Freitag, 30. Dezember 2016

"Under Ground" von S.L. Grey


"Under Ground" von S.L. Grey

Verlag: Heyne (2016
Format: TB, 383 Seiten
ISBN: 978-3-453-43810-1
Preis: 12,99 € [D] 
Originaltitel: Titel (2006)

☁ ☁ ☁

Inhalt


Die drohende Apokalypse treibt eine Gruppe von Menschen in einen Luxusbunker. Dort glauben sie sich in Sicherheit, doch die Gefahr lauert direkt unter ihnen...

Meine Meinung


Ich habe mich sehr gefreut, als ich dieses Buch vom Verlag zugeschickt bekommen habe. Ich liebe Endzeitthriller und Under Ground klang sehr vielversprechend. Leider enthält es viel weniger Endzeit als erwartet...

Ich dachte, dass mit den Worten "Doch der schlimmste Feind lauert bereits unter ihnen" im Klappentext das Virus gemeint ist, vor dem die Bunkerbewohner flüchten, und das dann doch irgendwie seinen Weg in den Bunker findet. Doch dem ist nicht so - tatsächlich bekommen Militär und Mediziner das Virus kurz nach dem Einzug der Familien in den Bunker wieder unter Kontrolle und die Bunkerbewohner sowie die Leser bekommen davon gar nichts mehr mit. Stattdessen kommen die Bewohner aufgrund weitreichender sicherheitstechnischer Mängel nicht mehr an die Oberfläche, eine Panne folgt der nächsten und schließlich sind sie ganz von der Außenwelt abgeschnitten. Und als dann ein Toter gefunden wird, muss davon ausgegangen werden, dass ein Mörder unter ihnen ist...

Dass es jetzt doch weniger Endzeit ist, als gedacht, darüber hätte ich noch hinwegsehen können. Doch leider konnte mich die Story dennoch nicht überzeugen, was zum Großteil an den Charakteren lag. Es war im Grunde keiner darunter, der mir sympathisch gewesen wäre oder mit dem ich mich auch nur halbwegs hätte identifizieren können, schon gar nicht unter den überwiegend schwachen Frauenfiguren. Das ist aber eigentlich auch kein Wunder: die Bewohner des Bunkers sind allesamt neureiche Emporkömmlinge, die sich von den Versprechungen des Inhabers haben einlullen lassen und versucht haben, sich ihr Leben mit Geld zu erkaufen. Kaum einer von ihnen denkt an die anderen Menschen, Freunde und Bekannte, sondern nur um sich und die vermeintliche Sicherheit, die mit Geld scheinbar zu kaufen ist - doch dass dem nicht so ist, sollte eigentlich selbst ein Blinder sehen können, immerhin dürfen alle Mieter einfach so in den Bunker spazieren, ohne dass Quarantänemaßnahmen getroffen werden. 

Es passt daher vielleicht auch, dass alle sich nahezu genauso verhalten wie zuvor, nachdem feststeht, dass sich ein Mörder unter ihnen befindet. Ich hätte mich eingeschlossen und keinen Fuß mehr vor die Wohnungstür gesetzt, doch alle anderen machen einfach munter weiter und spazieren mitten in der Nacht alleine durch die Anlage. Sie ergehen sich in gegenseitigen Verdächtigungen und Schuldzuweisungen und natürlich kommt so auch der Leser darüber ins Grübeln, was dort unten vor sich gehen könnte. Es wird mit Klischees und Vorurteilen gespielt, doch wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht auf diese hereingefallen. Gut, der Schuldige war dann doch jemand anderes, als ich dachte (wobei es mir zuletzt ehrlich gesagt auch egal war), aber so viele Möglichkeiten hat es dann eigentlich auch nicht mehr gegeben.

Das Wer-ist-der-Mörder-Spiel kommt durch die kapitelweise wechselnden Perspektiven sehr gut zu Geltung. In jedem Kapitel wird jemand anderes vom Autorenteam begleitet, die Sprache und die Gedanken sind an die jeweilige Persönlichkeit angepasst. Nur Gina, die Tochter eines Mieters, erzählt ihre Erlebnisse aus der Ich-Perspektive, was ich seltsam finde und was meiner Meinung nach eher störend ist. Insgesamt konnte mich das Buch aber nicht packen, die Schicksale ließen mich eher kalt und es war mir, wie gesagt, am Ende fast schon egal, wer denn nun ein falsches Spiel gespielt hat und vor allem, warum. Under Ground ist ein nettes Buch für zwischendurch, das mich inhaltlich enttäuscht hat, für das richtige Klientel aber durchaus reizvoll sein kann. Ich vergebe 3 von 5 Wolken.

Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

Kommentare:

  1. Hi,

    das ist nun schon die zweite Rezension, die ich gefunden habe, wo der Leser nicht so besonders angetan war vom Buch.
    Normalerweise mag ich sowohl die Endzeit Thematik, als auch die "Kleine Gruppe auf engem Raum" Geschichte, aber in diesem Fall sehe ich schon, dass es zu viele Dinge gäbe, die ich nicht mag und dir mir ein Buch verleiden würden.

    Daher lasse ich mal lieber die Finger vom Buch. Danke für die ausführliche Rezension.

    LG
    Ina

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    1. Ich an sich auch! Aber irgendwie war es von beidem nichts richtig... schade, man hätte sicherlich mehr draus machen können.

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)