Samstag, 16. Dezember 2017

"Im Auge des Leuchtturms" von Antonia Michaelis


"Im Auge des Leuchtturms" von Antonia Michaelis

Verlag: Emons (2015)
Format: TB, 311 Seiten
ISBN: 978-3-95451-675-9
Preis:14,95 € [D] 

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Inhalt


Nada Schwarz ist ständig auf Achse und geht voll in ihrem Beruf auf, um die Geschehnisse der Vergangenheit zu vergessen. Doch dann erhält sie eine mysteriöse Postkarte, die sie zurück auf eine kleine Nordseeinsel ruft. Hier, im Ferienhaus ihrer Eltern, träumt sie immer wieder davon, im Leuchtturm der Insel Ikea-Möbel aufzubauen und mit einem Kind zu telefonieren, das in einem Keller eingesperrt ist und zu ertrinken droht. Was hat das alles zu bedeuten? Und wer hat sie zurück auf die Insel gelockt?


Meine Meinung


Antonia Michaelis ist einer meiner Lieblingsautorinnen und so zögerte ich nicht lange, auch dieses Buch von ihr zu lesen. Es war in Ordnung, ebenso nebulös und mysteriös wie ihre anderen Bücher, dennoch hat es mir nicht ansatzweise so gut gefallen wie die anderen Romane, die ich bereits von ihr gelesen habe.

Das Buch dreht sich um Nada Schwarz, einen Workaholic ohne Zeit für Freunde und private Vergnügen. Eine Postkarte mit einem Leuchtturmmotiv ruft sie eines Tages zurück auf eine kleine Nordseeinsel, wo ihre Eltern ein Haus besitzen. Von Anfang an ist klar, dass in ihrer Kindheit irgendetwas geschehen sein muss, das sie seither von der Insel ferngehalten hat. Ebenso klar ist, dass sie jenes Geschehniss seither verdrängt, unter Arbeit erstickt hat. In Träumen, die sie Nacht für Nacht in den verlassenen Leuchtturm der Insel führen, offenbart sich ihr schließlich Stück für Stück die Vergangenheit.

Nada ist die unsympatischste Protagonistin, die mir seit langem untergekommen ist und die Atmosphäre, die sie bis zum Schluss umgibt, hat mir ein unbehagliches Gefühl bereitet. Psychologisch betrachtet ist der Panzer, den sie um sich gesponnen hat, zwar erklärbar und auch verständlich, das hat für mich jedoch nicht ausgereicht, um irgendwie Zugang zu ihr zu finden. Überhaupt hat sich die düstere Stimmung in diesem Roman auch gegen Ende nicht gehoben - etwas, das ich sehr vermisst habe. In Michaelis' anderen Werken gibt es doch immer irgendwie einen Hoffnungsschimmer oder warme Momente, hier fehlte für mein Empfinden beides.

Wie ich es bei Romanen von Michaelis gewohnt bin, geht es auch in diesem Buch eher langsam voran, zögernd und vorsichtig bewegen sich die Figuren durch die Welt. Hier jedoch hatte ich das Gefühl, dass die textinterne Langsamkeit den Lesefluss bremst, was das Buch für meinen Geschmack zu langatmig werden ließ. Immer wieder der gleiche Traum, in dem wieder dasselbe getan wird, wie zuvor und Hinweise, die für den Leser deutlich sind, der Protagonistin jedoch gar nicht auffallen - ich hätte mir ein wenig mehr Tempo gewünscht.

Auch die Auflösung des Rätsels sowie die Beziehungen der Personen untereinander hat mich nicht wirklich befriedigt. Irgendwie hatte ich mit einem anderen Ausgang gerechnet, obwohl es schon eine sehr tragische Geschichte ist, die Michaelis hier aufrollt. Es ist allerdings keine, die mich noch lange nach dem Weglegen des Buch beschäftigt hat.

Im Auge des Leuchtturms ist als Kriminalroman betitelt und obwohl ich noch nie einen Schwedenkrimi gelesen habe, könnte ich mir vorstellen, dass hier eine ganz ähnliche Stimmung herrscht. Kaltblau und von eisigem Wind umweht - dieses Stimmungsbild fällt mir zu diesem Roman ein. Für mich war das Buch jedoch ein wenig zu eiserstarrt, weshalb ich 2 von 5 Wolken vergebe.

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