja um Bibliotheken und ich habe in diesem Zusammenhang kürzlich etwas erlebt, das ich gerne noch mit euch teilen würde.

Letzte Woche war ich in der hiesigen Uni-Bibliothek, da ich den Jugendroman Tschick ausleihen wollte, der in einem Seminar von mir Thema ist. Wir werden das Theaterstück besuchen und ich würde es vorher - natürlich - gerne lesen. Der Online-Katalog sagte mir, das Buch sei verfügbar - allerdings befand es sich nicht an seinem Platz im Regal. Ich ging also zum Schalter und stellte einen Suchauftrag. Dabei kam ich mit der Bibliothekarin ins Gespräch. Sie erzählte, dass sie das Buch kenne, da ihre Söhne es in der Schule lesen mussten. Sie habe daher mehrere Exemplare zu Hause und könne mir gerne eins leihen, falls das Bestandsexemplar nicht mehr auftauchen sollte. Das sagte wohlgemerkt eine völlig Fremde zu mir! Ich dachte, das sei nur eine nette Geste von ihr, die sie vergessen haben würde, sobald sie zu Hause war. Wir trafen auch keine konkrete Abmachung, da ich zu dem Zeitpunkt nicht genau sagen konnte, wann ich wieder in die Bibliothek kommen würde, und ich dachte nicht weiter daran. Bestimmt würde das Buch auch irgendwo gefunden werden.

Gestern war ich dann wieder dort. Ich fragte am Schalter, wo an diesem Tag jemand anderes saß, nach dem Ergebnis des Suchauftrags. Negativ - das Buch blieb verschwunden. Da erinnerte ich mich an das Gespräch der vergangenen Woche. Vielleicht hatte die Bibliothekarin ja doch daran gedacht? Ich fragte also nach der Kollegin mit dem französischen Akzent (Namen und Gesichter kann ich mir nie merken, daher war ich sehr froh über dieses Merkmal ^^) und bekam die Auskunft, dass sie unten sei. Dort fand ich sie auch und sie erinnerte sich an mich. Und dann kam der Hammer: sie hatte das Buch tatsächlich dabei! Sie holte es kurz aus dem Pausenraum der Angestellten und lieh es mir. Einfach so. Einer völlig Fremden. Natürlich ist das Buch nicht von großem materiellen Wert und sollte ich nie wieder auftauchen, wäre es kein großer Verlust für sie. Mir geht es mehr um diese freundliche Geste, die heutzutage viel zu selten geworden ist. Ich werde ihr das Buch natürlich auf jeden Fall zurückgeben - vielleicht sogar mit einem kleinen Dankeschön ;)

Kommentare:

  1. Das ist wirklich lieb :) Man hat dir bestimmt angesehen, dass du nichts böses mit dem Buch willst :D
    Aber das ist echt ziemlich cool.

    Liebst, Lara.

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  2. Hallo, :)
    das ist wirklich toll von der Bibliothekarin gewesen. :) So was erlebt man heutzutage wirklich leider viel zu selten.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen dieses besonderen Exemplars. :)

    Liebe Grüße,
    Marina

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  3. Hallo, Jacy!
    Ich liebe Bibliotheksgeschichten. Und Geschichten hinter den Geschichten. :)
    Das ist wirklich nett von der Büchereidame gewesen. Bücher verleihen ist ja bei einem Büchersüchtigen oftmals ein heikles Thema, deshalb ist es irgendwie noch netter.
    Schön, dass du das Erlebnis mit uns geteilt hast. Ich hoffe, du hast Freude mit dem Buch. Oder hattest. (Weil ich da drüben gerade sehe, dass du es schon fertig hast.)
    LG, m

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)