Montag, 2. Januar 2017

"Anders" von Anita Terpstra


"Anders" von Anita Terpstra

Verlag: Blanvalet (2016)
Format: TB, 383 Seiten
ISBN: 978-3-7341-0257-8
Preis: 9,99 € [D] 
Originaltitel: Anders (2014)

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Inhalt


Sechs Jahre sind vergangen, seit der damals elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Kurz darauf wird die Leiche das anderen Jungen gefunden, doch Sander bleibt verschwunden - bis sich eines Tages ein junger Mann bei der Familie meldet und behauptet, Sander zu sein. Alle freuen sich, den totgeglaubten Sohn und Bruder wieder bei sich zu haben, doch allmählich entstehen auch Zweifel. Ist der junge Mann wirklich Sander? Und was ist in der verhängnisvollen Nacht wirklich geschehen?


Meine Meinung


Für (Psycho)Thriller konnte ich mich bisher nicht wirklich begeistern, doch vor einiger Zeit hat mich dann doch plötzlich die Lust darauf gepackt, sodass ich mich auf die Suche nach einem passenden Buch begab. Anders hat mich sowohl durch das Cover als auch durch den Klappentext sofort angesprochen und es hat sich dann auch als perfektes Buch für den Einstieg in die Welt der Thriller entpuppt - zumindest denke ich das, da ich ja noch nicht so viel Erfahrung mit dem Genre habe.

Bei Anders handelt sich um einen ruhigen und unblutigen Thriller, der jedoch mit viel Tiefgang und Gefühlsachterbahn aufwarten kann und mir den ein oder anderen Schauer über den Rücken gejagt hat. Ich konnte mich leicht in die Charaktere hineinversetzen, vor allem in die Mutter, und die Zerrischenheit der Familie sehr gut nachvollziehen: Einerseits die Freude über die Rückkehr des verlorenen Sohnes, andererseits die Zweifel an seiner Identität und die vielen Fragen über die vergangenen Jahre. Mir war schnell klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Vor allem das Verhalten der großen Schwester warf Fragen auf, die ich unbedingt geklärt haben wollte, weshalb ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Obwohl natürlich die Frage, wie und wo Sander die letzten Jahre verbracht hat, zunächst im Vordergrund steht, spielt Terpstra im Verlauf des Romans zunehmend mit der Frage, was für ein Mensch Sander vor seinem Verschwinden gewesen ist. In diesem Zusammenhang fand ich es faszinierend zu sehen, wie sehr Eltern manchmal ihre Augen verschließen vor dem, was eigentlich offensichtlich ist, und wie wenig sie doch häufig von der Wahrheit mitbekommen. Ich fühlte mich oft an meine eigene Kindheit erinnert, wo ich Ärger für etwas bekommen habe, was meine Schwester getan hat, nur weil sie eine gute Geschichte parat hatte, und umgekehrt, wobei die Streiche hier doch von einem ganz anderen Kaliber sind.

Die Auflösung des Rätsels schließlich ging mir sehr nahe und der Epilog hat dann tatsächlich noch einmal einen draufgesetzt. Ich konnte einfach nicht fassen, in welche Abgründe diese Familie schauen musste und mit welcher Last sie jahrelang leben musste.

Leider habe ich auch ein paar kleine Fehler entdeckt. So wird zum Beispiel erwähnt, dass Ernst, ein Verdächtiger, definitiv im Wald war, sogar bei der Suche nach den Kindern geholfen hat und von Sander gesehen wurde. Später heißt es dann, dass Sander niemals einen zweiten Mann erwähnt habe und man deshalb nicht sicher sein könne, ob Ernst im Wald gewesen ist. Auch fand ich Sanders Verhalten seltsam, sein ständiger Verweis darauf, dass er nicht über das Geschehene reden wolle, obwohl er dennoch immer wieder davon spricht. Selbst mit dem Wissen um das Ende erscheint mir das etwas seltsam.

Trotzdem habe ich dieses Buch sehr gerne und schnell gelesen. Es hat mich sehr beeindruckt und ich muss immer wieder an das Geschehene und vor allem den Schluss denken. Und das macht doch ein gutes Buch aus, oder? Anders wird sicherlich nicht mein letzter Thriller gewesen sein. Ich vergebe 4 von 5 Wolken und danke dem Verlag und dem Bloggerportal recht herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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