Freitag, 21. Oktober 2016

"Bluescreen" von Dan Wells


"Bluescreen" von Dan Wells

Verlag: Piper (2016)
Format: TB, 364 Seiten
ISBN: 978-3-492-28021-1
Preis: 12,99 € [D] 
Originaltitel: Bluescreen (2016)
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski

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Inhalt


Los Angeles im Jahre 2050. Die siebzehnjährige Marisa lebt in einer Welt, in der man mittels eines Anschlusses im Kopf, eines Djinnis, immer und überall mit dem Netz verbunden sein kann. Emails, Recherche, Musik und Werbung - alles kann mit einem Wimpernschlag aufgerufen oder geschlossen werden. Ein Leben außerhalb dieser virtuellen kann Marisa sich nicht mehr vorstellen. Doch dann kommt die Droge Bluescreen auf den Markt, die einen mit Sinneseindrücken überflutet und dann für kurze Zeit ohnmächtig werden lässt. Was wie ein spaßiger Kick klingt, entpuppt sich jedoch schnell als gefährliche Waffe und für Marisa und ihre Freunde beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.


Meine Meinung


Dieses Buch gehört zu denen, die ich sehe und sofort haben möchte. Dank des Piper-Verlages hielt ich auch kurz darauf bereits mein eigenes Exemplar in den Händen und las es innerhalb von zwei Tagen durch.

Wie einigen anderen, deren Buchbesprechung ich las, fiel auch mir der Einstieg etwas schwer. Ich bin kein völliger Neuling auf dem Gebiet der Coop-Shooter, dennoch konnte ich der anfänglichen Kampfszene nicht immer folgen. Auch die Kapitel danach, in denen Marisa, ihre Freunde und ihre Familie vorgestellt werden und in denen die Gesellschaft, in der sie leben, umrissen wird, zogen sich für mein Empfinden ein wenig in die Länge. Zudem hatte ich teilweise Probleme mit den vielen spanischen Begriffen, die Wells wie selbstverständlich in die Dialoge einbringt, ohne dass sie direkt erläutert werden. 

Mit Marisas Clique hat Wells eine angenehm heterogene Gruppe geschaffen. Sie umfasst Mitglieder verschiedener Gesellschaftsschichten und vieler verschiedener Nationalitäten - Amerikaner, Mexikaner, Chinesen, Deutsche - und schließt Menschen mit Handicap ganz selbstverständlich mit ein. Seit einem Autounfall besitzt Marisa anstatt eines Armes eine bionische Nachbildung, was sowohl in der Gruppe als auch der Gesellschaft nicht als Abnormität gilt. Ungewöhnlicher erscheint hingegen Marisas Freund Bao. Dieser ist einer der wenigen Menschen, der sich kein Djinni, eine Buchse, durch die sich das Gehirn direkt mit dem Internet verbinden lässt, hat implantieren lassen. Er kann nur mittels Handy und Tablet ins Internet gelangen. Auch mit dem Vorurteil, Frauen könnten mit Technik und Gaming nicht viel anfangen, hat Wells dankenswerter Weise radikal aufgeräumt. Marisa und ihre Freundinnen bilden eine bekannte und erfolgreiche Spielermannschaft und beeindrucken ihre männlichen Freunde immer wieder mit ihrem umfassenden Hackerwissen.

Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass Wells Szenario gar nicht so weit von unserer heutigen Konsumgesellschaft entfernt ist. Nicht nur zeitlich, sondern vor allem technologisch und mental. Wir sind immer und überall erreichbar und können von unterwegs alles erledigen, was wir brauchen. Es gibt kaum einen Tag, an dem wir nicht online sind und fehlendes Internet kommt fast schon dem Weltuntergang gleich. Im Bus oder in der Bahn kommunizieren wir nicht mit den Menschen, die direkt neben uns sitzen, sondern mit Freunden, die vielleicht hunderte Kilometer entfernt sind. Und wenn dann mal jemand kein Smartphone sondern nur ein Handy besitzt, wird er komisch angeschaut. Zudem wird thematisiert, das Roboter die Menschen zunehmend aus ihren Arbeitsplätzen verdrängen und somit Arbeitslosigkeit und Armut schaffen. Auch das geschieht heute schon bei uns. Doch die moderne Technologie macht uns auch angreifbar, wie Viren und Hackerangriffe immer wieder beweisen.

Diese Bedrohungen hat Wells in der Droge Bluescreen kombiniert, durch die die Menschen zu willenlosen Mariotten werden und die von Anja, Marisas Freundin, Besitz ergriffen hat. Doch wer könnte daran Interesse haben? Das versuchen Marisa und ihre Clique herauszufinden. Rasant und temporeich führt Wells durch seine Geschichte und verblüfft immer wieder mit raffinierten technologischen Tricks und Ideen, die zur Rettung aus brenzligen Situationen führen. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen und bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil. Dieser erste Band ist zwar in sich geschlossen, legt am Ende aber den Grundstein für ein weiteres Abenteuer in der Mirador-Welt.

Ich vergebe 5 von 5 Wolken für diesen faszinierenden und nachdenklich stimmenden Sci-Fi-Roman. Vielen Dank an den Piper Verlag für die freundliche Zusendung des Rezensionsexemplars.

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