Dienstag, 12. Dezember 2017

"Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano


"Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano

Verlag: Heyne (2011)
Format: TB, 363 Seiten
ISBN: 978-3-453-40801-2
Preis: 8,99 € [D] 
Originaltitel: La solitudine dei numeri primi (2009)
Aus dem Italienischen von Bruno Genzler

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Inhalt


Ein einziger Tag in ihrer Kindheit entscheidet über ihr Schicksal: An diesem Tag verliert Alice das Vertrauen in ihren Vater und ihre Lebenslust. Mattia hingegen verliert seine Schwester, als er sie nur ein Mal aus den Augen lässt. Jahre später lernen Mattia und Alice einander kennen. Sie scheinen füreinander bestimmt zu sein. Doch das Leben legt ihnen Hindernisse in den Weg. (Quelle)

Meine Meinung


Dieses Buch hatte ich schon öfters in der Hand und auch der Trailer zum Film ist mir nun schon ein paar Mal über den Weg gelaufen. Jetzt endlich habe ich es - innerhalb von nur wenigen Stunden - gelesen und muss sagen: die viele gute Kritik ist gerechtfertigt.

Alice und Mattia - zwei Menschen, deren Leben von nur einem schicksalhaften Tag in der Kindheit geprägt wurde, und die aufgrunddessen stets von einer scheinbar unüberwindbaren Kluft getrennt sind. So wie Primzahlen, die immer mindestens eine weitere Zahl zwischen sich haben und niemals nebeneinander stehen. Dieser Vergleich, den Giordano mittels der Gedanken des Mathegenies Mattia zieht, hat mich sehr berührt und ist mehr als treffend für die Beziehung der beiden tragischen Protagonisten.

Die Geschichte beginnt 1983 beziehungsweise 1984 mit den Ereignissen, die aus Alice und Mattia die Menschen machten, die sie letzendlich geworden sind. Von da an beleuchtet Giordano Momente in den Jahren 1991, 1995, 1998, 2003 und 2007, insgesamt also über 25 Jahre, in denen sich die Protagonisten mal näher sind, mal Meilen von einander entfernt sind, während sie gleichzeitig versuchen, ihre Vergangenheit zu bewältigen und im Leben Fuß zu fassen.

Mit schnörkelloser und scheinbar schlichter Sprache taucht Giordano in die Psyche seiner Figuren ein und offenbart dadurch sein unbestreitbares schriftstellerisches Talent. Er zeichnet die Protagonisten schnell und zielgerichtet, während deren Entwicklung subtiler und kaum merklich vonstatten geht.  Er zeigt auf, wie unterschiedlich Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen und dass es keine Seltenheit ist, Erlebtes mithilfe von gegen sich selbst gerichteter Gewalt zu verarbeiten - sichtbar oder nicht. Außerdem wird dem Leser schmerzlich bewusst, welchen großen Einfluss die Kindheit auf das ganze Leben hat und wie sehr uns der Ballast, den wir mit uns herum schleppen, von anderen Menschen entfernen kann.  

Trotz der eher düsteren und hoffnungslosen Grundstimmung entwickelt der Roman einen Sog, dem auch ich mich nicht entziehen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, ob Alice und Mattia aller Widrigkeiten zum Trotz zusammen finden und ob sie es schaffen, sich von ihrer Vergangenheit zu lösen und im Leben Fuß zu fassen. Ein Happy End, eine Differenzierung von schwarz und weiß, gut und schlecht würde nicht zu so einem Roman passen, das könnt ihr euch sicherlich schon denken. Dennoch ist Giordano ein Ende gelungen, das mich mit einem Lächeln auf den Lippen zurück ließ.

Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

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