Samstag, 25. Juni 2016

"Der Sommer mit Pippa" von Britta Sabbag

""Du isst erst deinen Teller auf, dann kannst du nach draußen spielen gehen." Der Blick meiner Mutter streifte mich kurz und mahnend, dann stand sie vom Tisch auf, strich ihre geblümte Küchenschürze glatt, krempelte sich die Blusenärmel hoch und machte sich an den Abwasch. "Mann kann den Teller nicht essen", verbesserte ich sie murrend mit Blick auf eine viel zu große Portion Erbsen und Mähren. Es kam mir wie eine ganze Armada Erbsen und Möhren vor."


"Der Sommer mit Pippa" von Britta Sabbag

Verlag: Rowohlt (2007)
Format: TB, 316 Seiten
ISBN: 978 3 499 27107 6
Preis: 9,99 € [D] 

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Inhalt


Sarah hat alles, was sie sich wünschen kann: einen erfolgreichen Job, Geld und einen ebenso erfolgreichen Verlobten. Nur die Traumhochzeit fehlt noch, doch diese scheint daran zu scheitern, dass Sarah keine Freundinnen hat, von denen sich eine als Trauzeugin eignen würde. Die alternative - die biestige Schwiegermutter - will sie auf jeden Fall vermeiden. Da trifft sie auf die toughe Automechanikerin Pippa, die ihr Leben gehörig auf den Kopf stellt und ihr völlig neue Perspektiven eröffnet.

Meine Meinung


Dieses Buch habe ich im Rahmen von Lottas Aktion Ein Buch voller Gedanken gelesen und ich habe mich dafür beworben, weil die Story mich wirklich angesprochen hat. Eine Braut mit Kontrollzwang und ohne Freundinnen, die auf auf eine toughe und unkonventionelle Automechanikerin trifft. Aus der Geschichte hätte man etwas machen können. Leider hat Sabbag diese Chance verpasst.

Der Roman beginnt vielversprechend mit einem Rückblick auf Sarahs Kindheit sowie eine kurze Bestandsaufnahme ihres gegenwärtigen Lebens. Sie hat es geschafft, vom Provinzmädchen zur mondänen Anwältin zu werden und hat alles erreicht, was sie wollte. Nur die Hochzeit fehlt noch, doch glücklicherweise macht ihr ebenso perfekter Freund ihr endlich einen Antrag. Dieser Antrag ließ meine Euphorie bezüglich des Buches sofort schlagartig sinken, und von da an ging es nur noch bergab.

Die Charaktere sind durch die Bank überzogen und ihre Eigenschaften total klischeehaft. Leider scheint es sich bei dem Roman aber keineswegs um Satire zu handeln - der Autorin scheint es völlig ernst mit ihren Figuren zu sein. Aber wirklich: eine Bauerstochter, die jetzt eine stinkreiche, aber in privaten Dingen scheinbar blinde Anwältin ist; ein ekelhafter und schmieriger, aber ebenso reicher Verlobter; der böse Schwieger-Tiger, der immer an erster Stelle steht und die zukünftige Schwiegertochter schikaniert, wo es nur geht und eine Automechanikerin mit Dreadlocks, die chronisch pleite ist und Kontakte zu zwielichtigen Geschäftsmännern pflegt - ich war immer mal wieder kurz davor, das Buch an die Wand zu pfeffern. Und je mehr ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, desto wütender werde ich.

Alles ist so dermaßen an den Haaren herbei gezogen und vorhersehbar und was nicht vorhersehbar war, ist absolut absurd (so zum Beispiel die Art und Weise, wie Sarah ihrer neuen Freundin am Schluss hilft). Vieles erinnerte mich außerdem zu sehr an Pretty Woman, wobei die Story im Film im Gegensatz hierzu Stil hat. Keiner der Charaktere hat sich meine Sympathie verdient. Nicht einmal Pippa, auf die ich mich so gefreut hatte. Stattdessen konnte ich mir nur immer wieder an den Kopf fassen vor so viel unfassbarer Dummheit. Sarah hat in der Hinsicht den ersten Preis erlangt - die Geschichte hätte schon nach einem knappen Drittel vorbei sein können, wenn sie einfach mal einen Blick über den Tellerrand geworfen hätte. Aber selbst, als auch dem letzten klar geworden sein müsste, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, plant sie noch munter ihre Traumhochzeit.

Wie ihr seht habe ich leider wirklich so gut wie nichts Positives über diesen Roman zu sagen. Nur das Cover ist hübsch. Und die Idee. Und der Titel kommt ein- oder zweimal im Buch vor, was ich immer sehr mag. Ich gebe dem Buch 2 von 5 Trostwolken, weil man es, wenn man es als Satire betrachtet und sich an der Dummheit anderer Menschen erfreuen will, ohne größere Schäden davon zu tragen lesen kann. Jedem, der eine etwas anspruchsvollere Geschichte erwartet und wie ich sensibel auf derartige Geschlechterstereotype reagiert, dem rate ich von der Lektüre dieses Buches ab. Außer natürlich im Falle meiner beiden nachfolgenden Leserinnen, die wie ich auch ihre Gedanken direkt ins Buch schreiben werden. Ich bin auf unser abschließende Meinung gespannt, die im Sommer dann irgendwann bei Lotta veröffentlicht werden wird.

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