Mittwoch, 14. Dezember 2016

"Im Sommer wieder Fahrrad" von Lea Streisand


"Im Sommer wieder Fahrrad" von Lea Streisand

Verlag: Ullstein (2016)
Format: HC, 270 Seiten
ISBN: 978-3-550-08130-9
Preis: 20,00 € [D] 

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Inhalt


Dass das Leben ihrer Großmutter faszinierend ist, weiß Lea schon, seit sie ein Kind ist. Sie hat auch schon mit dem Gedanken gespielt, ihre Geschichte aufzuschreiben, doch erst, als sie mit gerade dreißig Jahren an Krebs erkrankt, wendet sie sich ernsthaft diesem Projekt zu und schöpft aus den Erlebnissen ihrer Großmutter die Kraft, gegen den Krebs anzukämpfen. "Im Sommer wieder Fahrrad" erzählt die Geschichte zweier starker, mutiger Frauen aus zwei verschiedenen Generationen.


Meine Meinung


Bücher über den Krebs gibt es viele (was nicht wertend gemeint ist), doch mir ist noch keines begegnet, das gleichzeitig historisches Zeugnis ablegt und zwei Generationen miteinander verbindet.

Lea Streisand ist gerade dreißig Jahre, als sie die schreckliche Diagnose bekommt: Krebs. Sie fällt aus allen Wolken, was ich, die ich fast im selben Alter bin, sehr gut nachvollziehen kann. Offen schreibt die Autorin davon, welche Ängste sie ausgestanden hat, von ihren Geldsorgen und dem Moment, als ihr die ersten Haare ausfallen. Sie schreibt von der Belastung für ihre Beziehung und von den Strapazen im Krankenhaus. Sie beschönigt nicht, fordert jedoch auch kein Mitleid vom Leser. Ihre Geschichte ging mir sehr nahe und ich bewundere sie für ihren Mut und ihre Stärke, sich der Krankheit entgegenzustellen.

Doch ihre Geschichte ist nicht die einzige, die in diesem Buch erzählt wird. Streisand lässt uns an ihren Erinnerungen an die Erzählungen ihrer Großmutter, der Schauspielerin Ellis Heiden, teilhaben, Diese sind geprägt von Krieg, Angst und Armut, jedoch auch von humorvollem Pragmatismus, zahlreichen Liebschaften und der Fähigkeit, aus jeder Situation das Beste zu machen. Ergänzt werden die "mündlichen Überlieferungen" durch Briefe und Tagebücher, die Streisand im Nachlass der Großmutter gefunden hat. Dadurch ergibt sich ein Zeitzeugnis ganz anderer Art, das das Leben im vom Krieg geprägten Deutschland beziehungsweise der DDR aus einer anderen Perspektive zeigt.

Streisands Schreibstil ist sehr authentisch und sie spart nicht mit Humor und Selbstironie, sodass dem Buch trotz der schwierigen Thematik eine angenehme Leichtigkeit innewohnt. Obwohl wir sie auch durch ihre dunkelsten Zeiten begleiten, wird das Buch nicht zu schwermütig, was Streisand auch dadurch zustande gebracht hat, dass sie ihre eigenen Erfahrungen mit denen ihrer Großmutter vermischt. Die Übergänge hierbei sind fließend, ganz so, als begleiteten wir die Autorin tatsächlich dabei, wie sie sich durch den Berg von Erinnerungen gräbt, die durch Begebenheiten in der Gegenwart initialisiert werden.

Durch den ständigen Wechsel zwischen den Geschichten kommt gut zur Geltung, wie sehr sich das Frauenbild im Laufe der Jahre gewandelt hat, oder überhaupt die Erwartungen an das Leben. Streisands Großmutter hat dafür gekämpft, ihr Leben selbstbestimmt führen zu dürfen, was ich sehr sympathisch fand. Überhaupt mochte ich beide Protagonistinnen gerne und konnte mich gut in sie hineinversetzen. In Streisand selbst vielleicht ein wenig mehr, da sie mir in Lebensumständen und Zeit näher ist. Auch die Nebencharaktere sind dreidimensional gezeichnet - ihr Freund Paul, ihre Mutter, die Ärzte, ... - sodass ich mich nicht selten fühlte, als stünde ich mitten im Raum.

Im Sommer wieder Fahrrad ist ein ehrliches und hoffnungsvolles Buch über das Kranksein, das Gesundwerden, über das Lieben und Leben. Ich habe es gerne gelesen und vergebe 4 von 5 Wolken. Vielen Dank an den Verlag und das Team von Vorablesen für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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