Donnerstag, 1. September 2016

"Die Wächter von Avalon. Die Prophezeiung" von Amanda Koch

"Esmeralda saß auf der Terrasse und schloss die Augen. Es war noch früh am Morgen und die Sonnenstrahlen fielen matt schimmernd durch die grünen Blätter hindurch auf die Erde. Der nahegelegene Wald duftete bereits nach dem beginnenden Sommer in England und Esmeralda spürte die Wärme der Junisonne auf ihrem Gesicht. Vom See wehte leise ein Windhauch herüber und verfing sich in ihrem langen kastanienbrauenen Haar, das ihr lässig über die Schulter fiel und ihr Gesicht umspielte."

"Die Wächter von Avalon. Die Prophezeiung" von Amanda Koch

Verlag: Familia (2013)
Format: HC, 409 Seiten
ISBN: 978-3-943987-14-0
Preis: 16,95 € [D] 

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Inhalt


Esmeralda hat schon früh gespürt, dass sie anders ist. Ihre Familie ist ihr fremd und sie fühlt sich, als gehöre sie nicht in diese Welt. Dieses Gefühl verstärkt sich, als sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder Urlaub im Ferienhaus der Familie macht. Auf dem Dachboden stößt sie auf alte Fotos, die ihr Rätsel aufgeben und als schließlich der mysteriöse Raven und seine Geschwister auftauchen steht endgültig fest, dass sich etwas in Esmeraldas Leben ändern wird. Denn das magische Land Amaduria wird von einst verbannten Dämonen bedroht und damit schwebt auch die Insel Avalon mit all ihren Bewohnern in größter Gefahr. Werden Esmeralda und Raven den Kampf gewinnen können?


Meine Meinung


Schon als Teenager war ich von der mystischen Insel Avalon fasziniert. Den Film Die Nebel von Avalon kannte ich auswendig und kürzlich habe ich dann auch das gleichnamige Buch gelesen. Als mir der Familia-Verlag dann dieses Buch zur Rezension anbot, war ich sofort interessiert, was die Autorin für eine Geschichte rund um die Insel gewebt hat.

Das Buch beginnt wie viele Jugend-Fantasy-Romane: Ein junges Mädchen auf der Schwelle zum Erwachsensein beginnt, an ihrem Weg zu zweifeln. Sie fühlt sich, als gehöre sie nicht zu dieser Welt - eine Ahnung, die sich dann auch bald bestätigt, als sie dem jungen Raven begegnet, den man für tot gehalten hatte. Raven und seine Geschwister sind dazu auserkoren, zu Wächtern geweiht zu werden und fortan gegen die Dämonen zu kämpfen, die das mystische Land Amaduria bedrohen. Und zwischen Esmeralda und Raven besteht ein ganz besonderes Band, das beide vom ersten Augenblick ihrer Begegnung spüren.

Die Story rund um Raven und seine Geschwister ist schlüssig und Koch wob viele vergangene Generation mit hinein. Am Ende des Buches gibt es sogar einen mit Jahren verstehenen Stammbaum, der bis zu Merlin zurückreicht und zeigt, wie genau Koch es mit der Planung dieser Geschichte genommen hat. Ich fand es spannend zu sehen, wie sich alles entwickelt hat - dass es nie mehr als zwei Wächter gegeben hat und dass jetzt, da erneut dämonische Gefahr droht, die bedrohlicher ist als je zuvo vier Anwärter gibt. (Obwohl ich nicht ganz verstanden habe, wie diese erneute Bedrohung durch die Dämonen möglich ist, aber das sei mal dahingestellt) Auch das Detail, das Wächter bei ihrer Weihe mit einem ihrer Vorfahren in Kontakt treten, hat mir sehr gut gefallen.

Die Charaktere selbst empfand ich hingegen als nicht besonders gut ausgearbeitet. Im Grunde erlangt man nur von Esmeralda ein umfassendes Bild, denn sie ist quasi der Kern des Romans. Auch Raven ist sehr präsent, jedoch blieb er in meinen Augen eher blass. Die anderen sind die meiste Zeit einfach nur da und werden nur ab und zu mit ein paar beschreibenden Worten ausgemalt. Insgesamt bleiben alle jedoch dem ein oder anderen Klischee verhaftet: Esmeralda, in der menschlichen Welt innerlich zerrissen, in der magischen Welt plötzlich jemand, auf dem die Hoffnung aller ruht; Raven, ebenfall vom Schicksal mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und damit quasi der Kopf der Geschwister, dessen Kräfte jedoch durch seine Liebe zu Esmeralda geschwächt werden... Dann ein alter und weiser Großvater, der alles zusammenhält, ein paar Dämonen und ein Mädchen, das sich von diesen hat umgarnen lassen und dadurch zur Gefahr für alle wird...

Ich finde, dass Jugendbücher sich einiges erlauben dürfen, was ich an anderen Roman kritisieren würde, daher konnte ich über manches - wie zum Beispiel die eher blassen Nebencharaktere - noch einigermaßen hinwegsehen. Woran ich mich jedoch gar nicht gewöhnen konnte war der Schreibstil. Koch bevorzugt kurze und prägnante Sätze, was auf mich jedoch abgehackt und steif wirkte. Vor allem in rasanten Szenen bremste das meinen Lesefluss so sehr, dass ich mich stellenweise kaum noch auf das Geschehen konzentrieren konnte. Desweiteren versanden begonne Gespräche häufig, weil Koch die Charaktere oft nicht auf zuvor Gesagtes eingehen lässt. Dadurch entstehen unangenehme Lücken und das Gefühl, dass beim Schreiben gehetzt wurde. Außerdem gab es den ein oder anderen Schnitzer bezüglich des Wortschatzes, zum Beispiel wenn von "das Schild" anstelle von "der Schild" die Rede ist.

Aufgrund dieser Kritikpunkte nahm mein Interesse für das Buch leider von Kapitel zu Kapitel immer mehr ab. Am Anfang war ich noch gefesselt von der Geschichte, wollte erfahren, warum Esmeralda sich so zerrissen fühlt und was mit Raven und seiner Familie geschehen war. Nachdem jedoch all diese Rätsel gelöst waren und es um die Bekämpfung des Feindes ging, war bei mir die Luft raus. Von da an wurde es für meinen Geschmack zu vorhersehbar, zu klischeehaft und schlicht und einfach langweilig. Schade!

Für mein Gefühl hatte auch Avalon einen zu geringen Stellenwert, was meine Erwartungen stark enttäuschte. Tatsächlich steht das Land Amaduria im Mittelpunkt, und zu diesem gehört Avalon. Zwar werden dort auch bei Koch Priesterinnen ausgebildet und Weihungen vorgenommen und Avalon ist auch der Ausgangspunkt für den zu lösenden Konflikt, dennoch war die Insel nicht allgegenwärtig, was ich sehr schade fand. Vielleicht rückt sie in den Folgebänden stärker in den Fokus, doch ich momentan reizt es mich nicht, den zweiten Teil zu lesen, um es herauszufinden.

Gefühlt würde ich gerne 2,5 Wolken vergeben, doch diese Bewertung gibt es auf meinem Blog nicht. Weil mir das Buch anfangs sehr gefallen hat und ich auch die Arbeit, die allein der Stammbaum gemacht hat, würdigen möchte, runde ich auf und vergebe 3 von 5 Wolken. Vielen Dank an den Familia-Verlag für den netten Kontakt und die Zusendung des Rezensionsexemplars und der buchigen Kleinigkeiten.

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