Dienstag, 26. Juli 2016

Gemeinsam Lesen #27 - Geschichte des Fräuleins von Sternheim

Jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher

Ohne viele Worte geht es heute gleich zur Sache ;)

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese die Geschichte des Fräuleins von Sternheim von Sophie von La Roche und bin bei 21 %.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

"Alles, was Sie in meinem letztern Briefe gesehen haben, ist, da? Mylord Seymour seine beste Freundin in mir gefunden hat; und mein lieber Pflegevater betet für mich, weil es für menschliche Kräfte das einzige ist, das man nun für mich tun kann."

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich habe mich eben auf Instagram schon darüber aufgeregt, dass ich von Sophie von La Roche noch nie in meinem Leben gehört habe - weder in der Schule, noch während meines Studiums - obwohl sie eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen des 18. Jahrhunderts ist und zudem die erste Frau Deutschlands, die vom Schreiben leben konnte. Wie kann es sein, dass stets nur Männer genannt werden, wenn man nach Schriftstellern und Werken verschiedener Epochen oder auch nach Komponisten fragt? Ich bin jedenfalls froh, dieser außergewöhnlich talentierten Frau endlich "begegnet" zu sein.

Ich muss jedoch dazu sagen, dass es nicht in erster Linie der Inhalt dieses Buches ist, der mich fasziniert. Obwohl sie mit Sophie eine starke und intelligente junge Frau geschaffen hat, bewegt sie sich im damals üblichen gesellschaftlichen Rahmen der Konventionen. Auch die Frauenzeitschrift, die La Roche später herausgibt, ist alles andere als revolutionär zu verstehen, denn La Roche lehnte gelehrte Bildung für Frauen ab und predigt "eine Erziehung der Mädchen auf den Mann hin, zur zukünftigen Ehefrau und Mutter."1 Trotzdem sei ihr Werk als Fortschritt zu verstehen.

Was ich jedoch so faszinierend finde, ist die Art, wie La Roche schreibt. So verwendet sie Stilmittel, die teilweise zu jener Zeit noch unbekannt waren. Es handelt sich bei Geschichte des Fräuleins von Sternheim um einen Briefroman, dennoch gibt es eine Erzählerstimme, die einleitende Worte zu den Briefen anführt. Briefe unterschiedlicher Verfasser weisen völlig unterschiedliche Schreibstile auf, so dass das Buch überraschend vielschichtig und mehrdimensional ist. Auch die Charaktere können dadurch besonders gut geformt werden. Die Psychologisierung der Romanfiguren, die bis dahin in deutschen Romanen wohl völlig unbekannt war, setzte völlig neue Impulse für kommende Werke deutscher Literatur.2

Ich bin noch nicht besonders weit gekommen, aber jetzt schon fasziniert von La Roches Talent. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, denn Inhaltsangaben zufolge wird es noch äußerst dramatisch zugehen.

4. Bekommt ein pausiertes oder abgebrochenes Buch bei dir noch mal eine Chance?

Abgebrochene Bücher bekommen bei mir in der Regel keine zweite Chance, denn ich habe sie mit gutem Grund abgebrochen. Es wäre zwar theoretisch schon möglich, dass sie mir Jahre später doch gefallen, aber meistens halten mich dann die schlechten Erinnerungen an das entsprechende Buch von einem weiteren Versuch ab. Pausierte Bücher lege ich zwar stets mit dem Gedanken weg, dass ich bald weiterlesen werde, doch eigentlich ist das sehr selten der Fall. Bei solchen Büchern ist es so, dass ich sie zwar ganz gut finde, eine Durststrecke aber nicht länger aushalten kann. Auch dieses Wissen blockiert mich, wenn ich später daran denke, weiterzulesen. Außerdem habe ich dann meist bereits vergessen, was bisher geschah, und so verstaubt das Buch dann doch im Regal. Daher lese ich Bücher normalerweise auch am Stück und breche nur selten eines ab - ich kenne mich einfach zu gut.


1Maurer, Doris: Porträt. Keiner konnte sich der Tränen enthalten. In: DIE ZEIT. 08.02.2007. http://www.zeit.de/2007/07/A-La-Roche 
2https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Fr%C3%A4uleins_von_Sternheim

Kommentare:

  1. Hey,

    ich habe auch noch nie von La Roche gehört, von daher kann ich deine Frustration verstehen... ich weiß nicht, ob es ein Buch nach meinem Geschmack wäre, aber du beschreibst es auf jeden Fall sehr gut und machst neugierig ;) Ich hoffe, du wirst weiterhin Spaß an dem Buch haben.
    Die Idee, dass Bücher mir "Jahre später" gefallen könnten, ist der Grund, warum ich meinen abgebrochenen Büchern noch eine Chance geben will - irgendwann. Mein letzter Abbruch ist aber auch schon ein paar Jahre her...
    Unser Beitrag

    Liebe Grüße,
    Kerstin

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  2. Hallo Jacy, :)
    da kann ich gut verstehen, dass du dich aufgeregt hast. Ich habe auch noch nichts von dem Buch gehört. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim Lesen. :)
    Bei Frage 4 sehe ich das ganz genauso. Gerade bei den abgebrochenen Büchern kann ich keine zweite Chance geben, weil der Grund für den Abbruch in meinem Gedächtnis verankert ist.^^

    Liebe Grüße
    Marina

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  3. Hi Jacy :)

    Sophie von La Roche kenne ich auch nicht. Da gebe ich dir Recht: Es ist wirklich schade, dass man von ihr noch nichts gehört hat, gerade, wenn sie eine berühmte Schriftstellerin des 18. Jahrhunderts war.
    Dein Buch klingt außergewöhnlich und interessant, ich wünsche dir noch viel Spaß beim Lesen! :)

    Liebe Grüße
    Nicole

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)